Wie viel erfahren wir tatsächlich über jedes einzelne Kind?
Diese Frage haben wir kürzlich bekommen und sie ist gar nicht so leicht zu beantworten.
Natürlich hat jedes Mädchen ganz unterschiedliche Bedürfnisse und Persönlichkeiten. Und ja, es sind viele Kinder. Trotzdem dürfen wir über die Zeit hier erstaunlich viel von ihnen kennenlernen. Es passiert nicht alles auf einmal, sondern Schritt für Schritt – im Alltag, in kleinen Momenten.
Gerade über Wochen und Monate entstehen Beziehungen, in denen Vertrauen wächst und Gespräche tiefer werden.
Wie funktioniert die Kommunikation mit so vielen Sprachbarrieren?
Ein bisschen chaotisch und gleichzeitig richtig schön.
Mit den älteren Mädchen ist es oft einfacher, weil viele von ihnen etwas Englisch sprechen. Sie erzählen gerne, stellen Fragen und sind unglaublich neugierig. Manche helfen sogar beim Übersetzen für die anderen.
Und sonst? Dann wird mit Händen und Füssen gesprochen. Oder mit Bildern, kleinen Skizzen oder schnell gegoogelten Fotos. Irgendwie findet man immer einen Weg.
Natürlich gibt es auch Missverständnisse. Aber mit der Zeit braucht es immer weniger Worte.
Wie entsteht echter Austausch im Alltag?
Oft ganz nebenbei.
Beim Englischunterricht, beim gemeinsamen Kochen oder Backen, beim Joggen oder Malen, gerade in kleinen Gruppen entstehen die besten Gespräche. Es sind diese einfachen Situationen, in denen sich die Mädchen öffnen und erzählen.
Und auch mit den kleineren passiert viel einfach anders. Da läuft vieles über Spielen, Lachen, Gesten. Man versteht sich nicht immer mit Worten, aber trotzdem ziemlich direkt.
Manchmal braucht es ein bisschen mehr Geduld. Aber genau darin liegt auch etwas Schönes.
Ist „helfen wollen" automatisch etwas Gutes?
Diese Frage begleitet uns hier immer wieder.
Viele von uns kommen mit dem Gedanken: Ich möchte helfen. Und das ist erstmal etwas Schönes. Aber mit der Zeit merkt man auch, dass „Hilfe" nicht immer so einfach ist.
Nur weil man helfen will, heisst das nicht automatisch, dass es auch hilfreich ist.
Wir lernen hier, unsere Rolle zu hinterfragen. Wir sind nicht hier, um grosse Veränderungen anzustossen, sondern um einen kleinen, respektvollen Teil beizutragen. Das System hier funktioniert bereits, wir sind ein kleiner Teil davon auf Zeit.
Das bedeutet auch: zuhören statt sofort handeln, beobachten statt eingreifen, Beziehungen aufbauen statt Lösungen vorgeben.
Und vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis:
Dass es nicht darum geht, möglichst viel zu tun, sondern das Richtige, und manchmal auch weniger.
Liebe Grüsse eure Maura :))