Mittendrin statt nur dabei.

Über unseren Blog „Mitten im Geschehen“ bleibt ihr täglich auf dem Laufenden über alles, was im Angels Home for Children in Sri Lanka passiert. Sowohl Frank und Julia, unsere Projektleiter, als auch die Freiwilligen teilen hier ihre Erfahrungen – von witzigen Alltagsmomenten bis hin zu besonderen Einblicken in das Leben in Sri Lanka. Mit unseren Beiträgen möchten wir euch regelmäßig zeigen, was wir dank eurer Unterstützung mit dem Dry Lands Project e.V. für die Kinder vor Ort bewegen. Viel Spaß beim Lesen und Mitfiebern!

Wenn Kopfschütteln ‚Ja‘ bedeutet – Meine Reise durch die singhalesische Kommunikation

a296cb86-b27c-4536-88cd-dbe924012898

Kaum zu glauben, dass Alessia und ich nun schon seit knapp vier Monaten hier im Angels Home sind.

Es ist eine einzigartige Erfahrung, die mir nicht nur die Kinder näherbringt, sondern auch zeigt, wie komplex und vielseitig Kommunikation sein kann.

Als ich hierher kam, hatte ich diese Vorstellung, dass man einfach Englisch spricht und ein paar Worte auf Singhalesisch lernt, und alles würde gut laufen. Ich habe schnell gemerkt, dass ich viele Situationen ganz anders wahrnehme als die Menschen hier. Ein kleines Beispiel: Wenn ich frage, ob etwas möglich ist, bekomme ich oft ein kräftiges Kopfschütteln. Anfangs war das für mich total verwirrend. Für mich bedeutet das „Nein". Aber hier heisst das häufig „Ja" oder „Ich habe verstanden". Es hat eine Weile gedauert, bis ich begriffen habe, dass dieses Kopfschütteln nicht automatisch bedeutet, dass mit der Aufgabe sofort etwas passiert.

Was ich in den letzten Monaten gelernt habe, ist, dass Zustimmung nicht immer direktes Handeln bedeutet. In meiner Vorstellung dachte ich: „Aber du hast doch gerade Ja gesagt. Warum passiert nichts?" Hier spielen Höflichkeit, Zeitverständnis und Prioritäten eine ganz andere Rolle, und das war für mich erst einmal sehr irritierend.

Im Alltag mit den Kindern erlebe ich, wie wichtig nonverbale Kommunikation ist. Oft verstehen wir uns, selbst wenn wir nicht die gleiche Sprache sprechen. Ein Lächeln, ein Blick oder eine kleine Geste reichen aus.

Gleichzeitig wird mir bewusst, wie schnell Missverständnisse entstehen können, wenn ich Dinge aus meiner eigenen kulturellen Perspektive bewerte. Interkulturelle Kommunikation ist faszinierend. Zwei Menschen erleben die gleiche Situation, verstehen sie aber unterschiedlich, nicht weil einer von ihnen falsch kommuniziert, sondern weil jeder seine eigenen Erfahrungen und kulturellen Hintergründe mitbringt.

Das erinnert mich an das Vier Ohren Modell von Schulz von Thun. Jede Botschaft hat mehrere Ebenen, und welche wir am stärksten wahrnehmen, hängt oft von unserer kulturellen Prägung ab.

Ich habe erkannt, dass interkulturelle Missverständnisse häufig auf unterschiedliche Kommunikationsgewohnheiten zurückzuführen sind.

Und nun heisst es, die letzten paar Wochen noch zu geniessen:))


Eure Maura

15
Einen Einblick in unseren Alltag
Noch drei Wochen

Ähnliche Beiträge

Tauche ein in die Welt des Geschehens! Unser Newsletter hält dich stets auf dem Laufenden. Jetzt abonnieren.

Hast du eine Nachricht für uns?