Ich versteh nur Bahnhof? - Nicht mit uns!

Kommunikation geht auch ohne Worte z.B. mit Stiften
Nipunis 'Ich versteh nur Bahnhof' Blick

Wie kann man sich ein Leben miteinander vorstellen, wenn die Muttersprachen nicht übereinstimmen, wenn nicht einmal die gleichen Buchstaben zum Schreiben verwendet werden? Wenn die einzige Übereinkunft eine dritte Sprache ist, die auch eher mehr oder weniger gut beherrscht wird. Das ist schon nicht so einfach und da denkt sich so manch einer immer wieder: Ich versteh nur Bahnhof.

Aber es ist möglich und es ist, meiner Meinung nach, kein bisschen weniger herzlich, als würden wir die gleiche Sprache sprechen.Das betrifft nicht nur den Alltag mit den Kindern, auch unter uns Kolleg_innen gibt es dieses Problem. Unsere Lösung? SingaDeEnglisch. Es ist ein ständiges Entgegenkommen. Die Kinder versuchen sich jeden Tag daran ein paar Worte Deutsch zu lernen und mit uns auf Englisch zu kommunizieren, so gut es geht... Wir im Gegenzug lernen die ein oder anderen Wörter Singhalesisch, um auch mit den Kleinen, die kein Englisch können gut zu sprechen und Judith, Nirmala, Shirin, Sandamali und Jacintah versuchen sich an Englisch, um uns ihre Welt und Methoden zu erklären. 

Da heißt es sprechen mit Händen und Füßen.

 Das klingt nach einem riesen Gewusel und manchmal ist es das auch. Da wundert man sich schon manchmal, was man da gerade von sich gegeben hat. Da wird aus einem: Stopp lüg mich nicht an, wer hat das gemacht, schon mal ein: Stopp boruw kiende epa tell me who did this. Exzellenter Sprachensalat!

Unterschiedliche Sprachen haben aber auch so ihre Vorteile. Wenn eine Praktikantin mal schimpft und Strafen verteilt und das aus Kindersicht aber wieder einmal total ungerechtfertigt und sowieso ganz falsch und oberfies ist, kann man auch gut mal auf singhalesisch fluchen und seinem Unmut Luft machen. Blöd ist es dann natürlich wenn Judith in der Nähe steht und den Zwergenaufstand auch hört und bestens versteht.

Meistens sind die Kinder aber eher stolz, wenn sie als Übersetzerin eingesetzt werden und eine verzwickte Situation erklären können. Das motiviert immer wieder zum Sprachen lernen.

Ein großer Teil der Kommunikation geht aber auch ohne Sprache! Mit Mimik, Gestik und Lächeln. Mit Umarmungen wenn jemand traurig guckt und gemeinsamen Lachen. Mit Händen und Füßen und Stiften, wenn sie gerade greifbar sind. Natürlich ist Sprache ein wichtiger Punkt, trotzdem lernt man am Ende die Menschen auch so, mit improvisierter und vielseitiger Kommunikation und reichlich Kreativität sehr gut kennen.Das Lächeln und die liebevollen Gesten und das gegenseitige Entgegenkommen sind da doch viel mehr Wert, als so manch gesprochenes Wort! 

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Alles eine Frage der Geduld!
In kleinen Schritten zur Veränderung

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