Feuer und Flamme

Essen, nichts geht über gutes Essen. Sei es Frühstück, Mittagessen oder Abendessen, jede Mahlzeit ist ein Gaumenschmaus. In Deutschland denkt man nicht viel über das Essen nach, welches vor einem steht. Man schöpft sich kräftig auf den Teller auf und genießt es ohne jeden Gedanken daran zu verschwenden, ob etwas Besonderes darin sein könnte.

Gibt es bei uns zuhause noch die Nudeln vom Vortag, wird schon so manchmal gemeckert: „Schon wieder Nudeln?" In manchen Familien kommt es überhaupt nicht in Frage zweimal oder vielleicht sogar dreimal das Gleiche zu essen, da landet das Essen dann schon einmal im Müll.

In der ersten Woche hier im Angels Home wurde ich eines Besseren belehrt, was die Betrachtung des Essens betrifft. Schon beim Frühstück war Vorsicht geboten! Nadine und ich freuten uns über die belegten Brötchen und griffen gleich zu. Wir freuten uns über die Tomaten, den Salat, die Paprika und die Eier. Nadine entschied sich für das Brötchen mit besonders viel Paprika. Es war wirklich lecker! Doch als ich Nadine anschaute und bemerkte wie sich ihr Gesicht rot färbte und die Augen sich mit Tränen füllten und ihre Wangen runterkullerten, wusste ich: Das war keine Paprika. Es dauerte eine Weile bis sich das ausbreitende Feuer in Nadines Rachen wieder legte. Warum ist das Frühstück scharf? Warum sollten wir glauben das auf einem Frühstücksbrötchen eine Chili ist?

Naja, weil wir nicht mehr in Deutschland sind, sondern in Sri Lanka.

Unscheinbare Kokosraspeln

Als es am selben Tag mittags zum Essen läutete, freute ich mich schon auf die einheimische Kost. Ich schöpfte mir Reis, Fisch, Kartoffeln und einen großen Löffel mit gewürzten Kokosraspeln. Da Nadine schon geprägt war, war sie etwas skeptischer als ich. Wir setzen uns zu Frank und fingen an zu essen. Die ersten Bissen waren sehr lecker, doch so langsam wurde es scharf. Die Nase fängt an zu laufen und man merkt wie sich die Schärfe im Hals ausbreitet und man versucht mit Wasser zu löschen. Vergeblich. Man versucht sich nichts anmerken zu lassen, aber das ständige räuspern und meine Gesichtsfarbe verrieten mich. Frank hatte sichtlich Spaß daran uns beim Essen zu beobachten. Wenn ich daran denke muss ich selbst lachen, wie wir mit unseren roten Gesichter da sitzen und versuchen das brennen auf den Lippen, im Mund und im Rachen in den Griff zu kriegen.


Unser Küchenteam entfacht Feuer

Nach dem Frühstück und dem Mittagessen waren wir nun äußerst vorsichtig. Bevor etwas auf den Teller kam wurde alles genau begutachtet und spekuliert was scharf sein könnte und was nicht, wie beispielsweise ein Rote Beete Salat sieht völlig harmlos aus und bringt dann doch den Rachen zum brennen. Es dauerte eine Woche, um sich an die Schärfe zu gewöhnen, sowie auch daran, täglich mindestens zweimal am Tag Reis zu essen. Nur als kurze beiläufige Info: Das Küchenteam kocht pro Tag 17 kg Reis. In der Woche sind es ca. 100 kg.

Wie viel Reis essen wir in Deutschland? Wir kommen nicht annähernd an diese Zahlen.


Nun zurück zum Thema SCHARF. Mir stellt sich nach eineinhalb Wochen die Frage, wie ich das Essen zu Hause in Deutschland empfinden werde, wenn ich nach drei Monaten scharfem Essen wieder zuhause bin. Werde ich sagen: „Mama hast du vergessen das Essen zu würzen?" oder „Endlich wieder ein „normales" Würzverhältnis." Ich bin gespannt!

Frank hat uns gesagt, dass wir uns an das scharfe Essen gewöhnen werden. Ich konnte es in den ersten Tagen nicht glauben, da alles so scharf war und es für mich unvorstellbar war sich an so etwas zu gewöhnen. Doch ich muss sagen, nach mehr als einer Woche habe ich mich daran gewöhnt. Es gibt immer noch ein paar Gerichte wo ich denke das ist scharf, aber überwiegend würde ich sagen ich bin über dem Berg! :-D

Bis jetzt kann ich nur sagen in Sri Lanka is(s)t man Feuer und Flamme.

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