Mittendrin statt nur dabei.

Über unseren Blog „Mitten im Geschehen“ bleibt ihr täglich auf dem Laufenden über alles, was im Angels Home for Children in Sri Lanka passiert. Sowohl Frank und Julia, unsere Projektleiter, als auch die Freiwilligen teilen hier ihre Erfahrungen – von witzigen Alltagsmomenten bis hin zu besonderen Einblicken in das Leben in Sri Lanka. Mit unseren Beiträgen möchten wir euch regelmäßig zeigen, was wir dank eurer Unterstützung mit dem Dry Lands Project e.V. für die Kinder vor Ort bewegen. Viel Spaß beim Lesen und Mitfiebern!

Noch drei Wochen

Zwischen Unsicherheit, Vertrauen und dem Alltag im Angels Home.

Noch drei Wochen.

Es fühlt sich komisch an, das zu schreiben. Am Anfang hatte ich das Gefühl, dass ich so lange hier sein werde und jetzt ist die Zeit plötzlich fast vorbei.

Wenn ich zurückblicke, hat sich vieles verändert. Am Anfang war ich oft unsicher: neue Umgebung, andere Sprache, neue Rolle. Ich musste mich zuerst orientieren, beobachten und verstehen, wie der Alltag im Heim funktioniert. Vieles war ungewohnt und ich habe mich oft gefragt, ob ich in bestimmten Situationen richtig handle.

Mit der Zeit ist vieles vertrauter geworden. Ich kenne die Abläufe, die Kinder und auch meine Rolle im Alltag besser. Ich merke, dass ich sicherer geworden bin - nicht, weil alles einfach ist, sondern weil ich gelernt habe, mit Unsicherheit umzugehen und trotzdem zu handeln.

Was mich besonders geprägt hat, sind die vielen kleinen Alltagssituationen. Gespräche mit den Mädchen, gemeinsame Aktivitäten, aber auch herausfordernde Momente, in denen mehrere Kinder gleichzeitig etwas brauchen oder Konflikte entstehen. Gerade in diesen Situationen habe ich gelernt, ruhig zu bleiben, Prioritäten zu setzen und nicht alles gleichzeitig lösen zu wollen.

Auch die Beziehung zu den Mädchen ist für mich sehr wichtig geworden. Viele sind mir in dieser Zeit ans Herz gewachsen. Es ist schön zu sehen, wie Vertrauen entsteht, aber gleichzeitig wird mir jetzt auch bewusst, dass der Abschied näher kommt. Das ist nicht einfach – weder für die Kinder noch für mich.

Ich habe gelernt, dass soziale Arbeit oft nicht in grossen Momenten passiert, sondern im Alltag. In kleinen Gesten, im Zuhören, im Dasein oder auch darin, klare Strukturen zu geben.

Gleichzeitig habe ich auch meine eigenen Grenzen besser kennengelernt. Es gibt Situationen, die ich nicht vollständig verstehe oder nicht alleine lösen kann. Ich habe gelernt, mir Unterstützung zu holen und anzuerkennen, dass ich nicht für alles verantwortlich bin.

Für die nächsten drei Wochen steht für mich nochmals viel an – unter anderem auch die Woche, in der wir mehr Verantwortung im Heim übernehmen werden. Ich bin gespannt, wie das wird und merke gleichzeitig, dass ich mir inzwischen mehr zutraue als noch am Anfang.

Ich möchte die letzte Zeit bewusst nutzen: weiterhin Verantwortung übernehmen, für die Kinder da sein und jeden Moment noch einmal richtig geniessen. Die gemeinsamen Erlebnisse, Gespräche und kleinen Alltagsmomente sind das, was diese Zeit so besonders macht.

Wenn ich etwas aus dieser Zeit mitnehme, dann ist es vor allem das Gefühl, dass Entwicklung nicht von heute auf morgen passiert – sondern Schritt für Schritt, oft unbemerkt, aber trotzdem sehr wirkungsvoll.

Lg Alessia :) 

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