Me too-Suizidalität unter jungen Frauen in Sri Lanka

Alle 40 Sekunden bringt sich ein Mensch um

Unter diesem Schlagwort wurde in den vergangenen Tagen viel zum Thema sexuelle Belästigung und -Gewalt diskutiert und geschrieben. Erschreckend ist die schiere Flut der „me too" Kommentare in den sozialen Medien weltweit. Ganz besonders ist dieses Thema jedoch für Mädchen und junge Frauen in Sri Lanka seit jeher aktuell. Eine grosse Studie (unter über 165 000 Menschen) in der North Central Province ergab eine Rate von 530 versuchten Suiziden pro 100 000 in der Gruppe der 10-25 jährigen Mädchen und Frauen. Auch die Rate der tatsächlich vollzogenen Suizide ist mit 14,7 pro 100 000 im Ländervergleich eher hoch und hier sind zum grössten Teil Männer betroffen.

Doch warum ist gerade unter den Mädchen und jungen Frauen die Suizidalität so hoch? Dieser Frage gingen weitere Studien nach. An erster Stelle stehen Schikanierung durch den Ehepartner und Familienstreitigkeiten, gefolgt von Problemen in Liebesdingen an zweiter Stelle. Die zunehmenden Erpressungen mittels kompromittierender Fotos oder Videos, die, einmal auf dem Handy der Täter, als Erpressungsmittel für Geld oder Sex eingesetzt werden, befeuern dieses jahrhunderte alte Problem zusätzlich. Erlaubt es doch den Tätern die Frauen mittels weniger Klicks nachhaltig zu erniedrigen und bloß zu stellen, nicht selten landet das Bildmaterial nach kurzer Zeit auf Pornoseiten. 

Der Mix aus patriarchaler Gesellschaft in der Jungs kaum Grenzen kennen und Mädchen tugendhaft zu sein haben, Sex offiziell nur der Reproduktion dient und einer Aufklärung die, wenn überhaupt vorhanden, bruchstückhaft ist, sowie die weit verbreitete häusliche Gewalt sind eine giftige Mischung für tragende, auf Respekt basierende Beziehungen. Und darunter leiden Frauen wie auch schlussendlich Männer.

Diesem Problem hat sich der „Grassroots Trust" angenommen und mit Mitarbeitern das Land bereist, um auch in ländlicheren Gegenden eine sexuelle Erziehung in die Schulen zu bringen. Lehrern soll das nötige Werkzeug an die Hand gegeben werden, um mit Schülern künftig über respektvolle Beziehungen und sinnvolle Aufklärung zu sprechen.

Sri Lanka ist im Begriff Strategien zur Suizidprävention zu entwickeln, die über das reine Verbot der dazu eingesetzten Substanzen hinaus gehen. Dazu wir eine breite Zusammenarbeit aus Wissenschaft, Ministerien und schlussendlich der einzelnen Menschen notwendig sein, um diesem vielschichtigen Problem gerecht zu werden.Quelle

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