Alle zwei Monate steht bei uns im Angels Home ein ganz besonderer Programmpunkt an: die Kokosnussernte. Für viele klingt das vielleicht idyllisch – Palmen, Sonne, tropische Früchte. Für uns bedeutet es vor allem eins: viel Arbeit, viel Teamwork und jedes Mal ein bisschen Nervenkitzel.
Allein für unsere Küche brauchen wir in diesen zwei Monaten rund 1.000 Kokosnüsse zum Kochen. Und das ist nicht nur eine Frage der Menge, sondern auch der Kosten: Eine Kokosnuss liegt hier je nach Saison bei etwa 50 bis 60 Cent. Das bedeutet, dass wir allein für die Küche rund 250 Euro pro Monat nur für Kokosnüsse ausgeben. Eine Zahl, die man leicht unterschätzt, wenn man die Palmen einfach nur im Garten stehen sieht.
Je nach Jahreszeit kommen insgesamt zwischen 1.000 und 1.500 Nüsse zusammen, in der Hauptsaison sogar bis zu 2.000. Das sieht man dem Gelände danach auch an. Wenn die Ernte vorbei ist, liegen überall Kokosnüsse, Fasern und abgeschnittene, getrocknete Palmblätter. Es wirkt fast, als wäre ein kleiner Sturm durchgezogen. Dann heißt es: Ärmel hochkrempeln und gemeinsam anpacken. Auch die Kinder helfen fleißig mit beim Einsammeln und Aufräumen.
Für sie ist es jedes Mal ein kleines Abenteuer und eine gute Gelegenheit zu sehen, woher die Kokosnüsse kommen, die später in der Küche verarbeitet werden.
Was mich selbst nach über 20 Jahren hier immer noch beeindruckt, ist die Arbeit in luftiger Höhe. Die Männer klettern auf bis zu 30 Meter hohe Palmen, sichern sich mit Seilen und bewegen sich dort oben mit einer Selbstverständlichkeit, bei der mir schon vom Zuschauen schwindelig wird. Für sie ist es Routine – für mich bleibt es jedes Mal aufs Neue faszinierend.
Was die Kokosnuss für uns aber besonders wertvoll macht, ist ihre Vielseitigkeit. Fast nichts wird weggeworfen:
Die beim Ernten abgeschnittenen Palmblätter dienen später als Feuerholz in der Küche. Die Schalen und Hüllen der Kokosnüsse werden getrocknet und entweder als Dünger rund um die Palmen ausgelegt oder ebenfalls als Brennmaterial genutzt. Aus den harten Schalen entstehen oft kleine Schnitzereien oder praktische Alltagsgegenstände wie Kochlöffel oder Trinkbecher. Und selbst die Reste, nachdem Saft und Fruchtfleisch verarbeitet wurden, landen nicht im Müll, sondern als Futter bei unseren Hühnern.
So zeigt die Kokosnussernte jedes Mal aufs Neue, wie wertvoll diese Frucht ist – nicht nur für unsere Küche, sondern für den gesamten Kreislauf hier im Angels Home. Eine scheinbar einfache Kokosnuss wird so zu einem Beispiel für Nachhaltigkeit, Selbstversorgung und gemeinsames Anpacken.