So viel Neues – aber auch Bekanntes


Mittlerweile habe ich 4 Wochen hier im Angels Home verbracht und das Kinderheim selbst sowie ein wenig Land und Leute kennengelernt. Es ist schwer, all die neuen Eindrücke und Begegnungen in Worte zu fassen beziehungsweise irgendwie zu ordnen. Aber ein Versuch soll es wert sein.

Strand 3Den ersten Eindruck von Sri Lanka bekommt man natürlich am Flughafen. Nachdem mit Gepäck und Visum alles reibungslos funktioniert hat, macht man sich auf den Weg aus dem Gebäude hinaus in die frische Luft... wobei das mit dem frisch relativ ist. Ohne es wirklich zu bemerken -da man sich ja nicht viel bewegt- fängt man an zu schwitzen. Währenddessen wird man von einem Dutzend Taxifahrern gefragt ob man ein Taxi brauche und auf die Verneinung hin die Frage, warum man keines brauche. 'I will be picked up by a friend.' (Ich werde von einem Freund abeholt). 'Ah, a freend.' (Ah, ein Freund.). Aber wenn man auch nur fünf Minuten warten muss, wird man noch einmal gefragt. Ja, so ungefähr war mein allererster Eindruck.

Meine erste Woche im Angels Home durfte ich mit der lieben Tara verbringen. In ihrer letzten Woche hat sie sich große Mühe gegeben mir den Tagesablauf, meine zukünftigen Aufgaben und alle weiteren wichtigen Dinge zu zeigen. Dafür bin ich ihr sehr dankbar! Ich würde sagen, fast die größte Herausforderung waren dabei die Namen der knapp 60 Mädchen. Zum einen, weil sie für meine deutschen Ohren total fremd sind und man sie sich so schlecht merken kann, und zum anderen weil viele Namen ähnlich klingen oder auch zwei Mädchen den selben Namen haben. Aber mittlerweile kann ich von mir behaupten, dass ich eigentlich alle Namen kenne. 
Die Mädchen und auch alle Mitarbeiter_innen waren sehr nett zu mir und halfen beziehungsweise helfen mir bei allem, wo ich noch Fragen habe. Bei den Mädchen hat mich sehr beeindruckt, wie die großen den kleinen Mädchen helfen und sie beim Waschen, bei der Gartenarbeit oder auch nur beim Anziehen unterstützen. Es fühlt sich so an, als wäre jedes große Mädchen ein bisschen Mama für die Kleinen. Das beobachte ich sehr gerne.

Neben den Abläufen im Kinderheim muss man sich natürlich auch noch an ein paar andere Dinge gewöhnen. Da wäre das Essen, das sehr scharf aber auch sehr lecker ist. Die Früchte, die hier tausendmal besser schmecken, als wenn man sie in Deutschland kauft. Das Klima, bei dem man bei der kleinsten Bewegung anfängt zu schwitzen und das manchmal auch Ausschlag und dicke Füße verursacht... Wobei gerade Regenzeit ist und es die letzten Tage gefühlt durchgängig geregnet hat. Auch die Tier- und Pflanzenwelt ist eine ganz andere. An die Tatsache, jeden Morgen umringt von Palmen aufzuwachen kann man sich schnell gewöhnen und ist aber trotzdem immer wieder fasziniert. Jetzt schon meine Lieblingstiere sind definitv die Streifenhörnchen, die man immer wieder die Palmen hochklettern sieht. Einen Pfau habe ich bisher noch nicht zu Augen bekommen.

Threewheel (Tuk Tuk) das meist genutzte Gefährt in Sri LankaAnstatt mit dem Auto zu fahren, fährt man hier mit einem Tuk Tuk oder für weitere Strecken mit dem Bus. Die Busse sind meistens bis zum Anschlag voll und man weiß nie so richtig wo man gerade ist oder wo man aussteigen muss. Die Kommunikationsfähigkeit wird dadurch auf jeden Fall gefördert, wobei man Sprachbarrieren überbrücken muss. Generell muss man in einem fremden Land die Kultur kennen lernen und Sitten und Traditionen teilweise erlernen. Da fällt mir zum Beispiel spontan das ‚Kopfnicken‘ ein, was man eher als seitliches Kopfnicken beschreiben kann. Diese Liste für mich neuer Dinge könnte man noch um einiges weiter führen, aber für heute soll das genügen.

Doch neben all diesen neuen und unbekannten Dingen, gibt es auch welche, die nicht so unbekannt für mich sind. Dazu zählen zum Beispiel die zahllosen Krähen oder auch das Brot, das deutschem Weißbrot sehr nahe kommt. Auch wenn die Mädchen hier in einer ganz anderen Kultur groß geworden sind, sind sie nichtsdestotrotz auch einfach nur Kinder, die gerne mit Barbies spielen, sich ab und zu streiten aber auch viel Nähe brauchen.Zahlreiche Krähen gibt es auf Sri Lanka 
Durch meine Zeit auf den Philippinen vor viereinhalb Jahren kommen mir viele Dinge bekannt vor oder habe ich vieles auch schon gesehen. Dazu zählen unter anderem Kakerlaken, bei deren Anblick ich nicht am losschreien bin. Auch drei mal täglich Reis zu essen kenne ich bereits. Sogar das Stadtbild von Marawila mit all den kleinen Geschäften und bunten Reklametafeln kommt mir irgendwie bekannt vor. Ich will hier nicht alles aufzählen, aber es lassen sich tatsächlich viele Vergleiche ziehen. Die Tatsache, dass ich bei Vielem einfach nur denke "Das ist halt so." lässt in mir den Gedanken aufkommen, ob ich in irgendeiner Weise abgestumpft bin, da ich Ähnliches schon einmal erlebt habe und die Erfahrungen jetzt nicht mehr so intensiv sind… Auf der anderen Seite fällt es mir so vielleicht leichter, mich einzuleben.

Generell mag ich es sehr gerne, neue Kulturen kennen und auch verstehen zu lernen. Ich finde es wichtig, wenn man sich in einem Land aufhält, die Kultur zu schätzen und zu achten und sich auch anzupassen. Womit ich im Vorfeld nicht gerechnet hatte, ist jedoch, dass es mir doch teilweise schwer fällt. In den letzten Jahren ist in mir die Einstellung gereift, dass jeder Mensch die Chance und auch das Recht dazu haben sollte, sein Leben so zu gestalten, wie er möchte. Ein wichtiger Aspekt ist für mich auch die Chancengleicheit von Frauen und Männern. Hier in Sri Lanka herrscht jedoch ein recht konservatives Frauenbild. Auch daran muss man sich gewöhnen, selbst wenn es den eigenen Prinzipien widerspricht...

Es ist Monsum Zeit in Sri LankaWenn ich abschließend daran denke, was ich die letzten zwei Wochen erlebt habe, denke ich an Zahnpasta verteilen, Haare flechten, die Mädchen die meinen Namen rufen, das alltägliche Waschen, Englischnachhilfe, Kinderlachen und auch -schreien, Knuddeleien, laute Gewitter und lauter Regen, frühes Aufstehen, Mittagsschläfchen, Kokosnussernte, leckeres Essen, Hitze, Regen, Tuk Tuk- und Busfahrten und an so vieles mehr.

Ich bin mir sicher, ich habe noch lange nicht alle Dinge entdeckt und bin gespannt was die nächsten zwei Monate für mich bereithalten. Die nächsten zweieinhalb Wochen werde ich noch die einzige Praktikantin sein, was mir anfangs etwas Bauchschmerzen beschert hat. Aber durch die letzte Woche, in der ich auch schon alleine war, kann ich wieder sehr viel optimistischer den kommenden Wochen entgegen blicken 

Zum Ende dieses Beitrages möchte ich gerne noch ein Zitat anbringen, das aus dem Buch "Die Katze des Dalai Lama und die Kunst des Schnurrens" von David Michie stammt, das ich während den letzten beiden Wochen gelesen habe.

Michie schreibt, "[...] dass Glück die Nebenwirkung des Engagements für eine Sache darstellt, die größer ist als man selbst […]“ (S. 238).