Flexibilität - allzeit gefragt! - Vor allem in der Regensaison!

Leichte Spuren der Regensaison Leichte Spuren der Regensaison

Sri Lanka – das Land, bei dem viele Menschen an Sonne, heiße Temperaturen und strahlend blauen Himmel denken, dort befinde ich mich nun seit einer Woche. Nur, dass hier statt den eben genannten Wettereigenschaften hauptsächlich Regen, angenehm mildeTemperaturen und ein grauer Himmel herrschen. Denn es ist Regenzeit. Die „Matron" (Erzieherin) Nirmala erzählte mir, dass die hier so genannte „rainy season" ungefähr im Oktober startet und gegen Dezember endet. Für die hier lebenden Menschen ist das eine angenehme Abkühlung. Und auch für uns Praktikanten, kommend aus dem kühleren Deutschland ist dies ein sanfter Einstieg ins singhalesische Klima. So haben wir nicht direkt mit Schwüle und einer stechenden Hitze zu kämpfen. Bisher sei die Regensaison wohl so abgelaufen, dass es hauptsächlich abends regnete, wir haben nun eine eher ungewohnte Zeit erwischt, in der es auch mal den ganzen Tag regnen kann. …Wenn wir aber in der „Playtime" (die Spielzeit am Nachmittag) mit den Mädels hitzige Ballspiele machen und dabei so richtig ins Schwitzen kommen, kann eine regnerische Abkühlung wie ein kleiner Segen sein.

Schon an unserem ersten Tag haben wir direkt ein singhalesisches Gewitter miterlebt, für uns etwas Besonderes, es machte auf uns den Eindruck, es sei ein starkes Unwetter. Als Frank dann jedoch meinte, dies sei mit dem Empfinden eines Nieselregens in Deutschland vergleichbar, waren wir doch erstaunt und gespannt, wie dann ein wirklich stärkeres Gewitter hier aussieht.

 Da sich in unserem Heim das Leben und Arbeiten sehr viel im Freien abspielt, spielt auch das Wetter eine nicht unbedeutende Rolle. Im Regelfall fegen die Kinder am Nachmittag ab 16 Uhr die Böden von Laub und Müll frei, denn dann heißt es „garden work" (Gartenarbeit), diese wird von einigen Kindern wirklich motiviert und fast schon enthusiastisch ausgeführt. Sie rennen zu den Müllsäcken, strecken einem ihre Ärmchen entgegen und ziehen uns dann mit zum nächsten bereits zusammengefegten Laubhäufchen. Ob sie das so schnell und gewissenhaft ausführen, weil sie danach die „Playtime" (Spielzeit) haben..? 😊 Naja, am Montag, vor 2 Tagen, hat sich die Gartenarbeit jedenfalls ein paar Etagen nach oben verlegt, denn der übliche Platz war komplett überschwemmt. Die Kinder befreiten gemeinsam mit den Erzieherinnen die Terrasse des obersten Wohnbereichs von überschüssigem Wasser. Anschließend verlegten die Mädels ihre Spielstunde im Freien auf den Innenbereich. Statt mit Bällen zu spielen, wird dann spontan gemalt, gebastelt, gesungen...😊So muss gemäß dem Wetter immer wieder umdisponiert werden. ..Die von Personalern sehr gefragte Eigenschaft der „Flexibilität" und „Spontanität" bildet sich also hier bei den Singhalesen schon sehr früh aus. 😊

Doch ich denke, auch wir Praktikanten werden nach den 10 Wochen hier mit einer stärker ausgeprägten „Flexibilitäts-Eigenschaft" zurückkehren. So kann ein Starkregen für uns Stromausfall bedeuten, dieser kann sich vor allem in unserer Vorbereitungszeit für die „English lesson" (Englischnachhilfe) im Computerraum auswirken, dann muss die Schreibzeit am Computer mit der Vorbereitungszeit im Klassenzimmer oder in der Bibliothek spontan getauscht werden. Oder es kann für uns bedeuten, dass geplante Ausflüge verschoben werden müssen. Diesen Fall hatten wir erst gestern: 

Kleine Überflutung bei den Angels
Das Ausmaß des Regens

Geplant war, dass wir gegen mittags mit Frank und unserem Fahrer Dissa nach Negombo fahren, in das große Einkaufscenter. Wir zogen uns also schnell um, waren bereits gehbereit, als in diesem Moment die Mitteilung einging, dass aufgrund der Regenströme die Straßen überflutet sind und wir unseren Ausflug zeitlich etwas verschieben sollten. Circa eine Stunde später ließ der Regen nach und wir machten uns auf, in Richtung Negombo. Auf dem Weg zum Einkaufszentrum konnten wir uns dann mit eigenen Augen von dem Ausmaß des Regens überzeugen. Die Straßen waren überflutet, zwar nicht so, dass nicht mehr gefahren werden konnte, aber man kann schon sagen, es haben sich tiefere „Pfützen" gebildet, und bei ein paar Zentimetern mehr Wasser, könnte man mit einem Boot durchfahren. Für die Singhalesen hier ist das nichts Neues, sie sind das gewohnt. Für uns Praktikanten aus Deutschland dagegen, war das schon ein besonderer Anblick. Nun ja, wir freuten uns also, dass die Straße nach Negombo wohl noch befahrbar ist und wir das Einkaufscenter noch erreichen werden, bis uns dann ein Straßenpolizist erklärte, dass der übliche Weg dorthin gesperrt ist und wir einen Umweg von 50 km in Kauf nehmen müssten. Warum das? Die Straße war gesperrt aufgrund einer Demonstration gegen die gestiegenen Benzinpreise. Aber 50 km für einen Einkauf auf uns nehmen? Das wäre nun doch zu viel. Also musste der Ausflug schlussendlich doch verschoben werden. Zurück in die Einrichtung ging es trotzdem noch nicht. Wieder kam die flexible Spontanität zum Einsatz. So fuhren wir stattdessen zu „Calton", eine Bäckerei in Marawila. Eine super Idee, es gibt dort eine recht große Auswahl an süßem sowie herzhaftem Gebäck. 😊 Doch selbst hier kam die Spontanität nicht zu kurz! So freute sich Frank auf einen Schokodonut, Katharina auf ein Apfelküchlein und ich mich auf ein gefülltes Hörnchen. Was wir bekamen war ein Chilli-Donut mit einer Art Fischfüllung, ein Schokomuffin in Form eines Apfels inklusive roter Zuckerglasur und ein Hörnchen ohne Füllung. Lecker war es trotzdem alles! Und eine neue Erfahrung. 😊 Man sieht, Spontanität und Flexibilität werden hier automatisch weitergebildet und das Wetter spielt dabei eine gar nicht so unbedeutende Rolle. 😊 

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Feuer und Flamme
Positiv/Negativ.

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