Tagebuch Linus. Das srilankische Neujahrsfest. 14.04.2007


  Ganz Sri Lanka feierte am 13. und 14. April das wichtigste Fest im ganzen Jahr: das srilankische Neujahrsfest. Bis mindestens 24. April steht das öffentliche Leben still, dafür rücken Familienbesuche und ein allgemeiner Neubeginn in den Mittelpunkt.

Unser Neujahrsfest verlief im Gegensatz zu anderen Familien sehr ruhig. Es stand ein Besuch bei Lexman´s Familie auf dem Programm.  Da Horst Peter noch bei uns ist, hatte er die Gelegenheit und konnte sich einen Eindruck verschaffen, wie wir die Kinder für unser Waisenheim auswählen.

Am Samstag-Morgen trafen wir uns um 9 Uhr im Angels Home zum Frühstücken. Die Frauen waren schon Tage zuvor mit Kochen und Backen beschäftigt. Was für ein Arbeitsaufwand das ist, kann man sich nur dann vorstellen, wenn man es mal gesehen hat. Für die paar Kleinigkeiten, die ihr auf dem Foto seht, waren Latta und Deepani 2,5 Tage beschäftigt. Aber für einen so wichtigen Feiertag wie das Neujahrsfest macht man sich gerne so viel Arbeit. 

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  Nach dem Frühstück ging es dann los in Richtung Puttalam, ca. 80 km entfernt von Marawila.  Mit an Bord waren Horst Peter, unsere 3 daheim gebliebenen Kids, Lexman, Latta & Tochter, Deepani und Rukmal.

Unterwegs trafen wir auf eine Gruppe Marathon-Läufer, die bei tropischen 35 Grad und ohne Schuhe eine Strecke von 35 km zurücklegten - und das auf dem heißen, fast schon weichen Asphalt! 

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  Immer wieder zwischendurch machten wir kurze Stopps, damit Peter von der schönen Landschaft ein paar Fotos machen konnte.  

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 Gegen Mittag erreichten wir dann Lexman´s Familie. Erst ein Stopp bei der Großmutter, wo wir dann das zweite Frühstück  bekamenLachenAnschließend ging es weiter und alle paar Meter ein weiterer Stopp! Ja, Lexman´s Familie ist groß und alle wollten mich mal kennenlernen. Das war ja auch ganz ok, wenn nicht alle für uns gekocht hätten....grins. Um ein weiteres Essen zu umgehen, haben wir die Kinder und Deepani bei Lexman´s Familie gelassen und uns auf den Weg gemacht, um eine andere Familie zu besuchen, die nicht über genügend Geld verfügt um die Kinder zu versorgen.

Mittlerweile habe ich eine Liste von über 80 Familien, die in sehr ärmlichen Verhältnissen leben. Leider haben wir nicht genügend Gelder und Platz um so viele Kinder aufzunehmen. Deshalb fällt mir die Entscheidung auch sehr schwer, zu sagen: Es tut mir leid, aber wir können das Kind nicht aufnehmen. Bevor wir eine Familie besuchen, haben wir meistens schon Erkundigungen bei den Behörden, Bürgermeistern, der Kirche oder im Umfeld der Familie eingeholt. Wir kündigen uns auch nicht vorher an, sondern kommen immer unangemeldet, damit wir sehen, wie die Familie wirklich lebt. Sagt man vorher bescheid, wird alles immer hergerichtet, gekocht, extra noch mal sauber gemacht, die Kinder haben ihre beste Kleidung an u.s.w.

Heute besuchten wir die Familie Udayamali, die mit 4 Kindern in einer kleinen Lehmhütte ziemlich weit außerhalb von Puttalam wohnen - um nicht zu sagen: mitten in der Pampa! Da wir mit dem Wagen nicht bis zum Haus fahren konnten, mussten wir in der Mittagssonne den Weg zum Haus zu Fuß fortsetzen. Selbst Lexman kam dabei ins Schwitzen Lachen

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  Die Familie lebt hier mit 4 Kindern auf engstem Raum! Nicht einmal genügend Betten sind vorhanden, so dass die Kinder im Bett und die Eltern auf dem Boden schlafen. Die Familie selber hat nur zwei Kinder. Lukmini und Dishna hingegen sind die Kinder vom Bruder des Vaters, der vor 8 Monaten verstorben ist. Die Mutter starb 2 Jahre zuvor, die Ursache blieb jedoch ungeklärt.

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  Normalerweise mache ich nicht so viele Fotos, da es mir und bestimmt auch den Menschen unangenehm ist. Aber um euch einmal zu zeigen, aus was für Verhältnissen unsere Kinder kommen, habe ich diese Fotos gemacht.

Auf dem ersten Foto: Latta (wenn es nach ihr gehen würde, hätten wir bestimmt schon über 100 Kinder, Katzen und was es sonst noch so alles gibt). Auf dem zweiten Foto seht ihr die Küche. Das Wasser zum Kochen und Waschen wird aus dem ca. 600 Meter entfernten Brunnen geholt. Strom gibt es nur über eine Autobatterie und die Kinder müssen täglich zu Fuß in die ca. 4 bis 5 Kilometer entfernte Schule gehen.

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  Nach der Besichtigung haben wir uns erstmal ein wenig mit den Kinder beschäftigt, da man sehen konnte, dass ihnen nicht ganz wohl bei der Sache war. Aber  Rukmal und Latta schaffen es immer wieder, den Kindern in Sekunden ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern! 

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  Nachdem wir soweit alles geklärt hatten, erzählte uns der Vater plötzlich folgendes: Wenn wir die Kinder bei uns aufnehmen würden, müssten wir aber einmal im Monat nach Puttalam zum Gericht fahren. Nun erfuhren wir erst, dass die Kinder zwischenzeitlich in einer Pflegefamilie untergebracht wurden, aber die Kinder wollten dort nicht bleiben und sind ständig weggelaufen. Nun müssen wir erst einmal die Sache mit dem Gericht klären, bevor die Kinder kommen können. Aber ich bin ja froh, dass wir das jetzt erfahren haben und nicht später. Also werde ich mich am Montag beim Jugendamt erkundigen, was wir tun können, um diese lange Fahrt zu umgehen. Anschließend werde ich mir einen Termin beim Gericht geben lassen. Was dann dabei rauskommt, erzähle ich euch in Kürze.

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  Nachdem wir uns verabschiedet und versprochen haben, dass wir uns der Sache annehmen, fuhren wir zurück zu Lexman´s Familie, haben uns für die Einladung und das reichliche Essen bedankt , haben die Kinder eingepackt und sind zu unserem nächsten Termin gefahren.

Der nächste Stopp war in Chillaw, dort lebt Geeva Sivakumar (11 Jahre) mit ihrer Mutter, die seit langer Zeit ohne Arbeit ist. Ihr Mann ist vor einem Jahr auf und davon. Man vermutet, dass er in Italien ist, um dort zu arbeiten.

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  Die Lebensumstände wurden hier schon im Vorfeld vom Amt aus überprüft, so dass wir uns einen Großteil der Arbeit ersparen konnten. Wir nehmen Geeva ab dem 21.05. bei uns auf und ab dem 22.05 wird sie in Mudukatuwa zur Schule gehen. Mehr Einzelheiten in Kürze unter Patenschaften. 

Nun wurde es auch langsam Zeit, den Nachhause-Weg anzutreten. Kaum sind wir losgefahren, waren die Kids auch schon eingeschlafen.

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  Als wir zu Hause ankamen und das Tor öffneten, stand dort ein großer Karton. Alle fragten sich, wie der da wohl hingekommen ist, denn das Tor war abgeschlossen und der Karton recht schwer! Kaum ging es ans Öffnen, waren alle Kinder auch gleich wieder hellwachWinkenEin Karton mit lauter neuen Spielsachen, aber weder eine Adresse noch ein Brief lag dabei. Da kann ich nur herzlichen Dank an den oder die "Unbekannten" sagen und hoffen, dass wir uns mal persönlich bedanken können!

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