Ein Tag wie jeder andere, nur irgendwie besonders


„Haaaaaaappy Biiiiiiirthdaaaaaay, Juuuuuulia!!!“, so wurde ich am vorletzten Montag von den Mädchen nach der Schule begrüßt.

Dekorationen zu meinem GeburtstagDem Grinsen in ihren Gesichtern nach zu urteilen, freuten sie sich viel mehr und auch schon viel länger auf diesen Tag als ich. Denn mittlerweile haben Geburtstage für mich ja irgendwie ein wenig den kindlichen Zauber verloren, wo man es damals kaum erwarten konnte, dass man endlich wieder ein Jahr älter wird. Heutzutage sind es im Prinzip ganz normale Tage, an denen man ganz normale Dinge tut und vielleicht mit ein paar Freunden auf das neue Lebensjahr anstößt. Das Schöne ist jedoch, dass Kinder das noch nicht wissen und stets der Meinung sind, dass sich die Erwachsenen genauso auf ihren Ehrentag freuen wie sie selbst. So hörte ich schon eine Woche vorher ständig den gut gemeinten Hinweis: „Next week is your birthday.“, als ob ich es sonst vielleicht vergessen könnte. Vermutlich haben sich die Kinder und die einheimischen Erwachsenen (die in vielen Dingen einfach ein Leben lang Kinder bleiben) auch deshalb so sehr über meinen Geburtstag gefreut, weil ich ihn die letzten 2 Jahre schließlich nicht mit ihnen, sondern fernab in meiner Heimat mit Freunden gefeiert habe. Somit war es nun mal wieder an der Zeit und ich erfreute mich schon morgens vor unserer Bürotür an hübschen Dekorationen aus Sand und Blumen, die mir den Tag versüßten. Außerdem kam gleich das komplette Personal auf mich zugestürmt mit einem schönen Blumenstrauß und überhäufte mich mit guten Wünschen. Die Kinder waren zu diesem Zeitpunkt noch in der Schule.

Ein Bild aus der VergangenheitErst vor einigen Tagen ist mir durch Zufall ein Foto von meinem 26. Geburtstag untergekommen, den wir damals im alten Angels Home gefeiert haben. Die meisten Mädchen auf dem Bild sind längst nicht mehr bei uns und niemals hätte ich gedacht, dass ich 10 Jahre später noch immer hier bin und 36 Jahre alt werde, doch so ist es nun gekommen.

Wenn ich noch weiter zurückgehe, ist mir ein Geburtstag aus meiner Kindheit noch ganz besonders präsent: es war der Zehnte. Damals hat mein Papa in Aschaffenburg gearbeitet, was von uns zu Hause so weit entfernt ist, dass er unter der Woche dortblieb und nur am Wochenende bei uns war. Aus diesem Grund durfte ich zu dieser Zeit immer bei meiner Mama im Ehebett schlafen und mein eigenes Bett im Kinderzimmer blieb leer. Diese Tatsache konnte meine Mutter in der Nacht zu meinem 10. Geburtstag wunderbar nutzen, um mein Geschenk in mein Zimmer liefern zu lassen, während ich schon im Bett war. Es war ein großer Käfig mit einem Chinchilla darin, den ich mir seit Monaten gewünscht hatte, seitdem ich diese süßen Tierchen das erste Mal bei Freunden meiner Mama gesehen hatte. Somit lag es nahe, dass ich zu meinem Ehrentag genau aus dieser Zucht ein junges Männchen bekommen habe und als ich morgens in mein Zimmer kam und das Bettlaken vom Käfig lüften durfte, war der Tag für mich perfekt! Mein neuer Kumpel hieß Maxi und sollte mich viele Jahre meiner Kindheit erfreuen. Einen solchen Geburtstag vergisst man nicht – erst recht nicht, wenn man am Nachmittag noch 10 Freunde einladen durfte, die alle neidisch das neue Haustier bestaunten. Was für eine Erinnerung!

Ich und mein GeburtstagskuchenZurück zum Nachmittag meines 36. Geburtstags im Angels Home. Die Mädchen hatten allerhand für mich vorbereitet. So bekam ich einen hübschen Geburtstagskuchen, bei dem die obligatorische Zeremonie mit Kerzen anzünden, Ständchen lauschen, Kerzen ausblasen, Kuchen anschneiden und dem Füttern aller Gäste mit einem Bissen nicht fehlen durfte. Danach durfte ich meine Geschenke suchen, wofür die Mädchen eine kleine Schnipseljagd vorbereitet hatten. An jeder Station wartete ein kleines Geschenk auf mich. So zum Beispiel ein erneutes Geburtstagsständchen, ein selbst genähtes Herzchen-Kissen, ein hübsches Bild mit allen Kindern und dem Personal als kleine Fingerabdruck-Figuren und schließlich das Highlight: ein großer Baum mit unzähligen Schmetterlings-Wünschen in der Krone, den die Mädchen für mich gestaltet haben. Dieser ziert nun unser Büro und ich kann mich jeden Tag daran erfreuen.

Selbstgebastelte GeschenkeNach dieser aufregenden Suche gab es dann endlich Tee und Kuchen. Hierfür hatte ich in den 2 Tagen vor meinem Geburtstag schon fleißig Papageienkuchen für insgesamt 80 Personen gebacken, was mit den verschiedenen Teigfarben und dem Zuckerguss mit bunten Streuseln irgendwie doch mehr Arbeit war als ich anfangs dachte. Aber ich habe es schließlich geschafft und glaube auch, dass mein Kuchen bei den Mädchen gut angekommen ist. Allein schon optisch war er eine Sensation und die Mädchen staunten über die vielen verschiedenen Farben und fragten sich, wie ich das wohl gemacht habe. Mal gut, dass sie keine Ahnung haben, wie oft ich über die Sauerei mit der Lebensmittelfarbe geflucht habe. Aber das ist nun egal. Der Kuchen ist längst verdaut und der Geburtstag auch. Was bleibt, ist wieder ein Jahr mehr an Lebenserfahrung und die Frage, ob ich meinen 46. Geburtstag wohl auch noch hier feiern werde und welche Kinder dann noch hier sind.

Den Mädchen schmeckt mein KuchenMit besten Grüßen aus dem Angels Home,

eure Julia.

powered by social2s