Ein grandioser Abschluss.


Ich lasse meinen Blick durch den Raum schweifen und schaue auf über 70 Augenpaare, die mich teilweise mitleidig, fragend oder einfach abwartend anschauen. Es ist 19.30 Uhr in Leverkusen, mein Vortrag sollte nun beginnen, doch leider haben wir Schwierigkeiten mit der Technik.

Freude über viele ZuhörerMein Laptop scheint nicht kompatibel mit den tragbaren Boxen zu sein und selbst der Versuch, ihn an die große Anlage des Pfarrsaals St. Albertus Magnus, wo unsere Veranstaltung stattfindet, anzuschließen, ist leider gescheitert. Mir ist klar, dass mein kleiner Laptop nicht mehr der Schnellste ist und sich gerne auch mal etwas mehr Zeit lässt, wenn man ihn mit zu vielen geöffneten Programmen oder eingesteckten Kabeln überfordert. Dass er nun aber gar keinen Ton mehr von sich gibt, ist auch neu für mich und meine logische Konsequenz deshalb: erstmal neu starten, dann klappt das bestimmt. Zum Glück hat Gaby zwischenzeitlich die Idee, erst einmal das Buffett zu eröffnen, dessen srilankische Köstlichkeiten zwar eigentlich für eine Pause nach dem Vortrag gedacht waren, jedoch an dieser Stelle gut geeignet sind, um Zeit zu gewinnen und die Leute zufrieden zu stellen. Dass dies eine kluge Entscheidung war, wird mir spätestens dann bewusst, als mein Laptop der Meinung ist, er muss beim Neustart gleich auch noch Windows Updates machen. Ich kann euch sagen, das ist ein super Gefühl, wie gebannt auf den Bildschirm zu starren und die kletternden Prozente zu beobachten, die sich heute besonders viel Zeit lassen: 1% … 2% … 3% … Ja, da kommt Freude auf! Irgendwann hat er es zum Glück geschafft und – oh Wunder – sogar eine zusätzlich von Gabys Mann Benno herbeigeschleppte Box lässt sich nun endlich anschließen und rettet meine Stimmung, die schon kurz vor einem Total-Ausraster stand. Uff… noch einmal kurz durchatmen und dann geht es endlich los. Ich schlucke meinen Ärger hinunter und blicke erneut in die erwartungsvollen Augenpaare, diesmal gewappnet und voller Vorfreude auf einen tollen Abend!

Unsere liebe Freundin und Patenmama Gaby eröffnet die Veranstaltung und das Buffett.Und den hatten wir auf jeden Fall! Ich freue mich riesig, dass meine kleine Deutschland-Vortrags-Tour dieses Mal in Leverkusen endete, wo ich am Dienstag gegen Mittag von der lieben Gaby – Mutter unserer ehemaligen Praktikantin Hanna, Patenmama und engagierte Drylands-Unterstützerin – vom Bahnhof abgeholt wurde. Im Haus der Familie Thanscheidt fühlte ich mich von Anfang an ganz herzlich willkommen und super wohl! Zwar war ich etwas verwirrt, nachdem ich kurz hintereinander zwei exakte Hanna-Kopien kennenlernen durfte, da ich gar nicht mehr wirklich auf dem Schirm hatte, dass Hanna noch zwei Schwestern hat. Allerdings haben die Herzlichkeit aller Familienmitglieder und allen voran auch Hundedame Frida mir meinen Aufenthalt zu etwas ganz Besonderem gemacht. Der Dreh- und Angelpunkt in diesem Haushalt ist die Küche und es gibt kaum eine Tageszeit, wo dort nicht irgendjemand sitzt, kocht, backt, arbeitet oder Zeitung liest. Zwischendurch bleibt immer die Zeit für ein liebes Wort oder einen helfenden Handgriff bei der Essensvorbereitung. Ich fand das richtig klasse!

In Vorbereitung für die Bilder-Auktion haben wir 17 Fotodrucke gerahmt.Am Dienstag haben wir also die letzten Absprachen für unsere Veranstaltung getroffen, Lebensmittel für die Srilanka-Snacks eingekauft und die ersten Bilder der ehemaligen Praktikantinnen Hanna, Pauline und Marla, die alle 3 aus Leverkusen stammen, in meine Präsentation eingefügt. Außerdem waren wir am Abend in gemütlicher Runde alle damit beschäftigt, insgesamt 17 Fotos von den Mädchen aus dem Angels Home oder auch von Eindrücken aus Sri Lanka allgemein in 3 verschiedenen Größen einzurahmen. Etwas schade war, dass wir im Vorfeld der Veranstaltung leider nicht einen einzigen Fotoladen in Leverkusen gefunden haben, der bereit war, uns den Druck einiger großformatiger Bilder für die geplante Auktion zu sponsern. Deshalb möchten wir uns hier auch noch einmal explizit bei der Bilderbude Erdmann in Meiningen bedanken, die auch ohne regionalen Bezug bereit war, den Druck von 11 Großformaten kostenfrei zu übernehmen. Wirklich klasse!

Hier wurden fleißig srilankische Fischbällchen gerollt.Am Mittwoch war dann in der Thanscheidt´schen Küche Hochbetrieb. Mit immer wieder wechselnden kleinen Helferlein haben Gaby und ich einen großen Topf Dhal-Curry, ca. 100 panierte Cutless (scharfe Gemüse-Fisch-Bällchen) mit Joghurt-Dip sowie Papadam (Linsenmehl-Chips) zubereitet. Zwar rochen wir danach mit Sicherheit, als ob wir uns selbst frittiert hätten, aber der Aufwand war es wert; es hat alles super lecker geschmeckt! Bei den Vorbereitungen half sogar die potenzielle Leverkusen-Praktikantin Nummer Vier fleißig mit, die eine gute Freundin der Familie ist und meinen Besuch auch gleich zum Anlass nahm, um sich bei mir vorzustellen.

Unsere Bildergalerie für die AuktionNachdem alle Arbeiten erledigt waren, gab es für die Hauptorganisatoren selbstverständlich ein Glas Arrak-Cola mit dem wir uns auf den bevorstehenden Abend einstimmten. Pauline, Marla, Hanna und sogar Mama Gaby waren etwas aufgeregt bzgl. ihrer Redebeiträge, weshalb diese Maßnahme sicher nicht die Schlechteste war. Hannas Freund Fabi konnten wir als Auktionator gewinnen, der sich die letzten lockeren Sprüche zurechtlegte, mit denen er schließlich die Leute später zum Mitbieten bewegen wollte.

Die Organisatoren und Helfer freuen sich auf die ersten Gäste.Gegen 18 Uhr fuhren wir dann zum Pfarrsaal, wo wir gemeinsam alles aufbauten; ein tolles Buffett, welches von Pauline und Marla mit ihrer Mama noch um Baguette, Rotties und zusätzliche Papadam-Chips erweitert wurde, außerdem eine Bildergalerie für die Auktion sowie ein Verkaufsstand von Gabys Freundin, wo Fair-Trade-Produkte aus Sri Lanka angeboten wurden. Als alles fertig war und sogar ein leichter Duft von Räucherstäbchen in der Luft lag, mussten wir also nur noch hoffen, dass auch genügend Leute kommen würden. Und die ließen tatsächlich nicht lange auf sich warten und bereits nach kurzer Zeit mussten wir unsere vorbereiteten Stuhlreihen noch um einige Sitzplätze erweitern.

Marla und Hanna berichten voller Witz und Charme über ihre Erfahrungen im Angels Home.Nach den oben beschriebenen Startschwierigkeiten lief dann auch alles rund und als ich mit meiner Präsentation beim Thema Praktikum im Angels Home angekommen bin und unseren 3 ehemaligen Mädels das Wort überlassen habe, bin auch ich wieder ein wenig runtergekommen. Marla, Hanna und Pauline haben so authentisch und berührend über ihre Zeit bei uns berichtet, dass man abwechselnd lautes Gelächter, erstauntes Raunen, aber auch den einen oder anderen Seufzer in den Zuschauerreihen vernehmen konnte. Spätestens als Pauline am Ende einen ihrer alten Tagebucheinträge vorlas, in dem sie darüber berichtete, wie manche Mädchen zu Beginn der Weihnachtsferien vergeblich auf ihre Angehörigen warteten, blieb kaum ein Auge trocken.  Paulines persönlicher Tagebucheintrag rührt einige Zuhörer im Saal zu Tränen.Da sie beim Lesen selbst das eine oder andere Mal ins Stocken geriet, fiel es auch mir nicht ganz leicht, den dicken Kloß im Hals herunterzuschlucken. Die Mädels haben mir mit ihren Schilderungen noch einmal ganz deutlich vor Augen geführt, wie sinnvoll unser Praktikum ist und wie viel sie letztendlich davon mitgenommen haben.

Nachdem ich am Ende des Vortrags noch unser Angels-Home-Video gezeigt habe, war auch die letzte Oma im Saal davon überzeugt, dass so ein Praktikum etwas Gutes für ihre Enkelin wäre und mit dieser Grundstimmung startete Fabi die Bilderauktion, in der fleißig geboten, gefeilscht und gepokert wurde. Unser Hobby-Auktionator hat alles gegeben und das Publikum mit gekonntem Charme noch einmal darauf hingewiesen, dass man bisher mit freiem Eintritt, toller Unterhaltung und leckerem Essen doch eigentlich ganz glimpflich davongekommen ist. Die folgenden Gebote gaben ihm recht und so langsam füllte sich unser Spenden-Schweinchen.

 Die Bilderauktion am Ende des Abends war ein voller Erfolg!Nach der Veranstaltung freute ich mich über das eine oder andere Gespräch mit den Zuhörern. So nahmen beispielsweise wieder unsere lieben Pateneltern Kati und Thanu den weiten Weg auf sich, um – wie schon so oft – bei einer Drylands-Veranstaltung dabei zu sein. Außerdem saßen im Publikum zwei weitere ehemalige Praktikantinnen, die mich mit ihrer Anwesenheit überrascht und erfreut haben.

Es war also ein rundum gelungener Abend, den wir in Gabys Küche gebührend ausklingen ließen, während wir das Sparschwein leerten und gemeinsam die eingenommenen Spenden zählten. Sagenhafte 567 Euro sind in Leverkusen zusammengekommen, doch ich hoffe, ich konnte mit diesem Bericht einigermaßen rüberbringen, dass es gar nicht unbedingt die Summe war, die diesen Besuch zu etwas ganz Besonderem gemacht hat. Es stimmte einfach das ganze Drumherum und ich denke, alle Beteiligten hatten genauso viel Freude wie ich an den Vorbereitungen. Zumindest sind wir uns einig, dass dies nicht mein letzter Besuch in Leverkusen gewesen sein soll. Und ein Fan wartet dort allemal auf mich: die Labradorin Frida… 😊

Einreichen unserer Unterlagen beim Finanzamt IbbenbürenSomit geht für mich eine ereignisreiche letzte Woche in Deutschland zu Ende, in der ich vorher noch bei Franks Eltern in Lengerich war, wo wir mit Papa Horst in seinen 78. Geburtstag gefeiert haben. Außerdem war es wieder an der Zeit, unsere Unterlagen beim Finanzamt Ibbenbüren einzureichen, um den Status der Gemeinnützigkeit weiterhin aufrecht zu erhalten. Diesen Hauptgrund für meinen Besuch in Franks Heimat konnte ich jedoch gleich mit ein paar schönen Tagen bei lieben Menschen verbringen, bevor mich mein Weg weiter nach Hamburg führte, wo ich schließlich an einem Tag zwei Vorträge halten durfte. Hierfür bedanke ich mich noch einmal ganz herzlich bei unseren lieben Vorzeige-Paten Guido und Heike, die für mich organisiert haben. Neben einer Präsentation im Hamburger Versicherungsunternehmen Funk, luden wir am Abend zu einem öffentlichen Vortrag in Eimsbüttel ein, wozu ebenfalls viele bekannte Gesichter erschienen sind, über die ich mich riesig gefreut habe! Schade ist bei solchen Treffen nur immer, dass man den einzelnen Besuchern im Anschluss nicht ansatzweise gerecht werden kann, da man gar nicht die Zeit hat, sich mit jedem noch ausführlich zu unterhalten. Ich hoffe dennoch, dass es allen gefallen hat und bedanke mich bei allen, die den Weg auf sich genommen und zu einem Spendenerfolg in Höhe von insgesamt 326 Euro in Hamburg beigetragen haben.

So, nun werde ich die vorerst letzten Stunden in Deutschland noch ein wenig mit meiner Familie verbringen und freue mich auf knapp 4 Monate Sri Lanka! Ich kann es kaum erwarten, Frank und die Mädels wiederzusehen – einfach wieder ein wenig zurückzukehren in die kleine, heile Kinderheim-Welt, wo die Uhren sich etwas langsamer drehen und wo Technik-Probleme zu jeder guten Veranstaltung dazu gehören.

In diesem Sinne sende ich euch liebe Grüße,

eure Julia.

 

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