Von guten und von schlechten Tagen


Mein WohnzimmerMittlerweile lebe ich seit fast 3 Wochen in meiner kleinen Dachgeschosswohnung in Erfurt und es wird Zeit, mich hier mal wieder zu Wort zu melden und euch die versprochenen Bilder zu zeigen.

Mir stehen 38 m² zur Verfügung, was zwar wirklich nicht sehr viel ist, aber für mich allein völlig ausreichend. Ich habe ein größeres Zimmer zum Wohnen und Schlafen, einen recht großen Flur sowie ein kleines Badezimmer und eine Küche. Nachdem ich nun alles ein wenig nach meinem Geschmack eingerichtet habe, fühle ich mich hier eigentlich auch schon richtig wohl. Es ist nur manchmal so, dass ich immer noch denke, ich bin nur im Urlaub und nur vorübergehend in dieser Wohnung, so als ob sie gar nicht zu mir gehört, sondern einer Freundin, wo ich nur zu Besuch bin.

Mein WohnzimmerErfurt ist super schön, doch auch wenn ich vor Jahren schon mal hier gelebt habe, so kenne ich natürlich mittlerweile kaum noch jemanden hier. Ich denke und hoffe aber, dass dies etwas besser werden wird, umso länger ich hier bin und mich unter das Volk mische… ???? Auch jetzt versuche ich, wenigstens einmal am Tag raus zu gehen und genieße es sehr, dass dies manchmal auch erst abends um acht sein kann, ohne dass man sich fürchten muss oder nicht weiß, wohin man gehen soll. Für mich gibt es hier immer etwas zu entdecken oder zu beobachten und sei es nur der Straßenmusiker auf dem Domplatz, der mich mit seiner Gitarre völlig fasziniert oder das bunte Treiben im Nordpark, wo sich den ganzen Tag über kleine Menschengruppen versammeln, um zu faulenzen, zu quatschen, sich zu sonnen, etwas zu spielen oder abends gemeinsam zu grillen. Es ist ein völlig anderes Freiheitsgefühl und das genieße ich schon sehr.

Die KücheEs gibt aber auch andere Tage. Tage, an denen mir das Leben und mein Alltag in Sri Lanka sehr fehlen. Ich merke schon jetzt, dass ich nicht nur räumlich sehr weit entfernt bin von den Geschehnissen im Angels Home und das ist nicht nur ungewohnt, sondern macht auch traurig. Der FlurZwar gibt sich Frank Mühe, mir fast täglich über aktuelle Vorkommnisse zu berichten, aber natürlich ist das nicht dasselbe. Im Prinzip erfahren wir erst jetzt – ganz langsam – gemeinsam, wie es eigentlich ist, eine Beziehung zu führen, wo man sich abends gegenseitig etwas darüber erzählen kann, wie der eigene Tag so verlaufen ist. Und nach 10 Jahren Dauergemeinschaft, ist das für uns beide neu und wir müssen es wohl erst lernen.

Das BadNatürlich wäre es völlig unnormal, wenn alles reibungslos, ohne Zweifel und Gefühlsschwankungen ablaufen würde. Frank und ich müssen beide erst lernen, mit der neuen Situation umzugehen und ich denke, dafür schlagen wir uns bisher ganz gut. Er sowie natürlich auch die Kinder und ganz besonders auch meine Hunde fehlen mir wahnsinnig, aber das gehört jetzt eben dazu und da muss ich wohl durch.

Mit herzlichen Grüßen aus dem heute endlich wieder einmal sonnigen Erfurt,

Julia.