Eine Kirmes, eine Hochzeit und der Rennsteig.


Der RennsteigWas haben die Gerthäuser Kirmes, eine Hochzeit und der Rennsteig gemeinsam?

Die Antwort ist ganz einfach: MICH im September 2016! lächelnd

Nach 4 aufregenden Wochen Deutschlandurlaub bin ich am Montag vor 2 Wochen (03.10.2016) zurück ins Angels Home gekommen und mittlerweile hat mich der Alltag schon wieder voll und ganz zurück. Trotzdem möchte ich die Gelegenheit nutzen, mein Tagebuch mal wieder kurzzeitig zum Leben zu erwecken, indem ich euch berichte, was ich in der Heimat so alles getrieben habe.

In der ersten Woche ging es gleich schon mal gut los mit den obligatorischen Arztbesuchen, die ich immer erledige, wenn ich schon mal im reinlichen und sterilen Deutschland bin. Es ist immer wieder ein tolles Gefühl, wenn meine Zahnärztin mir sagt: „Alles in Ordnung, Julia, sehr gute Mundhygiene!“ Da frage ich mich, wie meine Beißerchen sich über Jahre hinweg all den scharfen Gewürzen und den oft viel zu stark gezuckerten Süßspeisen widersetzen. Julia und MelliWenn meine fast 3-jährige Nichte schon Zusammenhänge herstellen könnte, würde sie mir jetzt sagen, dass dies alles der nachhaltige Einfluss vom Schlecker-Jörg ist. Kennt ihr das Buch „Vom Jörg, der Zahnweh hatte“? Nicht??? Das ist ein DDR-Klassiker, der bei Vorschulkindern so gekonnt mit der Angst vor dem Zahnwehmännlein spielt, dass bereits nach dem ersten Vorlesen garantiert jedes Kind regelmäßig seine Zähne putzt! Bei mir hat´s gewirkt und wie ich erfreut feststellen musste, begeistert der Schlecker-Jörg nun auch Klein-Melly – meine Nichte, die sich die Geschichte bei jeder Gelegenheit vorlesen lässt.

Meine FreundeNachdem ich also meinen medizinischen Rundum-TÜV bis zum nächsten Besuch erhalten hatte, konnte ich ins erste Wochenende starten. Dieses hielt mir auch gleich die Kirmes in unserem Mini-Dorf Gerthausen bereit – was für ein Fest, sage ich euch! Es ist keine Kirmes, so wie sie sich die meisten Deutschen vorstellen, so mit Karussells und zahlreichen Fress-Buden. Nein, bei uns ist Kirmes noch alt, traditionell und auf Brauchtum aufgebaut. So gibt es beispielsweise einen Kirmes-Gottesdienst, ein Kirmes-Eintanzen von mehreren Tanzpaaren, die sich zusammenfinden, einen Kirmes-Scholz, der quasi das Sagen hat und seinen Kirmes-Stock, der ihn als Solchen auszeichnet sowie die Kirmes-Predigt, mit der jeder Dorfbewohner humorvoll durch den Kakao gezogen wird, der sich im letzten Jahr auf irgendeine Art zum Affen gemacht hat. Das war jetzt nur ein kleiner Auszug von unserer Kirmes – natürlich dürfen dabei auch tolle Live-Musik, gute Getränke sowie die richtigen Leute nicht fehlen. Doch ich kann euch sagen: All das gab´s und es war toll, nach ziemlich langer Zeit wieder einmal an diesem Wochenende in Gerthausen dabei zu sein!

In der nächsten Woche traf ich mich hier und da mit Freunden, arbeitete nebenbei auch immer ein wenig für Drylands und bereitete mich auf das bevorstehende Event am Wochenende vor. Am Donnerstag ging es nämlich mit dem Zug Richtung Lengerich, Franks Heimatstadt, wo wir für den nächsten Tag ein Patentreffen organisiert haben. Doch vorher gab´s für mich einen Zwischenstopp mit Übernachtung in Dissen bei Franks Schwester Petra. Wir Beide verstehen uns ziemlich gut und freuen uns immer sehr, wenn wir uns mal sehen und uns am besten auch noch zusammen sportlich betätigen können. Diesmal blieb dafür leider nicht so viel Zeit und nach so einer langen Zugfahrt muss man auch nicht unbedingt noch Bäume ausreisen. Also verkrochen wir uns mit einem guten Wein in Petras Küche, wo wir schon mal für den nächsten Abend das Sri-Lanka-Linsen-Curry kochten und den Himbeer-Nachtisch vorbereiteten. Auf nüchternen Magen zeigte das Getränk schnell Wirkung und wir waren froh, als wir endlich fertig waren und gemeinsam mit Holger – Petras Mann – zum nahegelegenen Italiener gingen, um den längst überfälligen Appetit zu stillen.

Am nächsten Tag ging´s dann also nach Lengerich, wo wir am Abend ca. 25 Personen erwarteten, die uns alle mit einer Kinder- oder Projektpatenschaft unterstützen und denen ich in gemütlicher Runde einfach ein wenig über unsere Neuheiten berichten und einige aktuelle Fotos zeigen wollte. Es ging in erster Linie auch darum, einmal Danke zu sagen für die großzügige Unterstützung, die wir von diesen Menschen seit vielen Jahren erhalten und ohne die wir unsere Arbeit vor Ort nicht machen könnten. Also planten wir einen Grillabend und luden alle Paten aus der Umgebung ein, uns Gesellschaft zu leisten und sich mit einem Salat oder einer anderen Kleinigkeit zu beteiligen. Franks Eltern waren schon super fleißig, bevor Petra und ich eingetroffen sind. Überall waren schon Sitzgelegenheiten, ein Grill stand bereit und Renate hatte wieder alles toll dekoriert und geschmückt. Also machten wir uns mal in die Spur, besorgten frische Würstchen und Steaks sowie ein paar Baguettes und Getränke. Bereits um halb sechs kamen schließlich die ersten Gäste und dann riss es auch bis ca. 20.30 Uhr nicht ab, da einige Besucher sogar von weither anreisten und teilweise bis 18 Uhr arbeiten mussten. Trotzdem war es ein toller Abend mit leckerem Essen, interessanten Gesprächen und witzigen Anekdoten, die uns bis in die Nacht hinein zusammensitzen ließen. Nachdem die letzten Gäste gegangen waren, schickten Petra und ich Franks Eltern ins Nest und erledigten die letzten Aufräumarbeiten in der Küche. Nur gut, dass die Beiden nicht sahen, wie wir auf der Suche nach den Geschirrtüchern die laufende Spülmaschine aufmachten… lächelnd Gott sei Dank ist nichts weiter passiert und wir brachten das Teil wieder zum Laufen. Das wäre sonst vermutlich auch zu viel für Horst und Renate gewesen: ein explodierter Backofen und eine defekte Spülmaschine an einem Tag!

Das restliche Wochenende verbrachte ich dann ab Samstagmittag mit Nicole, einer sehr guten Freundin von Frank und mir, die Hunde mindestens genauso gerne mag wie ich, sich dafür aber noch um einiges besser mit ihrer Erziehung auskennt, sodass ich sie hin und wieder um Rat frage, wenn ich bei den Vierbeinern nicht weiter weiß. Somit haben wir Beiden auch immer ein Gesprächsthema und so wie junge Muttis eben über vollgekackte Windeln und erste Zähne reden, quatschen wir über Fellprobleme und Rudelverhalten.

Am Sonntag ging´s dann mit dem Zug zurück in die Heimat und damit war die erste Hälfte meines Urlaubs auch schon vorbei.

HochzeitIn der dritten Woche stand dann erst einmal alles unter dem Motto „Hochzeitsvorbereitungen“, denn einer der Hauptgründe meines Deutschlandurlaubs war die Hochzeit meiner sehr guten Freunde Elfi und Marcel, mit denen ich in der Heimat immer so manch netten Abend verbringe. Deshalb war es auch ganz klar, dass ich die Beiden bei ihrem großen Ereignis begleiten möchte. Am Dienstagabend ging es in einer fröhlichen Mädelsrunde damit los, dass kleine Sträußchen gebunden wurden, die dann in der Gerthäuser Kirche zu einem Herz auf dem Fußboden dekoriert wurden, in dem das Brautpaar am Samstag zur Trauung platziert werden sollte. Mindestens genauso wichtig wie die Arbeit war der selbst gemachte Schlehen-Wein von meinem Papa, den wir nebenbei getrunken haben. Danach klappte es dann auch etwas besser, die für den Polterabend umgedichteten 2 Lieder zu üben, die wir am Donnerstag zum Besten geben wollten.

Jede Menge SpaßDoch zunächst stand am Donnerstagvormittag die standesamtliche Trauung von meinen Freunden auf dem Plan, nach der wir die Beiden draußen empfangen und beglückwünscht haben. Am Abend fand dann der feuchtfröhliche Polterabend statt, bei dem sich abermals fast das ganze Dorf versammelte, um mit den Beiden zu feiern. Auch ich habe viele alte Bekannte wiedergetroffen und sogar meine Eltern haben bis weit nach Mitternacht mit uns gefeiert und getanzt wie die Wilden… lächelnd Pünktlich um 0 Uhr bekam ich mein Geburtstagsständchen, denn rein zufällig hatte ich dann an dem Freitag zwischen Polterabend und Hochzeit auch noch Geburtstag. Wie ihr seht, folgte eine Feierei der nächsten.

Patentreffen Lengerich-MeiningenAn meinem Geburtstag hatten wir für den Nachmittag in meiner Heimatstadt Meiningen ebenfalls ein solches Patentreffen wie in Lengerich geplant, nur dass es statt Würstchen und Salaten eben Kaffee und Kuchen gab. Insgesamt kamen ca. 40 Leute und auch hier hatte man großes Interesse an meinen Erzählungen und Bildern. Sehr überwältigt war ich davon, wie viele der Gäste letztendlich doch über meinen Geburtstag Bescheid wussten und es sich nicht nehmen ließen, mich mit einem kleinen Geschenk oder ein paar Blumen zu überraschen. Das Highlight war jedoch der große Strauß mit 33 roten Rosen, den mir Frank aus Sri Lanka bestellt und zur Veranstaltung hat bringen lassen. Damit hatte ich echt nicht gerechnet und da kam mir doch glatt ein wenig Pipi in die Augen… lächelnd

Nun fragt ihr euch sicher, warum ich mir den „Stress“ angetan habe, an meinem Geburtstag auch noch ein Patentreffen zu veranstalten. Aber hey, das war natürlich alles clever geplant! Denn viele von meinen Freunden, mit denen ich ohnehin Geburtstag feiern wollte, gehören auch zum Kreis unserer Paten bzw. waren bei dem Treffen ohnehin dabei, sodass ich quasi 2 Fliegen mit einer Klappe schlagen konnte. Im Anschluss an den „offiziellen“ Teil sind meine Eltern und ich mit einigen Freunden sowie meinem großen Bruder und seiner Familie noch zusammen zum Italiener gegangen und anschließend in unsere Stammkneipe; den Schlupfwinkel in Meiningen, wo wir noch bis halb vier am Morgen beisammen saßen. Es war ein richtig schöner Geburtstag!

FreundeHochzeit

Das HochzeitspaarAm nächsten Tag war dann also die kirchliche Trauung von Marcel und Elfi, zu der sich alle Hochzeitsgäste so richtig in Schale geworfen und das Brautpaar zu Hause abgeholt haben. Gemeinsam liefen wir dann auf dem mit Tannen-Reisig gestreuten Weg zur Kirche, wo die Beiden sich unter vielen Freudentränen (auch meinerseits) und mit einer tollen musikalischen Begleitung das Ja-Wort gaben. Im Anschluss ging´s mit einer LKW-Kolonne, wie sich das für den Speditions-Sohnemann Marcel gehört, in eine ca. 20 km entfernte Gaststätte, wo die Hochzeitsfeier stattfand. Auch wenn ich da erst etwas später hinzugestoßen bin, hatten wir einen super schönen Abend mit leckerem Buffet und einem so ausgeglichenen und glücklichen Brautpaar, wie man es bei solch riesigen Familienfesten wohl eher selten erlebt.

Nach einem entspannten Sonntag, an dem ich mich erst einmal von dem ganzen Freizeitstress der letzten Tage erholt hatte, startete meine letzte Woche in der Heimat. Wahnsinn, wie schnell die Zeit verflogen war! Um noch ein bisschen runterzukommen und mir einen lang gehegten Wunsch zu erfüllen, hatte ich von Montag bis Donnerstag noch etwas ganz Besonderes geplant. Mit meiner sehr guten Freundin Tini machte ich mich auf den Weg zum Rennsteig, einen ca. 170 km langen Wanderweg durch den Thüringer Wald, das Thüringer Schiefergebirge und den Frankenwald. Los ging es in Hörschel bei Eisenach, wo wir nach altem Brauch einen Stein aus dem Fluss Werra mit auf unsere Wanderung nahmen.

Wandern auf dem RennsteigNatürlich war es nicht möglich, in den 4 Tagen den kompletten Rennsteig zu bewandern, aber wir gaben unser Bestes und schafften bis Donnerstag 74 km vom Wanderweg, wobei wir insgesamt sogar 86 km gewandert sind. (Die Differenz ergab sich aufgrund kleiner Desorientierungen, die das weibliche Geschlecht wohl manchmal so mit sich bringt.) Unser Endziel für dieses Mal war die sogenannte „Schmücke“, das höchst gelegene Bergplateau des Thüringer Waldes. Mit geschwollenen Füßen und schmerzenden Knien ging es schließlich von Oberhof mit dem Zug wieder zurück nach Meiningen. Im Gepäck natürlich den Stein vom Startpunkt, den wir nun aufheben, bis wir die Wanderung am Rennsteig irgendwann fortsetzen und ihn nach altem Brauch am Endpunkt in die Saale werfen können. Mal sehen, wann das sein wird… lächelnd

3,5 Tage wandernUnd somit war mein Urlaub auch schon fast zu Ende. Die letzten 3 Tage nutzte ich für verschiedene Besorgungen und zum Abschiednehmen von all den lieben Menschen, die ich nun wieder zurücklassen musste und die mir in Sri Lanka fehlen werden. Es war eine tolle Zeit mit vielen schönen Erlebnissen, die mir in Erinnerung bleiben werden. Doch der Abschied von Einigen ist dieses Mal für nicht ganz so lange, denn über Weihnachten bekomme ich Besuch von zwei sehr guten Freundinnen mit ihren Familien und im April 2017 kommen uns meine Eltern endlich wieder einmal besuchen. Ich freue mich sehr darauf, alle wiederzusehen und verbleibe mit ganz lieben Grüßen aus dem Angels Home!

Eure Julia

Knutscher für beste Mutti der Welt