Mit Fahrrad und Zug in die Berge Sri Lankas – Teil 1


Teeplantagen im Hochland von Sri LankaNachdem mein letzter Tagebucheintrag ja ein wenig sentimentaler war, möchte ich euch heute über meinen letzten Kurzurlaub berichten. Wie vielleicht einige von euch über Facebook schon mitbekommen haben, war Franks Schwester Petra von Mitte bis Ende April bei uns zu Besuch und wie jedes Mal, wenn sie hier ist, haben wir uns eine kleine Tour gegönnt. Was diesmal jedoch absolutes Neuland für uns beide war; wir wollten uns mit 2 Fahrrädern auf den Weg machen.

Dazu muss ich kurz ausholen und eine sehr zufällige Begebenheit erzählen. Vor einiger Zeit habe ich mit Frank ein ausländisches Paar auf der Hauptstraße radeln sehen und so zu ihm gemeint, dass ich mir das auch gut vorstellen könnte, mal eine größere Fahrradtour durch Sri Lanka zu machen. Allerdings scheiterte die erste Euphorie zugleich an zwei Aspekten: einem gut funktionieren Fahrrad und der richtigen Begleitung, da für Frank wohl nur ein motorisiertes Fahrrad in Frage kommen würde... Lachend Hindernis Nummer Eins sollte tatsächlich bereits am nächsten Tag beseitigt werden, als ich eine sehr freundliche Email von einem deutschen Paar bekam, die ein paar Wochen mit ihren Rädern in Sri Lanka unterwegs waren und diese nun nicht wieder mitnehmen, sondern sie lieber an Bedürftige bzw. an eine Einrichtung spenden wollten. Natürlich haben wir sofort zugesagt und die beiden Mountainbikes in einem sehr guten Zustand abgeholt. Einige unserer Mädchen fahren ja auch regelmäßig mit dem Fahrrad zur Schule, sodass wir sie in erster Linie zu diesem Zweck dankbar entgegen genommen haben. Allerdings reifte bei mir schon einige Tage nach der Abholung ein kleiner Reiseplan in meinem Kopf, den man sicher noch verwirklichen könnte, bevor wir die Fahrräder den Mädels überlassen. Und ich wusste auch ziemlich schnell, wer für diese Tour die richtige Begleitung wäre: Sportskanone Petra, die sowieso nur auf die passende Gelegenheit wartete, uns mal wieder zu besuchen. Somit waren beide Hindernisse eliminiert und die detaillierte Planung konnte beginnen. Am Montag, den 18.04.2016, war es dann soweit; wir machten uns auf den Weg und verbrachten 6 ereignisreiche Tage, an denen ich euch hier gerne teilhaben lassen möchte.

Tag 1: Mit dem Fahrrad zur besten Lasagne der Welt

Am ersten Tag schnallten wir gegen 6 Uhr unsere Satteltaschen (die Petra wohlwissend extra aus Deutschland mitbrachte) fest, cremten uns vorsorglich schon mal überall mit Sonnenschutz ein und machten uns auf den Weg nach Colombo. 63 km Hauptstraße, Rush-Hour und das typische singhalesische Verkehrschaos stimmten uns ein auf unser Vorhaben und es wäre gelogen, wenn ich abstreiten würde, dass ich bereits in Wennappuwa das erste Mal darüber nachdachte, auf was wir uns hier eigentlich eingelassen haben.

Frühstück in NegomboDoch die Fahrt verlief erstaunlich zügig; nach einem ausgiebigen Frühstück in Negombo und 2-3 kleineren Pausen passierten wir bereits um kurz nach 12 Uhr mittags das große Ortsschild von Colombo und waren heilfroh, als uns kurz darauf ein günstig gelegener Mc Donald´s ins Auge sprang – endlich eine Gelegenheit, eine halbwegs gepflegte Toilette aufzusuchen und sich mal das Gesicht zu waschen. Nun hatten wir ohnehin etwas Zeit, denn in unserer ersten Unterkunft hatte ich uns erst gegen 14 Uhr am Nachmittag angekündigt. Also genossen wir ein paar Fritten sowie die Gesellschaft von 2 kleinen Kätzchen auf der Außenterrasse, bevor wir uns schließlich auf den Weg zu Xai´s BnB im Ortsteil Nawala machten. Die Fahrt dorthin war noch einmal ziemlich turbulent und unser Highlight war vermutlich, dass wir mit unseren Fahrrädern auf einmal mitten auf einer Hauptkreuzung in Colombo waren und im selben Moment feststellten, dass wir gerade dabei sind, falsch abzubiegen. Also einfach freundlich lächeln, winken und an einer Reihe wartender Autofahrer vorbeiradeln, die nicht recht wussten, ob sie zurückwinken oder wütend sein sollten. Bei Xai angekommen, wurden wir herzlich empfangen und durften auch gleich einen frischen gepressten Fruchtsaft genießen. Xai und ihren Mann Pradeepa kennen Frank und ich schon ziemlich lange. Über gute Freunde aus München kam dieser Kontakt zustande und als Xai sich vor einiger Zeit dazu entschloss, in ihrer oberen Etage ein Gästezimmer zu vermieten, war uns eigentlich gleich klar, dass das gut sein muss. So erwartete Petra und mich ein super schönes Zimmer mit riesigem Bett, Balkon und einer super Ausstattung! Am hauseigenen Pool genossen wir nachmittags im Schatten ein kühles Bier und waren stolz auf unsere erste Radel-Etappe.

Hier haben wir es uns gut gehen lassen.Das Abendessen bei Xai´s BnB war der Hammer!

Und als ob das alles nicht schon perfekt genug war, überraschte uns Xai am Abend mit einer superleckeren Lasagne, für die ich am liebsten den Rest der Tour sofort abgesagt und mich eine Woche bei Xai einquartiert hätte. Dementsprechend fielen wir am Abend ziemlich früh mit vollen Bäuchen in unser King Size Bett, um uns gut auszuschlafen für den folgenden, nervenaufreibenden Tag.

 

Tag 2: Die Lektion „Fahrräder im Zug“ und wie wir schließlich in die Berge kamen

Eigentlich sollte dieser Tag eine der am wenigsten anstrengenden Etappen unserer Reise werden. Der Plan war, morgens um 8.30 Uhr von Colombo den Zug nach Badulla zu nehmen und ohne Umsteigen am Nachmittag gegen 16 Uhr in Ohiya anzukommen, wo es dann nur noch 3 km vom Bahnhof zu unserer Unterkunft sein sollten. Doch Sri Lanka wäre ja nicht Sri Lanka, wenn nicht alles anders kommen würde, als man denkt.

Abschied von der lieben XaiNach einem tollen Frühstück von Xai, die uns mit Pfannkuchen, gebratenem Schinken, Würstchen und Eiern verwöhnte, hieß es schweren Herzens Abschied nehmen und wir stürzten uns mit einiger Verspätung in das morgendliche Schul-, Arbeits- und Hauptstadt-Verkehrschaos, um den Zug noch rechtzeitig zu erwischen. Als wir endlich am Bahnhof ankamen, mittlerweile schon wieder komplett durchgeschwitzt, sollten wir jedoch die erste Niederlage unserer Reise erleben. Von wegen Fahrräder einfach in den Zug mitnehmen! Pustekuchen! Da hatte ich wohl eine Fehlinformation und wir mussten uns belehren lassen, dass die Räder als Gepäck aufgegeben werden müssen und deshalb auch nur in Zügen mit Gepäckwagon transportiert werden können. Na super! Und warum sollte es anders sein? Natürlich war der von mir ausgesuchte Zug um 8.30 Uhr KEINER mit Gepäckwagon, weshalb man uns vorschlug, den nächsten Zug um 9.45 Uhr zu nehmen. Somit war die ganze Hetzerei und das vorzeitig abgebrochene Frühstück umsonst, denn nun mussten wir 1,5 Stunden am Bahnhof warten. Doch zunächst galt es, die Gepäck-Annahmestelle am Bahnhof zu finden und den Papierkram für die Fahrräder zu erledigen. Als wir schließlich eine Art Lagerhalle mit Schreibtisch fanden und den Versand geklärt hatten, hatte ich zugegebenermaßen riesige Zweifel, ob unsere Fahrräder am Abend tatsächlich auch am selben Ort ankommen wie wir. Doch es brachte nichts, sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Als wir endlich im richtigen Zug waren, fühlten wir uns, als ob wir schon seit 10 Stunden auf den Beinen und bereits 2 Marathons gelaufen wären. Doch irgendwer wollte scheinbar noch eins draufsetzen und ließ uns prompt erst einmal 3 Stunden bis nach Kandy stehen. Aber okay, irgendwann hatten wir endlich unseren Sitzplatz und fuhren die letzten 6 Stunden dämmernd zwischen freundlichen Nonnen, musizierenden Teenagern, atemberaubenden Aussichten, zahlreichen Tunneln, Zugverkäufern mit verschiedensten Leckereien und schließlich mit Pullover und Jacke immer weiter in die Berge.

Auf der 9-stündigen Zugfahrt nach OhiyaBei gigantischer Aussicht wurde auch der Fahrtwind langsam frischerGegen 19 Uhr stiegen wir schließlich in Ohiya aus. Es war bereits dunkel und wir froh, endlich angekommen zu sein, doch nun wurde es noch einmal spannend. Wo waren unsere Fahrräder? Tatsächlich schob sie einer vom Bahnhofspersonal auf uns zu und nach einer Unterschrift waren wir entlassen und kurze Zeit später auch VERlassen – vom Internet- und GPS-Signal unserer Telefone. Also durchfragen und versuchen, in der Dunkelheit den richtigen Weg zu finden. Schon bald war ich froh über die Mini-Taschenlampe, die Frank uns noch mitgegeben hatte – für den Notfall. Und was uns nun erwartete, war tatsächlich ein Notfall! Klar, schlappe 3 km hören sich erstmal nicht so viel an, allerdings hatte uns keiner vorgewarnt, dass wir mit unseren Rädern bergauf über felsige und schlammige Trampelpfade mitten in die Teeplantagen hinein müssen. Somit haben wir bis zu unserer Unterkunft auch nochmal ca. eine Stunde gebraucht, in der wir mehr schoben als fuhren, und von der sagenhaften Aussicht, von der in der Beschreibung die Rede war, hatten wir auch nichts mehr. Aber egal, wir waren da, genossen die frische Bergluft und mussten uns damit abfinden, dass es dort oben nicht einen einzigen Flecken Erde mit Handyempfang gab.

Tag 3: Auf zum Kirigalpoththa und wer braucht schon einen Guide?

Für den dritten Tag hatten wir uns das Hauptziel dieser ganzen Reise vorgenommen: den zweithöchsten Berg Sri Lankas namens Kirigalpoththa, der sich mit einer Höhe von 2.388 m im Natrionalpark der Horton Plains befindet und meinen Lieblingsberg, den Adam´s Peak, um schlappe 145 m überragt. Von mir aus hätte es gerne auch der Pidurutalagala sein dürfen, der mit 2.524 m der höchste Berg der Insel ist, allerdings ist sein Aufstieg nicht erlaubt, da es sich um militärisches Sperrgebiet handelt – sehr schade.

Um 6 Uhr morgens machten wir uns mit einem TukTuk auf den Weg zum Eingang des Nationalparks. An der Kasse trafen wir die personifizierte Freundlichkeit an Touristenliebhaber, wie sie im singhalesischen Buche steht. Anstatt uns zu erklären, warum Petra anstatt des angeschriebenen Eintrittspreises in Höhe von 2.050 LKR (ca. 13 Euro) auf einmal 3.300 LKR (ca. 20 Euro) zahlen soll, motzte er uns noch an, was eigentlich unser Problem wäre, als wir versuchten, uns auf der Preistafel zu orientieren. Hinterher stellte sich heraus, dass noch 11% Mehrwertsteuer und schlappe 50% Service-Charge berechnet wurden, weil wohl immer so viele Touristen verloren gehen oder sich den Fuß verstauchen, sodass sie jemand vom Personal zurückholen muss. Ist zwar etwas übertrieben, aber KÖNNTE man verstehen, wenn es einem jemand vernünftig erklärt. Allerdings war Vernunft nicht gerade seine Stärke, weshalb er uns auf einen Gesamtpreis von 3.635 LKR kommentarlos auch nur 300 LKR zurückgab, nachdem wir ihm 4 Tausender auf den Schalter legten. Als ich nach den fehlenden 65 Rupien fragte, kam eine schroffe Entschuldigung, dass er leider GERADE kein Wechselgeld da hätte. „Okay, dann komme ich später wieder!“ Nun wollten wir schließlich erstmal auf diesen Berg. Doch vorerst mussten wir noch an den Aufsehern am Startpunkt vorbei, die schon mal ganz routiniert und prophylaktisch sämtlichen Plastikmüll aus unseren Rucksäcken verbannten, obwohl sie sich noch gar nicht einig waren, ob sie uns überhaupt auf den Berg lassen wollten. Angeblich wagt nur etwa 1-2mal pro Woche jemand den Aufstieg und auch wenn sie es nicht sagten, so war klar, dass man das uns weißen Frauen schon mal gleich gar nicht zutraute. Man wollte uns dann unbedingt einen Guide aufschwatzen, der den Weg nach oben gut kennt und einen vor gefährlichen Tieren beschützt. Da ich diese Masche jedoch schon vom Adam´s Peak kannte, wo man auch ohne Guide super klar kommt, lehnten wir das rigoros ab und bekamen nach langem Hin und Her schließlich doch die Erlaubnis, uns auf den Weg zu machen.

Auf der Suche nach dem richtigen WegDieser startete recht harmlos, doch schon bald verloren wir irgendwie den Pfad und standen im körperhohen Gras, ohne zu sehen, was sich um unserer Füße herum abspielte. In Anbetracht des noch feuchten Grases und des Wissens um die verschiedenen Schlangenarten in Sri Lanka war uns das dann doch ein wenig mulmig und wir kehrten erstmal auf sicheren Boden zurück. Doch wie nun weiter? Zurück gehen und den prolligen Sicherheitstypen die Bestätigung geben, dass die Ausländerinnen das nicht packen oder einen anderen Weg probieren? Die Antwort war schnell klar!!! Zum Glück versuchten wir einen anderen Pfad, der zunächst ganz und gar nicht danach aussah, als ob er zum Ziel führen würde. Aber ab da ging dann alles ziemlich reibungslos und in einem ca. 3-stündigen Aufstieg durch dschungelähnliche Waldstücke, Sumpfgebiete und über kleine Bäche hinweg erklommen wir schließlich den Gipfel und genossen von da aus eine traumhafte Aussicht. 

 Atemberaubende Aussicht vom KirigalpoththaWir genossen die Sonne auf dem Gipfel.

Hier geht es steil bergabTja, und wer´s glaubt oder nicht – da oben auf dem Berg gab´s auf einmal sogar wieder Handyempfang und wir konnten zumindest kurz ein paar Grüße loswerden. Auf dem Weg nach unten begegneten wir doch glatt noch einer ganzen Horde einheimischer College-Boys und waren froh, dass die nicht 15 Minuten früher oben waren, als wir noch im BH in der Sonne saßen, um unsere T-Shirts vom Wind ein wenig trocknen zu lassen. Als wir auf dem Rückweg das Kassenhäuschen erneut passierten, konnte ich es mir nicht nehmen lassen, die noch fälligen 65 Rupies abzuholen und mir Genugtuung an einem sehr dummen Gesicht desselben Kassierers vom Morgen zu verschaffen. Als wir später wieder in unserem Guesthouse ankamen, konnten wir auch nachvollziehen, weshalb am Vorabend alle Gäste bereits um halb neun im Bett waren. Wir waren fix und alle und konnten beim Rommee-Spielen vor dem Abendessen schon kaum noch die Augen offen halten. Wenigstens konnten wir heute die traumhafte Aussicht von unserem Zimmer noch ein wenig genießen, bevor wir uns morgen auf den Weg nach Haputale machen...

(Fortsetzung folgt...)