Julia Fischer. Von der Raupe zum Schmetterling. 12.12.2010


Am Freitag, den 10.12., fand in Kumaris Förderschule die diesjährige Weihnachtsfeier statt, zu der Frank, ich, das gesamte Personal und auch unsere Mädchen recht herzlich eingeladen waren. Leider konnten wir nicht alle Kinder mitnehmen, da am Freitag gleichzeitig der letzte Schultag in diesem Jahr war. Frank war im Angels Home leider auch nicht abkömmlich, da wir zur Zeit wieder Bauarbeiter hier haben. Somit fuhr ich allein mit der Matron sowie mit Mali, Saduni, Asadi und Subani zur Schule nach Katuneriya. Dort erwartete uns ein bunt gemischtes und gut organisiertes Weihnachtsprogramm, welches die Lehrerinnen mit den verschiedenartig behinderten, zurückgebliebenen oder traumatisierten Kindern einstudiert haben. Und da Bilder ja bekanntlich mehr aussagen als 1000 Worte, schaut einfach selbst, was man dort auf die Beine stellte:

Weihnachtsfeier KumariWeihnachtsfeier KumariWeihnachtsfeier Kumari

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Wie ihr sehen könnt, spielte unsere Kumari als Schmetterling auf der Bühne mit und ich muss sagen, dass ihr diese Rolle wie auf den Leib geschneidert war. Denn so langsam entpuppt sich Kumari auch im wahren Leben als lebendiger, farbenfroher und freundlicher Zeitgenosse, den man einfach gerne haben muss und den man am liebsten den ganzen Tag beobachten möchte. Was ich damit sagen will, ist folgendes: Als Kumari Anfang des Jahres zu uns gekommen ist, hat sie das Angels Home und die dort herrschenden Regeln und Gewohnheiten erst einmal ganz schön aufgemischt. Aus diesem Grund war am Anfang nicht jedes Mädchen im Heim glücklich über Kumaris Einzug. Insbesondere Nadisha (ihre große Schwester) wehrte sich zunächst vehement dagegebn, sich mit Kumari zu beschäftigen, ihr zu helfen oder ihr die Eingewöhnung zu erleichtern. Der Grund dafür lag ganz klar auf der Hand: Die kleine Schwester erinnerte sie an das Leben zu Hause, was Nadisha seit ihrer Ankunft im Angels Home so erfolgreich verdrängt hatte. Doch mit der Zeit bekam sie wohl doch etwas Mitleid mit der Kleinen, zumal sie es aufgrund ihrer Sprachprobleme auch mit den anderen Mädchen im Angels Home nicht gerade leicht hatte. Mittlerweile sieht man die beiden oft zusammen und es scheint so, dass Nadisha froh ist, ihrer kleinen Schwester etwas beibringen zu können und dass Kumari stolz darauf, eine so tolle große Schwester zu haben.

Weihnachtsfeier KumariDoch auch sonst macht Kumari erhebliche Fortschritte, wozu die oben besagte Schule bestimmt einen großen Teil beiträgt. Ihr Wortschatz hat sich in den vergangenen Monaten enorm vergrößert, auch wenn es ihr noch immer schwer fällt, in ganzen Sätzen zu sprechen. Außerdem ist Kumari viel ruhiger und ausgeglichener geworden. Sie schlägt nicht mehr nach den anderen Mädchen und hat in der letzten Zeit einen sehr ausgeprägten Gemeinschafts- und Gerechtigkeitssinn entwickelt. Es ist einfach toll mitzuerleben, wie Kumari versucht, Streitigkeiten zwischen den anderen kleinen Mädels zu schlichten. Ich glaube auch, dass sie der schulische Umgang mit behinderten Kindern noch viel sensibler und toleranter gegenüber anderen Menschen macht und manchmal staune ich wirklich, mit welcher Vernunft und Ehrlichkeit sie an bestimmte Dinge herangeht.

Voraussichtlich wird Kumari das komplette nächste Schuljahr noch in der Förderklasse verbringen. Dabei soll die Anzahl der Schultage pro Woche (momentan 2) jedoch allmählich gesteigert werden, so dass sich Kumari langsam an einen normalen Schulalltag gewöhnen kann. Wir hoffen, dass sie dann im nächsten Jahr weiterhin Fortschritte im Lernen macht und vielleicht ab 2012 endlich eine normale Schule besuchen kann.

Hoffnungsvolle Grüße aus Marawila und einen ruhigen und besinnlichen 3. Advent für alle Leser!

Julia