Tagebuch Julia. Das soll einer verstehen... 23.06.2010


 Bestimmt haben einige von euch mitbekommen, dass wir noch gestern 2 Neuzugänge auf unserer Homepage stehen hatten, während heute nur noch der Name der kleinen Subani dort steht. Dies möchte ich euch kurz erklären.

Am 14.06.2010 hatten wir die beiden Mädchen Malki und Subani bei uns aufgenommen, obwohl unsere Kapazitäten mit 20 Kindern eigentlich bereits ausgeschöpft waren. Das Amt teilte uns jedoch mit, dass diese beiden Fälle wirklich dringlich seien und wir möchten doch bitte schauen, ob wir nicht doch eine Möglichkeit finden. Also haben wir unseren Krankenraum kurzerhand umfunktioniert und schließlich eingewilligt.

Malkis Großmutter, welche die Kleine zu uns brachte, machte von Anfang an einen unsicheren Eindruck dahingehend, ob sie sich ihrer Sache wirklich sicher ist. Erst lange Zeit nachdem sie eine Heimunterbringung für die Kleine beantragt hatte und das Amt seine Zustimmung gab, entschied sie sich, Malki wirklich abzugeben. Das Bestätigungsschreiben war bereits von Januar 2010, was ja schon zeigt, dass die Großmutter wohl lange darüber nachgedacht hat.

Am Montag hatten wir wieder mal ein Meeting mit dem zuständigen Jugendamt sowie allen Angehörigen, welches ca. 2-3mal im Jahr stattfindet und wo die familiären Hintergründe zu den einzelnen Kinder neu hinterfragt und dokumentiert werden. Auch Malkis Großmutter ist zu diesem Treffen erscheinen und die Kleine freute sich natürlich riesig. Als es später jedoch ans Abschiednehmen ging, konnte sich die Großmutter nicht so richtig losreißen. Malki machte auch ein heiden Theater, weil sie verständlicherweise nicht schon wieder allein gelassen werden wollte. Mehrere Hinweise seitens unserer Matron, dass es für das Mädchen nur umso schlimmer werde, je länger sie bleibt, ignorierte die Großmutter einfach. Irgendwann fragte sie doch tatsächlich, ob sie ihr Enkelkind nicht einfach wieder mitnehmen könnte. Es würde ihr so leid tun, sie hier lassen zu müssen.

Unsere Matron, die sich wirklich zusammenreißen musste, dass sie noch freundlich blieb, rief beim Amt an und fragte nach, was wir tun sollten. Dort sagte man, Malki solle auf jeden Fall erst einmal im Heim bleiben, da dies ein fester Beschluss ist. Wenn die Großmutter es wirklich ernst meint und sie Malki wieder zu Hause haben möchte, dann müsse sie ins Amt kommen und die Situation mit dem zuständigen Sachbearbeiter besprechen.

Das hat sie doch tatsächlich direkt getan und sieh an - gestern stand sie schon wieder vor unserem Tor. Diesmal mit einem entsprechenden Schreiben, dass Malki wieder entlassen werden darf und (wir wollten es kaum glauben) in Begleitung von Malkis Mutter! Hatte uns die Großmutter nicht erzählt, dass die Kleine schon seit ihrer Geburt bei ihr lebt, weil die Mutter kein Interesse an dem Mädchen zeigt? Merkwürdig... Unentschieden

Nach langem Hin und Her stellte sich schließlich heraus, dass Malki lediglich ein paar Monate bei der Großmutter lebte, weil die Mutter aus privaten und beruflichen Gründen (auf die ich an dieser Stelle einfach mal nicht eingehe) keine Zeit mehr hatte. Die Großmutter stufte die Lebensbedingungen bei der Mutter wohl auch langfristig für unangemessen ein und entschied selbst, ohne die Mutter darüber zu informieren, Malki in einem Heim unterzubringen. Sie war der Meinung, das wäre das Beste für das Kind und hat dafür sogar das Jugendamt belogen. Nach einigen Tagen hat die Mutter jedoch herausbekommen, dass Malki nicht mehr bei der Großmutter ist und von dieser verlangt, sie solle das Kind so schnell wie möglich wieder zurückbringen.

Etwas merkwürdig an dieser Geschichte war jedoch, dass die beiden Frauen wie Freundinnen ins Heim gekommen sind, so als wäre überhaupt nichts passiert. Also wenn meine Mutter ohne mein Wissen mein Kind in ein Heim stecken würde, dann wäre das Verhältnis definitiv ein anderes. Naja... was soll man dazu sagen?

Die ganze Wahrheit werden wir nun vermutlich auch nicht mehr erfahren. Es bleibt zu hoffen, dass es Malki bei ihrer Mutter gut hat und die Kleine nicht noch einmal so eine schreckliche Erfahrung machen muss!