Tagebuch Julia. Vesak 2008. In letzter Minute. 20.05.2008


Gestern und heute waren in Sri Lanka 2 der wichtigsten buddhistischen Feiertage, genannt Vesak und anlässlich des Vollmondes im Monat Mai. Wie Steffi bereits in ihrem letzten Tagebucheintrag geschrieben hat, werden an diesen Tagen viele Straßen, Grundstücke und vor allem die Tempel mit bunten Papierkunstwerken und Lampen geschmückt. Außerdem ist in der Nähe von allen buddhistischen Tempeln ein buntes Treiben und viele Menschen nehmen an diesen Festlichkeiten teil.

Frank war ja bereits im letzten Jahr mit den Mädels zum Vesak-Fest, wobei sie eine Menge Spaß hatten. Ein Bericht über das Vesak Fest 2007. Deshalb wollten wir das auch dieses Jahr wieder in Angriff nehmen. Leider sah es am Anfang gar nicht so gut aus, da absolut kein Kleinbus mehr zu kriegen war. Wir fragten sämtliche Fahrer, die wir so kennen, doch bekamen immer die gleiche Antwort: Alles schon ausgebucht. Am Samstag hat sich glücklicherweise jedoch noch etwas ergeben. Ein guter Freund konnte doch noch einen kleinen Bus mit Fahrer für uns organisieren und somit konnte der Ausflug gestern stattfinden. Natürlich haben wir das den Mädels nicht gleich unter die Nase gerieben, sondern bis 3 Stunden vor Abfahrt mit der Verkündung gewartet. Sie haben alle schon nicht mehr daran geglaubt, dass wir noch einen Bus bekommen und waren deswegen auch ein wenig traurig. Umso größer war die Freude natürlich, dass wir doch fahren konnten. Ich muss wirklich sagen, dass ich total überwältigt war, wie sehr die Mädels sich gefreut haben. Mali hatte sogar Tränen in den Augen und alle haben über's ganze Gesicht gestrahlt. Das war echt sehr ergreifend, so dass auch ich für einen Moment schlucken musste...

Um 19 Uhr sollte es dann am Angels Home losgehen. Alle Mädchen haben sich wieder sehr schick gemacht und auch Jasintha, Latta, Deepani und Laxman wollten uns begleiten. Als der Bus um 19.15 Uhr noch immer nicht in Sicht war, bekamen wir schon Angst, dass der Ausflug doch noch ins Wasser fallen könnte. Auch die Mädels hatten das Warten satt...

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Doch plötzlich hörten wir dann doch das dumpfe Knattern von einem typischen Bus in Sri Lanka und einige Minuten später stand das Fahrzeug dann auch auf dem Gelände vom Angels Home und ein sehr freundlicher Busfahrer erwartete uns.

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Als erstes sind wir zum Tempel nach Nattandiya (ein Nachbarort von Marawila) gefahren. Während der Fahrt haben unsere buddhistischen Kinder einige Lieder angestimmt, da unser Bus leider kein Radio an Bord hatte. So konnte wenigstens die durchaus langsame Fahrt ein wenig überbrückt werden. Uns war dann auch sehr schnell klar, warum unser Bus zu spät kam: Auf den Straßen war die Hölle los. Jeder wollte um jeden Preis und mit den unmöglichsten fahrbaren Untersätzen zu irgendwelchen Tempeln pilgern. Da zwängt man sich zum Beispiel auch mal zu viert auf ein Motorrad oder quetscht sich mit 30 Leuten auf die Ladefläche eines kleinen Lkws... Schreien

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Am Tempel angekommen haben wir alle unsere Schuhe im Bus gelassen, da man das Gelände ja generell nur barfuß betreten darf. Es war sehr viel los vor und in diesem Tempel, so dass wir allerhand zu tun hatten, alle 20 Kinder beisammen zu halten. Das Gebäude war sehr schön gestaltet und die gesamten Wände sowie die Decke zeigten die Geschichte von Buddha in Form von Handmalerei. Leider kann ich euch an dieser Stelle keinen Eindruck davon vermitteln, da ich es mir dann doch nicht traute, im Tempel mit Blitzlicht zu fotografieren. Die normalen Bilder sind alle zu dunkel geworden. Aber hier ein paar Fotos vom Vorjahr.

Nachdem wir eine Runde durch das ganze Tempelgelände gemacht haben, konnten wir auf der Straße davor schon die ersten 2 großen Papierlampen bewundern. Es ist wirklich erstaunlich, mit wie viel Liebe zum Detail die Singhalesen diese Kunstwerke gestalten.

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Anschließend fuhren wir weiter zum nächsten Ort (leider ist mir gerade der Name entfallen), wo in einer Straße gleich mehrere Stände aufgebaut waren, an denen man die Girlanden bestaunen konnte. Unsere Mädels waren total begeistert und wussten gar nicht so recht, wo sie zuerst hinschauen sollten.

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Bei einem weiteren Zwischenstopp kamen uns einige freundliche Singhalesen entgegen, die auf der Straße kostenlos Malzkaffee verteilten. Für meinen Geschmack war er zwar etwas zu süß und erinnerte mich stark an meine Kindertage, wo meine Mama manchmal "Kinderkaffee" für mich und meine Brüder machte, aber den Mädels schien das Getränk zu schmecken.

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Außerdem konnten wir einige Meter weiter eine kleine Showeinlage bewundern, bei der sich drei maskierte Jungs auf einer kleinen Bühne zum Affen machten. Der eine war dazu noch als Frau verkleidet, was so manchem Besucher ein Lächeln entlockte. 

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Danach war unsere kleine Busrundfahrt auch schon wieder zu Ende und so langsam wurde der Hunger bei allen Beteiligten immer größer. Also haben wir noch eine sehr witzige und musikalische Heimfahrt genossen, bei der die Mädels mal wieder sämtliche Lieder angestimmt haben und sich gegenseitig in der Lautstärke übertreffen wollten.

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In Marawila haben wir den Abend dann in einem kleinen einheimischen Restaurant bei Rice & Curry ausklingen lassen.

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Etwa gegen 23 Uhr bogen wir wieder in unsere Bowatta Temple Road (Straße zum Heim) ein, die übrigens nach unserer Meinung besonders schön geschmückt war. Die Kinder waren nun alle ziemlich kaputt und sicherlich froh, nach diesem erlebnisreichen Abend in ihren Betten zu liegen.

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Festliche Grüße aus Marawila,

Julia