Tagebuch Julia. Der vergessliche Osterhase. 23.03.2008


Hier in Sri Lanka hatten wir am Donnerstag und Freitag Feiertag. Wie bereits in unseren Ostergrüßen im Newsletter beschrieben, hatten die Mädchen im Heim leider nicht sehr viel von den freien Tagen, da sie eine Menge lernen mussten. Nächste Woche stehen in der Schule wieder einige Prüfungen an, bevor dann Anfang April die Ferien beginnen. Außerdem besuchten unsere katholischen Mädels in diesen Tagen sehr oft die Kirche, um an den zahlreichen Ostermessen teilzunehmen.

Allgemein sind die Osterfeiertage hier sehr eng mit dem christlichen Glauben verbunden (weshalb sie ursprünglich ja auch gefeiert werden) und werden demzufolge eher religiös celebriert. Überall sind die Kirchen geschmückt und zu den täglich mehrmals stattfinden Messen kann man sehr viele Menschen pilgern sehen. Die Geschichte mit dem Osterhasen kennt man hier nur von Erzählungen. Als ich Jasintha, unsere Heimleiterin, nach den Sitten und Gebräuchen zu Ostern in Sri Lanka fragte, rückte sie jedoch mit einer ganz witzigen Geschichte heraus: In einigen Stätten gibt es wohl am Ostersamstag eine Veranstaltung, auf der man sich mit rohen Eiern bewirft. Den Hintergrund und die Bedeutung dieses Brauchs habe ich zwar nicht so ganz verstanden, aber immerhin hat Ostern also auch in Sri Lanka etwas mit Eiern zu tun... Lachen

Allerdings muss man ja zugeben, dass die Osterhasen-Story für Kinder doch wohl etwas ganz besonderes ist, insbesondere die Suche nach den versteckten Nestern. Deshalb wollten Frank und ich den Mädels natürlich auch mal zeigen, wie wir das in Deutschland so handhaben. Heute morgen bin ich bereits um 7 Uhr aufgestanden und habe 26 Eier gekocht. Wir müssen ja auch immer unsere großen Kinder namens Latta, Laxman & Co. mit einplanen... Winken Irgendjemand hat uns kürzlich noch gefragt, ob er/sie uns Ostereier-Farbe aus Deutschland mitbringen soll, da wussten wir jedoch noch nicht, dass wir unseren Kids diesen Blödsinn tatsächlich beibringen. Somit haben wir dankend abgelehnt und ich musste mir heute morgen den Kopf zerbrechen, wie ich die Eier sonst gestalten könnte. Ich habe dann für jedes Ei ein kleines Papierhütchen gebastelt und ein Gesicht auf die Schale gemalt.

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 Frank hat anschließend 26 kleine Beutelchen fertig gemacht, in denen neben dem Osterei auch noch ein paar Süßigkeiten sowie ein Flummi und für das Personal ein Kugelschreiber war. 

Am Nachmittag haben wir zwei Osterhasen uns dann auf den Weg ins Heim gemacht. Während die Mädels im Haus ein wenig mit dem Fernseher beschäftigt wurden und ich dabei schön aufpasste, dass auch keiner nach draußen geht, hat Frank im Garten die 20 kleinen Osterbeutel für die Kinder versteckt. Natürlich haben einige dabei schon gemerkt, dass irgend etwas im Busch ist, denn wann durften sie so kurz vor den Prüfungen schon mal Fernsehen schauen und warum schleicht Frank da draußen so ums Haus, als ob er irgendetwas sucht?

Nach der Teezeit war es dann endlich so weit und wir gaben den Startschuss für das große Suchen. Als erstes durften unsere kleinen Hüpfer Asadi, Hasini, Dishna, Hiruni und Shakina. Ob man's glaubt oder nicht, aber nach nicht einmal 10 Sekunden hat Hasini bereits den ersten Beutel gefunden und freute sich natürlich wie ein Schneekönig. Bei Hiruni und Shakina hat es dann auch nicht mehr allzu lange gedauert. Etwas schwerer fiel es jedoch Dishna und Asadi, die beide schon mindestens 10mal an einem Beutel vorbeigelaufen sind und ihn nicht gesehen haben... Schreien Irgendwann gaben die anderen jedoch etwas Hilfestellung und dann hat es geklappt.

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Danach waren die übrigen 15  Mädels alle auf einmal dran. Dabei waren Jeeva, Saduni und Sujeeva besonders schnell fündig. Etwas länger dauerte es ausgerechnet bei denen, die bereits auf der Suche waren als die Kleinen noch an der Reihe waren und die größte Klappe hatten, dass dies doch viel zu einfach wäre. (Wir wollen an dieser Stelle mal keine Namen nennen.) Nach etwa 10 Minuten war nur noch Chathumini übrig, die noch keinen Osterbeutel gefunden hatte. Obwohl ihr sich schon zahlreiche Mädels angeschlossen haben, blieb die Suche erfolglos. Das Problem war nun, dass auch Frank nicht mehr richtig wusste, wo er überall etwas versteckt hatte. Naja... bei 20 Tüten ist das ja auch nicht so einfach. Irgendwann wurde das vermisste Ostergeschenk dann jedoch in einem hängenden Blumentopf gefunden und auch Chathumini war endlich happy.

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Anschließend wurde es aber erst richtig witzig, denn dann war das Personal an der Reihe. Wir haben sie alle hinein geschickt und die großen Mädels Sujeeva, Nisansala, Mali, Udeshika und Saduni durften die Osterbeutel verstecken. Natürlich waren die Fünf auch so clever und haben nicht gerade die einfachsten Verstecke ausgesucht. Als die Suche dann los ging, waren die Kids alle total aus dem Häuschen und haben voll mitgefiebert. Natürlich haben die Jüngsten noch nicht so ganz verstanden, dass jeder sein Geschenk selber finden sollte und jedesmal ganz laut geschrien, wenn das Personal ziemlich nah dran war. Als sie es dann entdeckt haben, konnte man die Damen aber um die Wette flitzen sehen, weil natürlich jede zuerst dort sein wollte... Grinsen

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Wie ihr seht, hatten wir also auch im Angels Home viel Spaß beim Eier-Suchen. In diesem Sinne wünsche ich euch allen noch schöne Osterfeiertage und einen fleißigen Hasen, der hinterher auch noch weiß, wo er alles versteckt hat.