Tagebuch Julia. Das Meeting. 01.12.2007


 Gestern war ja nun das große Meeting im Heim, bei dem entschieden wurde, welche Kinder über die Weihnachtsfeiertage nach Hause fahren dürfen und welche nicht. Zunächst einmal kam die Hauptperson, die Leiterin vom Department of Probation and Childcare aus Kurunagala, wegen der wir das Meeting extra noch einmal verschoben hatten, dann doch nicht. Das stellte schon mal ein Problem dar, weil sie sonst immer die Entscheidungen getroffen hat, welche Kinder zu ihren Verwandten dürfen und dementsprechend auch einigermaßen über die Familienverhältnisse unserer Kinder bescheid weiß. Also hat diese Aufgabe dann die Leiterin vom Amt in Natandiya übernommen, mit der Frank ohnehin ab und zu mal ein paar Diskussionen führt, weil sie bei vielen Sachen einfach anderer Meinung ist. Das war schon mal ein schlechtes Omen. Und da Frank wegen seinem Visa wieder mal nach Colombo musste hatte ich das Vergnügen mich mit der Dame auseinander zu setzen... Unentschieden

Erst einmal haben die zwei anwesenden Office-Ladies dann ausgiebig gefrühstückt, Tee getrunken und Small-Talk mit mir und unserer Heimleiterin geführt. Das ist ja in Sri Lanka auch immer ganz wichtig. Anschließend wurden die Akten der einzelnen Kinder studiert und hier und da ein paar Fragen gestellt. Mittlerweile waren auch so ziemlich alle Angehörigen eingetroffen, die unsere Mädels über Weihnachten gerne zu Hause hätten. Auch einige Kinder waren bereits morgens im Heim, da wohl ein paar Lehrer gestern ein wichtiges Meeting hatten und deshalb keinen Unterricht geben konnten.

Irgendwann haben die Frauen vom Office dann begonnen, die einzelnen Verwandten sowie das dazugehörige Mädchen an den Tisch zu rufen. In den Gesprächen wurde dann abgeklärt, wie die Familienverhältnisse momentan aussehen und wo das Kind untergebracht wäre. Außerdem wurde überprüft, wer in dieser Zeit die Verantwortung für das Kind übernehmen wird und ob diese Person auch angemessen dafür sorgen kann. Leider wurde die ganze Zeit mal wieder nur auf Singhalesisch gesprochen und jedes Mal, wenn ich Jasintha fragte, ob sie mir das mal übersetzten würde, bekam ich eine kurze und knappe Antwort. Dabei merkte ich sehr wohl, dass meistens noch über sehr viel mehr geredet wurde und bei einigen Kindern verstand ich gar nicht, wo das Problem lag. Ich konnte lediglich feststellen, dass viele Kinder und Angehörige sehr unzufrieden aus den Gesprächen heraus gingen, einige Kinder haben auch geweint. Natürlich hab ich jedes Mal nachgehakt, wo das Problem liegt und mir die Entscheidung mitteilen lassen. Bei einigen Kindern wusste ich auch, ob sie in den vorherigen Ferien immer zu Hause oder im Heim waren und deshalb habe ich einige Entscheidungen der guten Dame leider überhaupt nicht nachvollziehen können. Wir haben beispielsweise auch 2 Mädels, bei denen ich absolut dagegen wäre, sie nach Hause zu schicken, da der Ärger dort schon vorprogrammiert ist (z.B. Alkoholkonsum oder gar Gewalt). Hier wurde bei dem einen Mädel entschieden, erst noch einmal mit dem Amt in Kurunagala Rücksprache zu halten und bei dem anderen legte man fest, dass sie für 3 Tage nach Hause darf, was ich überhaupt nicht verstehen konnte. Da Frank mir jedoch die Anweisung gegeben hat, ich soll der guten Dame nicht widersprechen, hab ich versucht, alles runter zu schlucken. Er meinte, dass er da abklärt sobald er wieder zu Hause ist. Ich habe das ja auch durchaus verstanden, aber es fiel mir sehr sehr schwer bei dieser (in meinen Augen) inkompetenten Person ruhig zu bleiben. Ich fand, dass sie auch nur wenig Rücksicht auf unsere Mädels genommen hat. Sie fragte nur ganz selten, ob denn die Kinder überhaupt nach Hause wollen und das ist doch das allerwichtigste an dieser Sache. Außerdem standen die Kinder während des Gesprächs meistens die ganze Zeit dabei. Dabei spielte es keine Rolle, ob gerade über den Alkoholkonsum der Mutter oder die Gewaltbereitschaft des Vaters gesprochen wurde. Aber leider musste ich ja schon öfter feststellen, dass die Singhalesen diesbezüglich einfach kein Einfühlungsvermögen haben.

Zum Schluss dieses Meetings war ich dann also mit mindestens 4 Gesprächen unzufrieden und als Frank am Abend nach Hause kam, hab ich ihm auch sofort alles erzählt. Er möchte nun noch einmal mit allen Kindern einzeln sprechen und nächste Woche wird er versuchen, beim Amt vielleicht doch noch die eine oder andere Entscheidung zu ändern.

Heute war mal wieder mein Sportprogramm angesagt. Hab mir mittlerweile so angewöhnt, Samstag morgens immer zum Heim zu joggen, dann das Aufwärmtraining vom Tanzunterricht mitzumachen und anschließend mit dem Fahrrad wieder nach Hause zu fahren. Danach bin ich zwar immer ganz schön im Eimer, aber so bleib ich wenigstens auch hier ein bisschen fit.

Morgen gönnen wir uns mal einen Tag „Urlaub"... Grinsen Wir wollen gemeinsam mit Horst Peter und Eike nach Kurunagala fahren, um dort eine Bekannte von Frank zu besuchen. Sie hat auch einen Swimmingpool und ich glaube, ich werde es sehr genießen, mal wieder ein bisschen baden zu gehen und mich zu sonnen.

Für nächste Woche habe ich mir dann vorgenommen, mit den Kids die Kuscheltiere aufzuhängen und eine kleine Bibliothek anzulegen. Außerdem werde ich euch dann die nächsten Beete vorstellen.

Abschließend wünsche ich allen schon mal einen schönen ersten Advent und denkt mal an mich, wie ich morgen in der Sonne liege, während ihr vermutlich die Heizung aufdrehen müsst, damit ihr euch nicht den Hintern abfriert... Winken