Tagebuch Julia. Was machen die Praktikanten? 11.09.2007


 Nachdem ich mich nun einige Tage ruhig verhalten habe, möchte ich heute auch endlich mal wieder etwas schreiben. Sicherlich sitzen meine ganzen Freunde und meine Familie schon täglich vorm Rechner und warten auf einen Tagebucheintrag von mir... Winken

So langsam aber sicher finden wir hier einen geregelten Tagesablauf und ich mache mich mit meinen neuen Aufgaben vertraut. Vielleicht darf ich mich kurz vorstellen??? Ich bin die neue Praktikumsmanagerin vom Dry Lands Project e.V. ... Lachen Da ich ja nun etwas länger hier bin und mich schon einigermaßen mit den Abläufen im Heim auskenne, haben wir beschlossen, dass ich in Zukunft für die Koordination und Betreuung der Praktikantinnen zuständig bin. 

In den letzten Tagen habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wie der normale Tagesablauf für die Praktikantinnen in Zukunft aussehen soll. Zunächst einmal sollte morgens immer eine von uns dabei sein, wenn die Kinder sich für die Schule fertig machen und sie auch auf dem Schulweg begleiten. Dazu gehört, dass wir noch einmal einen Blick auf die Schuluniformen und Schuhe der Mädchen werfen (wie ihr vielleicht wisst, hat man’s in Sri Lanka nicht so mit der Sauberkeit) und auf dem Schulweg darauf achten, dass sie am Straßenrand laufen und keinen Blödsinn machen. Weiterhin sollte morgens auch stets eine Praktikantin im Heim bleiben und sich mit den noch nicht zur Schule gehenden oder kranken Kindern beschäftigen bzw. dem Personal etwas über die Schulter schauen sowie beim Kochen behilflich sein. Gegen 13.30 Uhr holt dann wieder eine Praktikantin die Mädchen von der Schule ab. Nach dem Mittagessen unterstützen wir sie so gut es geht bei ihren Hausaufgaben (singhalesisch wird natürlich etwas schwierig Unentschieden und beschäftigen uns mit den Mädchen, die keine auf bekommen haben oder früher fertig sind. Außerdem habe ich mir überlegt, dass es ganz sinnvoll wäre, die Kinder in mehrere Gruppen aufzuteilen, je nach ihrem momentanen Bildungsstand und ihren Englischkenntnissen. Dann könnte jede Praktikantin im wöchentlichen Wechsel für eine ganz bestimmte Gruppe zuständig sein und sich gezielt mit den Mädchen beschäftigen, wobei sie auf den jeweiligen Entwicklungsstand eingeht. Dennoch würde ich mir wünschen, dass wir jeden Tag auch eine Beschäftigung mit allen Kindern und Praktikantinnen gemeinsam durchführen, um das Zusammengehörigkeitsgefühl der Mädchen zu stärken. Für die Vorbereitung und Durchführung sollte dann ebenfalls täglich eine andere Praktikantin zuständig sein. Weiterhin sind die Praktikantinnen in Zukunft dafür verantwortlich, dass die Kinder Ordnung in ihren Zimmern und Schränken halten und sie sollten dies auch regelmäßig kontrollieren. Neben diesen täglichen Aufgaben, die das Heim betreffen, sollten die Praktikantinnen natürlich abends ihre Tagesberichte schreiben und gelegentlich auch Öffentlichkeitsarbeit und Internetrecherchen für Drylands betreiben. Für eine gute Betreuung der Praktikantinnen habe ich mir vorgenommen, dass wir jeden Abend gemeinsam ein kurzes Gespräch führen, in dem sowohl positive als auch negative Erlebnisse des Tages angesprochen werden können. Dazu werde ich mir Notizen machen und damit Frank nicht völlig dumm bleibt, machen wir jeden Sonntag gemeinsam mit ihm eine Wochenauswertung, um nicht das Wort „Meeting“ zu benutzen und Frank 'ne Herzattacke bekommt... Zunge rausstrecken

Gestern Nachmittag habe ich mit Mira und Anna im Heim ein Gespräch geführt, in dem ich den beiden meine Vorstellungen präsentiert habe. Nachdem auch sie sich mit allem einverstanden erklärt haben, sammelten wir erst einmal gemeinsam Ideen, was wir in der nächsten Zeit mit den Kids alles machen könnten. Außerdem haben wir die Mädchen in 3 Gruppen aufgeteilt und für die laufende Woche einen Plan erstellt, wer wann für was zuständig ist. Für die kommenden Wochen werde ich die Planung dann selbst übernehmen und versuchen, dabei jede Praktikantin gleichermaßen zu berücksichtigen.

Heute morgen sind wir gegen 8.30 Uhr ins Heim gefahren und haben eine sehr aufwendige, aber dennoch notwendige, Aufgabe erledigt: Wir haben den Schrank mit allen Spiel- und Schulsachen für die Kinder ausgeräumt und saubergemacht.

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 Anschließend haben wir alle Sachen sortiert, abgezählt, genau aufgeschrieben und schließlich wieder ordentlich eingeräumt. Ich glaube, wir haben insgesamt 3-4 Stunden dafür gebraucht. Ich war total überrascht, wie viele Spielsachen sich mittlerweile im Heim angesammelt haben. Frank hat zwar gesagt, dass der Schrank erst vor ca. 2 Monaten komplett aufgeräumt wurde, allerdings sah es heute ganz und gar nicht mehr danach aus. Zwischenzeitlich waren wir echt ein wenig überfordert, da sich ein großer Haufen Schreibutensilien, Brettspiele, Puzzle, Wasserfarben und vieles mehr vor unseren Füßen befand und nichts da war, wo es eigentlich hingehörte. So nach und nach haben wir jedoch Ordnung in das Chaos gebracht und es eröffneten sich gleich wieder neue Ideen, was wir mit den Kids alles machen können. Morgen sollen Mira & Anna die Liste mit dem Inhalt des Schranks auf dem Computer ins Reine schreiben (sowohl in deutsch als auch in englisch). Somit haben wir in Zukunft wenigstens einen Überblick, was sich alles in dem Schrank befindet und wir können genau notieren, wenn uns bestimmte Sachen ausgehen und sie entsprechend nachkaufen.

Abschließend habe ich noch eine sehr erfreuliche Nachricht: Wir haben nun endlich alle erforderlichen Papiere für Dinesha & Chathumini und somit können die beiden morgen das erste Mal mit den anderen Kindern zur Schule gehen. Sie waren heute schon ganz aufgeregt und haben den ganzen Tag Schreibübungen gemacht.

Wegen den anderen beiden Mädels (Nadisha & Nisansala) fahren Frank und ich morgen nach Kurunagala zum zuständigen Office und erkundigen uns, wie es mit den Papieren aussieht. Ich bin ja mal gespannt, was dabei herauskommt.