Die Zeit hier ist wertvoll.


„ There‘s only one thing more precious than our time and that‘s who we spend it on“

- Leo Christopher

Zeit ist wertvoll und ganz besonders die Zeit mit den Mädchen hier im Angels Home.

Alle lieben unsere kleine AnneMeine Zeit hier ist vorbei und es ist erschreckend wie schnell die Zeit vergeht! Ich kann mich noch an meinen ersten Tag erinnern als wäre es erst gestern gewesen. Obwohl sich der Alltag und das Leben hier sehr von meinem Leben in Deutschland unterscheiden, ist alles schon so zur Normalität geworden. Dennoch werde ich jeden Tag mit den kulturellen Unterschieden konfrontiert und mir wird immer wieder bewusst, dass die Mädchen hier mit ganz anderen Normen groß werden als wir in Deutschland. Manche Sichtweisen und die Art wie die Menschen hier mit bestimmten Situationen umgehen werde ich wohl nie verstehen. Dazu kann ich nur sagen, „Anderes Land - Andere Sitten“, und genau das macht die Zeit hier so erlebnisreich und wertvoll.

Besonders die Ferien waren sehr abwechslungsreich. Über die Hälfte der Mädchen verbrachte die Ferien bei ihren Familien und so war es ungewohnt ruhig im Angels Home. Die Geräuschkulisse war deutlich geringer und auch der Alltag mit den Mädchen war irgendwie entspannter. Wir haben viele schöne Dinge mit den Mädchen unternommen. So waren wir zum Beispiel im Kino, am Strand, bei einem Neujahrsfest im Nachbardorf, in Negombo und hier in Marawila in einer Kirche. An den restlichen Tagen unternahmen wir spaßige Aktivitäten hier im Heim und Julia und ich gaben den Mädchen am Nachmittag Schwimmunterricht. Wir haben viel gespielt, waren kreativ und haben mit den Mädchen gebacken. Samstags kamen dann die anderen Mädchen aus den Ferien zurück und alle freuten sich schon darauf wieder in die Schule zu gehen.

Dann passierte am Ostersonntag womit wohl keiner gerechnet hätte. 8 Terroranschläge wurden ausgeübt, drei davon auf Kirchen in denen zu dieser Zeit gerade die Ostermesse stattfand, drei davon auf Hotels, einen auf ein Gasthaus und einen in einem Vorort von Colombo. Von diesem Sonntag könnte ich nicht behaupten, dass die Zeit wie im Flug vorbei ging. Ganz im Gegenteil, die Ungewissheit zog die Stunden unendlich in die Länge. Vor dem Fernseher verfolgten wir den ganzen Tag die Nachrichten und waren geschockt. Die Regierung hat kurz nach den ersten Anschlägen alle sozialen Netzwerke stillgelegt, damit keine falschen Nachrichten verbreitet werden. Die Geschehnisse haben sich natürlich auch in Deutschland rasant verbreitet und schon wenige Stunden später berichteten alle Nachrichtensender was hier in Sri Lanka passiert ist. Da wurde mir das Ausmaß erst so richtig bewusst. Die Regierung verhängte außerdem eine Ausgangssperre und einen Tag später wurde der Notstand ausgerufen. Wenn ich jetzt darüber nachdenke, klingt es wie ein schlechter Film, doch leider war es die Realität. Aus Sicherheitsgründen gingen die Mädchen nicht in die Schule und so saßen wir alle zusammen hier im Angels Home, abgeschottet von der Außenwelt. Hätte man nicht gewusst was passiert ist, hätte man denken können es wäre eine Woche wie jede andere gewesen. Denn sonderlich viel bekommen wir hier im Angels Home nicht von den Problemen der Außenwelt mit.

Immer für einen Spaß zu habenSeit etwa zwei Wochen bin ich nun auch die einzige Praktikantin, denn Theresas Praktikum ging zu Ende und sie machte sich auf um Sri Lanka zu erkunden. Als sie noch hier war konnte ich mir garnicht vorstellen wie es wohl wird, alleine zu sein. Ich muss jedoch sagen, dass es überhaupt nicht so schlimm ist wie ich dachte. Ganz im Gegenteil tut es gut auch mal alleine zu sein. Ich erlebe die vielen schönen Momente mit den Mädchen noch intensiver und bin froh diese Erfahrung machen zu können. Es gibt jedoch auch Momente in denen ich mich gerne mit jemandem austauschen würden und es ist natürlich immer schön Erinnerungen mit jemandem zu teilen. Dies ist bald wieder Möglich, denn eine neue Praktikantin wird ins Angels Home kommen. 

Meine verbleibende Zeit mit den Mädchen werde ich jetzt noch in vollen Zügen genießen! Denn wertvoller als Zeit an sich ist mit wem wir sie verbringen.

Bis bald,

Lena

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