Na, sag schon, wie war deine Zeit?


Als das erste Mal neulich die Frage kam, wie denn mein Praktikum gewesen sei, bin ich ziemlich ins Stolpern gekommen. Da fing es dann so richtig an in meinem Kopf zu rattern, ich habe ganz vorne angefangen.

Wie könnte ich am besten das Gefühl beschreiben, welches ich am Flughafen in Frankfurt hatte, damit mein Herzschlag deutlich wird, der sicher lauter war, als all die Flugzeuge auf dem Gelände.

Ich könnte erzählen, dass die Tränen liefen und meine beiden Sitznachbarn nicht die fröhlichste Version meiner selbst kennengelernt haben und wahrscheinlich sehr froh waren, als ich endlich eingeschlafen bin. Und doch hätte ich nichts von meinem Abschied erzählt.

Am Anfang konnte ich die Gesichter des wilden Haufens so gar nicht auseinander haltenWie kann man die ersten Eindrücke beschreiben, als die Kinder mir alle fremd waren und eindeutig zu quirlig, die Tage zu lang und die Nächte an jedem Morgen zu kurz. Man müsste auch von dem kleinen Strudel erzählen, in den man hineingerissen wird und in dem die Zeit verfliegt als wären es Sekunden. Und taucht man einmal auf, kennt man plötzlich alle Namen und ist IMMER quasi mitten in der Nacht wach, weil dann beginnt nun mal der Tag.

Ich müsste das Gefühl beschreiben, was mich überkam, als ich das erste Mal gemerkt habe, dass diese Mädchen mich verändern und ich jedes Einzelne in mein Herz geschlossen habe. Ich könnte versuchen   von den kleinen Geschichten zu erzählen, zum Beispiel wie wir uns vor Lachen nicht halten konnten, weil Vishmi mit Pantie auf dem Kopf und Rucksack auf dem Rücken zum Waschplatz gewatschelt ist. Wie ich das erste Mal Omalmi getröstet habe und seitdem unzählige Tränen trocknete und mir dabei immer noch jedes Mal das Herz weh tut. Ich müsste noch unzählige Momente aufzählen, die so bunt und präsent sind in meinem Kopf und doch hätte ich nicht erklärt, wie in so kurzer Zeit so viele kleine Knirpse ihren Weg in mein Herz finden konnten.

Wie könnte ich aber auch im gleichen Atemzug von der Wut erzählen, die man manchmal hat, weil mal wieder jemand nicht hören kann, oder hören will. Würde es reichen, von der Play Time zu berichten, in der ich mit Tilini und Aruni am Tisch saß und einfach nur wild entschlossen geguckt habe, dass sie sitzen bleiben und ihre "Strafe" absitzen. An diesem Tisch hat niemand mehr geblinzelt es war ein Duell Kind gegen Praktikantin, wie es im Buche steht. Würde man verstehen, dass schon alles am nächsten Tag vergessen war, als Aruni sich den Finger eingequetscht hat und ich sie im Arm getröstet habe.

Aruni kann man nun mal nicht lange böse seinIch dürfte aber auch nicht das "andere" Leben vergessen. Wie ich Lisa, Laura und Alina kennengelernt habe und jeden einzelnen Tag mit ihnen verbracht habe. Wie ich erst Lisa und dann auch Laura zum Abschied gewunken habe und nun bald alle wieder in Deutschland verstreut sein werden.

Wie unrealistisch es auf einmal war, das Heim wieder zu verlassen, hatte ich einige Monate zuvor noch keinen blassen Schimmer, wie es hier sein könnte. Ein komisches Gefühl, die Tage nicht mehr oben auf dem Sofa bei Skibob Runden zu beenden und gemeinsam in den Tag zu starten. Nicht mehr immer die gleichen Lieder lauthals mit zu performen auf unserer Terrasse, als könnten wir wirklich singen.

Nicht mehr die Themen der großen weiten Welt an Harrys Tisch im Briddens Place zu diskutieren. Ich könnte nicht davon erzählen, ohne auch die Angst zu beschreiben, die uns überkam, wenn wir abends wieder ins Haus wollten und Lady und Luna gegenüberstanden und Sodi uns retten musste.

Auch die Englisch Stunden zählen zu den so kostbaren MomentenDas alles müsste ich erzählen und noch viel mehr. Doch ich weiß, dass die meisten einfach nur eine Gut oder Schlecht Antwort wollen und die Frage nur aus Höflichkeit gestellt wurde.

Und trotzdem kann ich dieser Höflichkeit nicht gerecht werden und meine Erlebnisse in diese kleine so gar nicht passende Form quetschen, war diese Zeit doch so viel mehr als nur gut, oder nur schlecht.

Ich werde all die Erfahrungen, die ich gemacht habe und all die Dinge, die ich lernen durfte nie vergessen und abschließend kann ich nur sagen: Manche Dinge sind nicht dafür geschaffen bewertet zu werden, sie stehen ohne Zweifel einfach für sich fernab von gut und schlecht! Und wem das nicht ausreicht, der muss wohl herkommen und sich selbst ein Bild machen.