So wenige Tage und trotzdem so viele Eindrücke


Mit der Frühschicht ist heute Morgen der Tag im Angels Home for Children für mich angebrochen. Gemeinsam mit Hanna habe ich mich um fünf Uhr morgens zu den Mädchen in die Schlafräume begeben und zusammen haben wir sie geweckt. 

Für Hanna ist die ganze Morgenprozedur mittlerweile zur Gewohnheit geworden. Ich war hingegen erstmal überrascht, als ich erfahren habe, dass die Mädchen jeden Morgen mit Morgensport beginnen.

Wenn der Tag beginnt

Während der Himmel noch vom schwachen Licht des Mondes beleuchtet und mit Sternen bedeckt ist, laufen die Mädchen ihre Runden auf dem Hof, um sich aufzuwärmen.
Anschließend wird gefrühstückt und gebetet, bis es dann letztendlich zur Schule gehen.
Obwohl ich hier im Angels Home erst wenige Tage verbracht habe, fühlt es sich an als wäre ich schon länger hier.

Vor kurzem bin ich endlich in Sri Lanka angekommen.
Nachdem ich nach langem Warten endlich bei der Passkontrolle durchgekommen bin und meinen Rucksack abgeholt habe, wurde ich herzlich von meiner Mitpraktikantin Hanna und zwei älteren Mädchen aus dem Angels Home for Children- Disna und Pabodani- abgeholt. Die Hitze hat sich schon in den ersten Momenten meiner Ankunft bemerkbar gemacht, sodass ich ziemlich froh war, als Hanna mir eine Flasche Wasser entgegenstreckte, die ich auch dankbar entgegennahm.

Bereits beim ersten Kennenlernen am Flughafen haben die Mädchen mir wirklich ein angenehmes Willkommensgefühl gegeben. Und als wir dann schließlich im Angels Home in Marawila angekommen sind- nach einer längeren Autofahrt, begleitet von verschiedensten, durchs Fenster hereinströmenden Gerüchen, der Geräuschkulisse des Autoverkehrs und traditioneller Musik- habe ich Valentina, Jana und Frank kennengelernt.

Alle Praktikantinnen haben dann Reis und Curry- natürlich mit dem Händen- zu Mittag gegessen, wobei sie mir Unterschiedlichstes über das Angels Home for Children, die Mädchen, aber auch sich selbst und ihre Zeit hier vor Ort erzählt haben. Direkt zu Beginn ist mir dabei aufgefallen, was für ein eingespieltes und harmonisches Team die drei mittlerweile geworden sind.

Da kann man bei Insiderwitzen noch nicht so ganz mitlachen, Wörter wie "schnabullieren" muss man erstmal verstehen lernen, sowie Teil des routinierten Tagesablaufs werden- kurz gesagt spürt man doch deutlich, dass man erstmal "die Neue" ist. Andererseits bin ich ja noch nicht allzu lange hier und sowohl meine Mitpraktikantinnen, als auch die Mädchen hier im Angels Home haben mich sehr herzlich aufgenommen. Auch wenn es schwer vorstellbar ist, aber Jana, Hanna und Valentina sind vor gewisser Zeit ja auch noch als Neulinge angekommen, haben sich aber seither eingelebt und kennen mittlerweile auch alle Mädchen beim Namen. Es besteht also die Hoffnung, dass mir das auch noch gelingt ?

Na DuBereits in den ersten Tagen ist mir aufgefallen, wie offen die Mädchen im Angels Home hier auf einen reagieren- einige kannten sogar schon meinen Namen, sind direkt auf mich zugegangen und eigentlich alle treten einem mit ihrem Lächeln gegenüber, sodass man gar nicht anders kann als dieses mit Freude zu erwidern.

Natürlich ist mir trotzdem bewusst, dass ich auch für die Mädchen im Moment noch der Neuankömmling bin. Zum einen begegnen sie mir mit Neugier, andere noch mit etwas Scheu.
Doch gerade gestern beim Schwimmen, habe ich mich einigen schon besonders Nahe gefühlt.

Nachmittags durfte nämlich eine Gruppe mit zum Schwimmen und ich hatte das Glück, auch mit dabei sein zu dürfen. Gemeinsam sind wir dann ins Wasser gehüpft und haben einige Zeit beim Schwimmen verbracht. Dabei hat sich die kleine Omalmi an mich gehängt und gemeinsam haben wir einige Runden im Pool gedreht. Ich war so glücklich in dem Moment als ich die Mädchen so um mich herum gesehen habe.

Omalmi neben mir, die Haare ganz durcheinander vom Wasser, ein breites Lächeln auf dem Gesicht und die kleinen, in Schwimmflügel gepackten Ärmchen, die wild auf dem Wasser herumgeplätschert sind und unsere beiden Gesichter voll mit Wasser bespritzt haben. 

Ab in den PoolUdenika, wie sie uns stolz zeigt, dass auch sie es sich traut unter Wasser zu tauchen und Padmini, die sich zwar vor dem Tauchen drückt und ganz scheu ihre eigene Schwimmtechnik ausprobiert, jedoch ohne dabei den neugierigen Überblick über alles zu verlieren.
Und Chethana, die älteste der Mädchen, wie sie selbstbewusst ihre Runden im Wasser dreht und gleichzeitig beim Rückenschwimmen verzweifelt, ohne dabei den Spaß daran zu verlieren.
Diese Momente im Wasser waren von so einer Leichtigkeit erfüllt und ich hatte das Gefühl am genau richtigen Ort dieser Welt zu sein.

Unser BlumenkindGerade bin ich noch in der Phase der Eingewöhnung, die mir hier im Angels Home aber von allen Seiten erleichtert wird, sodass ich mich jetzt schon sehr wohl fühle im Umfeld der Mädchen. Die nächsten Wochen werde ich noch mit einigen Aufgaben vertraut werden müssen und im Moment versuche ich noch alle neuen Eindrücke aufzunehmen:

Der am Himmel aufragende und orange leuchtende Mond am ersten Abend meiner Ankunft, die morgendliche Stille, welche durch schrille Pfauenrufe durchbrochen wird, die erstmal überwältigende Wärme, das Panorama von Kokosnussbäumen, welches das Angels Home umgibt.
Gestern Morgen wurde ich von dem Anblick eines Kokosnusspflückers überrascht, der mit solch einer Leichtigkeit den Baum hochgeklettert ist, dass ich dann doch zunächst etwas perplex dasaß.

Schon mal davon gehört zu haben, ist dann doch etwas anderes als es tatsächlich vor Augen zu haben.
Und auch die Stille an diesem Morgen als die Mädchen zur Schule aufgebrochen sind, verglichen mit ihrer Ankunft am ersten Tag, wenn sie das Haus wieder mit Leben füllen- hier im Angels Home sind dies bereits gewöhnliche Teile des Tagesablaufs, für mich dann aber doch noch ein ganz besonderer Start in den Tag.

Liebe Grüße aus dem Angels Home,

Tara.