Vier Fragen die man sich einmal im Leben stellen sollte


Kant ist nicht umsonst einer der bekanntesten Philosophen der Welt, der mit ausschlaggebend dazu beitrug, dass eine Wende in der Philosophiegeschichte vollzogen werden konnte. Im Zeitalter der Aufklärung stellte sich Kant vier Fragen.

Die Auseinandersetzung mit diesen kann meiner Meinung nach nützlich für jeden sein. „Was kann ich wissen?“, „Was soll ich tun?“ „Was darf ich hoffen?“ und „Was ist der Mensch?“ 

Titelbild Auch wir stellen uns tagtäglich Fragen

Was kann ich wissen?

Also was kann ich wirklich sicher wissen? Diese Frage habe ich für mich ganz schnell beantwortet und die Antwort lautet ganz einfach Nichts. Jedenfalls aus der sozialwissenschaftlichen Perspektive betrachtet, denn natürlich können wir uns durch die Naturwissenschaften einige Dinge erklären.

Viele unglaubliche Dinge wurden schon erforschtDoch arbeitet man mit Menschen, ist dieses Nichtwissen sogar sehr nützlich. Ich kann überlegen, Abwegen und mir Meinungen bilden. Ich kann Vorschläge machen und beraten. Das Wort beraten gefällt mir, betrachtet man es näher, richtig gut. Ich kann, wenn es um Menschen geht nur raten was für sie das Beste ist oder wie man ihnen helfen kann und das ist auch gut so. Beratung wird meiner Meinung nach häufig missverstanden. Ein Experte berät den hilflosen Menschen in einer bestimmten Lebenslage. Diese Ansicht halte ich für den ganz falschen Ansatz. Der Mensch selbst ist immer Experte seiner eigenen Lebenswelt und auf irgendeine Weise macht das Verhalten, dass dieser zeigt für ihn im eigenen Kontext Sinn. Diese Haltung, kann hier im Alltag sehr nützlich sein. Einige Mädchen verhalten sich manchmal auf eine Weise die nicht der vorgegebenen Norm entspricht. Die nicht dem entspricht, was wir selbst als normal bewerten. Zunächst sollte aber für Verhalten jeglicher Art erst mal Verständnis da sein. Man muss nicht verstehen wieso ein Mensch sich auf eine bestimmte Weise verhält. Man sollte aber verstehen, dass dieses Verhalten in diesem speziellen Moment für die Person Sinn ergibt.

 Neue Erkenntnisse Was soll ich tun

Diese Frage ist auf unser menschliches Handeln bezogen. Auf das, was wir alltäglich tun, aber auch auf das was wir nicht tun. Nach Kant ist die Vernunft in diesem Zusammenhang sehr wichtig: „Allein die Vernunft soll die prüfende Instanz sein, andere Möglichkeiten oder Garantien bleiben nicht.“ Vernünftig handeln wir nach Kant, wenn ein Ausgleich zwischen eigenem Interesse und dem Interesse aller gegeben ist. Doch nun wissen wir alle, dass diese Vorstellung utopisch ist. Ich stelle mir die Frage, ob das überhaupt wirklich nötig ist. Müssen wir Menschen wirklich in jeder Situation Abwegen, ob unser Handeln nun auch gut für alle ist? Viel mehr können wir das überhaupt? Und wenn wir das könnten, macht uns das glücklich? Meiner Meinung nach ist es vernünftig, auch mal unvernünftig zu sein. Nicht in dem Sinne anderen damit zu schaden, eher im Sinne nicht zu viel nachzudenken und einfach mal zu machen. Es ist schön sich viele Fragen zu stellen und Gedanken zu machen. Trotzdem sollte man dadurch nicht die Leichtigkeit verlieren und vor allen Dingen das Handeln nicht vergessen. Große Reden schwingen können viele, aber dann wirklich danach zu handeln ist gar nicht so einfach. „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“ Der kategorische Imperativ nach Kant. Das Problem dabei ist, dass hier stark verallgemeinert wird und die Bewertung, ob eine Handlung als Maxime gelten kann, ist schwierig. Wer soll diese treffen? Geben wir damit nicht wieder die Verantwortung ab? Sollte nicht jede Handlung an sich im gegebenen Fall neu bewertet werden. Dinge die beispielsweise in Deutschland undenkbar wären sind hier gut und dienen zur Erfüllung eines guten Zweckes. Wie soll also ein allgemeingültiges Handlungsmuster vorgegeben werden können? Stelle ich mir diese Fragen, kommt mir ein Lied, das Hanna uns mal abends gezeigt hat in den Sinn: Großvater von STS. Hierbei gefiel mir folgender Abschnitt am besten und ich finde, er beinhaltet einiges, das wir tun sollten.

„Und durch die Art wie du dein Leben gelebt hast, habe ich eine Ahnung davon bekommen wie man es vielleicht schafft. Dein Grundsatz war, zu erst überlegen, eine Meinung haben, dahinterstehen. Niemals Gewalt, alles bereden, aber auch keine Angst vor irgendwem.“ Das Lied stammt aus dem Album grenzenlos und so sollten wir auch handeln. Ohne Grenzen, denn wir haben die Möglichkeiten dazu. Wir sollten nicht eingrenzen und auch nicht ausgrenzen. Die unüberwindbaren Grenzen sind meist die, die wir uns selber setzen. Trotzdem finde ich, dass man Angst haben darf, und dass Angst einen auch weiterbringen kann. Angst bedeutet oft, dass eine Herausforderung zu meistern ist oder einem etwas Unbekanntes bevorsteht. Und was ist besser als das Entdecken neuer Welten und vor allem das Entdecken eigener neuer Erkenntnisse?

Was darf ich hoffen

Hoffnung gibt Halt. Hoffnung impliziert zu Träumen, zu Glauben. Vor allem zu Glauben. Aber an was? Nach Kant ist Voraussetzung für moralisches Verhalten der Glaube an die Existenz Gottes, die unsterbliche Seele und den freien Willen. Nach Diskussionen am Abend die ich mit Hanna führte, waren wir uns einig, dass wir dem widersprechen. An den freien Willen zu glauben ist sicherlich eine gute Grundlage für moralisches Handeln. Doch muss man dazu an die Existenz Gottes und die unsterbliche Seele glauben? Nicht zwingend. Der Großvater in oben genanntem Lied, wird von seinem Enkel bewundert. Für seine Haltung, sein Verhalten und seine weisen Ratschläge. Ob er aus christlicher Überzeugung so sein Leben geführt hat oder nicht ist unwichtig. Ich denke diese Person, konnte ein großartiger Großvater sein, seinetwegen, weil er es aus freiem Willen wollte, weil er seine Enkel unabhängig von jeder christlichen Norm geliebt hat. Er hat möglicherweise an Gott geglaubt, aber woran er auf jeden Fall und viel wichtiger geglaubt hat, waren Hoffnungen, Träume und die Funktion ein Vorbild zu sein. Das alles braucht nicht den Glauben an die eine Religion. Sondern den Glauben daran, dass das Anerkennen von Vielfalt moralisches Verhalten begünstigen kann. Den Glauben, dass alles im Kleinen beginnt und große Kreise ziehen kann. Natürlich sehr naiv, utopisch und kitschig diese Vorstellung vom Menschen. Aber ich finde, wenn man ganz genau hinsieht und aufmerksam durchs Leben geht, erlebt man viele Menschen, die diesen Glaube in sich tragen. Einiger solcher Menschen durfte ich in meiner Zeit hier kennen lernen.

 Auch hier beginnt das LernenUnd um mit der letzten Frage „Was ist der Mensch?“ abzuschließen. Das alles ist der Mensch. Der Mensch wird beeinflusst von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Nicht nur der eigenen auch durch Erfahrungen anderer. So kann es unglaublich bereichernd sein, sich mit den unterschiedlichsten Menschen zu umgeben und diesen zuzuhören. Ihren Geschichten, ihren Träumen, ihren Ängsten und Hoffnungen. So erfahren wir im Austausch mit anderen auch unglaublich viel über uns selbst. So heißt es abschließend in dem Lied: „Du warst kein Übermensch, hast auch nie so getan. Gerade deswegen war da irgendeine Kraft. Und durch die Art, wie du dein Leben gelebt hast, habe ich eine Ahnung davon bekommen, wie man es vielleicht schafft.“

Liebe Grüße

Valentina