Nächtliche Gedanken


Vishmika und Eva beim MalenWas macht man, wenn man abends im Bett liegt und nicht einschlafen kann? Richtig, man denkt nach – über Gott und die Welt und alles, was einen in den letzten Tagen und Wochen bewegt hat. So ging es mir letzte Woche. Normalerweise habe ich hier einen ausgezeichneten Schlaf, der zwar morgens bald zu Ende ist, mir aber dennoch die nötige Erholung schenkt, um den anstehenden Tag mit den Kids gut zu meistern. Wenn die anderen Praktikantinnen sich über Geräusche aus der Umgebung beschweren, die sie vom Schlafen abgehalten haben, kann ich meist nur schmunzeln: Ich habe mal wieder nichts mitbekommen, sondern tief und fest geschlummert. An diesem einen Abend letzte Woche war es aber genau umgekehrt: Julia und Kathi haben geschlafen und ich war diejenige, die wach lag und Zeit hatte, sich Gedanken zu den letzten Wochen zu machen.

Seit 6 Wochen bin ich nun schon ein Teil der Familie im Angels Home. Wie schnell doch die Zeit vergeht! Mir kommt es vor, als hätte ich mich gerade erst von meinen Eltern und meinen Freunden verabschiedet, die mich mit gemischten Gefühlen auf die Reise geschickt haben. Auch auf mich traf diese Gefühlslage damals zu: Was wird wohl auf mich zukommen? Kann ich alle Aufgaben meistern? Wie scharf ist das Essen wirklich?...

Das Gewürz Päckchen für die FamilieEinen Teil all der Fragen, die mich zu Beginn meiner Reise begleitet haben, konnte ich mir selbst in dieser Nacht beantworten. Mit der Einfachsten möchte ich wohl beginnen: Die Schärfe im Essen ist auf jeden Fall auszuhalten – man gewöhnt sich mit der Zeit immer besser daran. Mehr noch, ich empfinde eine leichte Schärfe heute sogar als wirklich angenehm. Nachdem meine Portionen am Anfang doch noch sehr überschaulich waren, sind sie mittlerweile zu beträchtlicher Größe herangewachsen. Und natürlich habe ich auch schon fleißig Gewürze eingekauft, um meine Lieben mit Köstlichkeiten, die ich hier kennenlernen durfte, zu verwöhnen, wenn ich wieder zuhause bin. ????

Mit Bodika beim SpielenDer Spruch „Aller Anfang ist schwer“ kennen wohl viele. Auch auf mich hat er teilweise zugetroffen: Am Anfang machten mir die heißen Temperaturen doch noch sehr zu schaffen. Dann das Lernen aller Namen, die für mich gänzlich unbekannt klangen. Bilder zu sehen, auf denen meine Freunde tolle Ausflüge unternahmen – ohne mich, weil uns schließlich 9755km trennten.Der ein oder andere Tag mit gemischten Gefühlen war anfangs sicherlich noch mit dabei. Allerdings kann ich heute sagen, dass sich diese Tage beinahe komplett in Luft aufgelöst haben. Logisch – wenn ich mit den Mädels auf der Schaukel sitze und wir uns vor Lachen fast kringeln – wie sollen sich da auch wehmütige Gedanken einschleichen? Mit ihrer herzlichen und liebenswürdigen Art haben es die Kinder innerhalb kürzester Zeit geschafft, mein Herz zu erobern und ich bin unendlich froh, die Entscheidung, ein 10-wöchiges Praktikum im Angels Home in Marawila abzuleisten, getroffen zu haben! Und dank der mittlerweile angekommenen Regenzeit sind auch die Temperaturen ein wenig gesunken – was meinen Leistungen beim täglichen Ballspiel eindeutig zu Gute kommt!

Ich bin sicher, dass mich mein Alltag in Deutschland sicherlich schneller wieder einholen wird, als mir überhaupt lieb ist. Deswegen versuche ich heute und in den letzten verbleibenden Wochen hier im Angels Home, jede Sekunde mit den Kindern so gut zu genießen wie nur möglich!

Viele Grüße aus dem Angels Home,

Eva