Reis, Reis, Reis!


Reis, Reis, Reis!„Igitt, drei Mal am Tag Reis und das schon am frühen Morgen?!“

Ja, das war meine Reaktion, als ich in Deutschland im gemütlichen Bettchen saß und auf der Homepage des Angels Home stöberte.

Ich habe die Seite durchgeforstet und war total euphorisch, mich auf dieses Praktikum zu bewerben… bis ich die Sache mit dem Reis las! Hier in Deutschland esse ich ihn so gut wie nie - wenn es sich umgehen lässt. Ich dachte mir also nur: Wenn ich den Praktikumsplatz bekommen werde, dann kann das ja noch heiter werden. Dass ich in meiner Bewerbung bei „ich möchte an meine Grenzen stoßen“ hauptsächlich an den warmen Reis zum Frühstück dachte und mir bei dem Gedanken schon schlecht wurde, habe ich natürlich für mich behalten.

Meine Freunde meinten natürlich, dass es in anderen Ländern einfach immer viel besser schmeckt und „die das auf jeden Fall besser können“. Nun ja, was soll´s, der Notfallplan war einfach der Supermarkt.

Wie ihr gerade lest, ich habe den Praktikumsplatz bekommen und bin inzwischen schon seit drei Wochen hier. Und das Wichtigste: noch nicht geflohen, weder wegen des Essens, noch wegen der Kinder. ;)

Ich muss zugeben, anfangs sahen meine Teller noch etwas zaghaft bestückt aus. Mittlerweile renne ich mit einem vollen und schweren Teller aus der Küche zu meinem Sitzplätzchen und kann  kaum erwarten, wegzumümmeln, was sich darauf befindet. So sieht eine typische Mittagsportion aus

Statt Marmeladenbrötchen zum Frühstück in der Klinik gibt es nun also Reis mit Dahl oder Ähnlichem. Statt standardmäßig Nudeln „to go“ in der Großstadt zu kaufen bevor man zum nächsten Termin hetzt esse ich nun Reis mit Chicken. Und zum Abendbrot gibt es statt Brot nun Reis mit Soyabällchen (jammi!) oder Kokosnuss-Sambal.Ein typisches Frühstück im Angels Home

Aber ich möchte ja nun nicht übertreiben. Auf unserem Essenplan stehen ebenso Suppe, Nudeln, Pancakes und Brot (Pancakes und Brot sind bei Eva, Julia und mir am gefragtesten ;)).

Spannend ist, dass wir morgens in der Küche bei den Vorbereitungen für das Mittagessen helfen - meist sind wir am Schnippeln oder Grünzeug rupfen - und ich finde es immer wieder faszinierend, dass unsere Nadisha für so eine Riesentruppe kochen kann. Da kommt eine Menge zusammen. Es sind immerhin schon allein 50 Kinder, dann kommen noch Mitarbeiter und wir Praktikantinnen dazu. Natürlich ist es auch immer schön, wenn man mal ein Rezept ergattern kann, in der Hoffnung, in Deutschland Lust zu haben, dieses nach zu kochen. Zuhause habe ich bereits Probleme, mich für ein 1-Personen-Gericht aufzuraffen, auch wenn das nur bedeutet, irgendwo eine Maggi Tüte einzurühren.Das ist der Vorratsbehälter für Reis für eine Woche!

Natürlich habe ich hier nicht nur meine Essgewohnheiten eingetauscht, sondern auch meinen kompletten Tagesablauf. Es gibt vorerst keine 1-Zimmerwohnung mehr und keinen „richtigen“ Feierabend zu einer bestimmten Uhrzeit. Keine Ruhe, wenn man einfach die Tür hinter sich schließt und kein typisches Hamburger Schietwetter.

Stattdessen wird man belohnt mit Kinderlachen, kleinen Energiebündeln die um einen herumlaufen und sich an einen hängen damit man sie nochmal im Kreis durch die Luft wirbelt.

Man wird konfrontiert mit Tränen, die über die Wangen kullern und Konflikten, die es zu lösen gilt.

Es gibt Sprachbarrieren, wo man am besten mal seine Hände und Füße benutzt oder auch mal Dinge in den Sand malt.

Kreideschlacht mit den MädchenAll das, all diese kleinen Dinge, die in einem (für mich großen) Kinderheim auf mich zukommen sind spannend, aufregend und absolut lohnenswert. Und das kann ich, auch wenn ich immer noch in meiner Ankunftsphase bin, definitiv sagen. Am Ende werde wohl ich diejenige sein, die von den Kindern so viel für den weiteren Lebensweg mitgegeben bekommen hat.

Nachdenkliche Grüße aus dem Angels Home,

eure Katharina.