Die Zeit rennt!


Die Zeit rennt 3Die Zeit rennt! Mir kommt es vor, als ob ich erst ein paar Tage, vielleicht zwei Wochen, im Angels Home bin. Dabei ist meine Zeit hier schon vorbei. Die ersten drei Wochen sind langsam vergangen und wo die restlichen 5 Wochen hin sind, kann ich gar nicht genau sagen.

Man braucht seine Zeit, um seine eigene Routine zu finden, eine Beziehung zu den Mädchen aufzubauen, herauszufinden welches Mädchen verantwortungsbewusst ist, bei welchem man das Cupboard vielleicht etwas genauer auf Sauberkeit checken muss. Wenn man seine Routine hat, dann lernt man, dass egal wie gut man etwas geplant hat – bei 50 kleinen Mädchen klappt es nie. Und wenn man sich auch daran gewöhnt hat, dann lernt man erst so richtig zu schätzen, wie oft die Kleinen einen zum Lachen bringen. Mit ihrer unverwechselbaren Art! Man lernt, das es im ganz groben keine Unterschiede gibt, zwischen Kindern in Deutschland oder in Sri Lanka, Kindern im Kinderheim oder in einer Familie.

Alle wollen lieb gehabt werden. Möchten manchmal knuddeln und krabbeln einem einfach auf den Schoß. Man erinnert sich lächelnd an den abendlichen ins Bett-geh-Kampf mit den Kleinen, die nach egal wie vielen gute Nacht Geschichten wieder aufstehen – weil es doch so interessant ist, was die älteren Mädchen unten noch machen. Und daran, wie die älteren Mädchen sich manchmal zu den Gute Nacht Geschichten dazu setzen, einfach nur weil es schön ist nochmal gemeinsam etwas zu lesen.

Die Zeit renntMan lernt, dass einige Mädchen nur bockig sind und ihre Aufgaben nicht erledigen, um Aufmerksamkeit zu bekommen und das Andere sich immer wieder sehr kreativ neue Tricks ausdenken, um sich um ihre Aufgaben zu drücken.

Man lernt auch, dass man als Praktikantin für die Kinder austauschbar ist. Wir alle sind eher wie eine große ganze Person. Und trotzdem lassen sich alle Kinder auf jede von uns wieder individuell ein. Jede Einzelne von uns ist sozusagen ein Facette der Persönlichkeit im großen und ganzen. Mit dem Anziehen der Uniform werden wir für die Kinder zur Vertrauensperson.

Man lernt, das in einem Team mit anderen Kulturen zu arbeiten nicht immer einfach ist. Weil die direkte Kommunikation über Kulturen hinweg nicht immer funktioniert. Und das bei 50 Kindern eine ordentliche Portion Spontanität und vor allem Flexibilität von Vorteil sind.

Die Zeit rennt Ich habe hier eine ganze Menge gelernt! Es war bestimmt nicht immer einfach und es gab mehr als einen Tag an dem ich todmüde ins Bett gegangen bin. Aber ich hatte an wirklich jedem Tag mehr als ein schönes Erlebnis mit den Mädchen. Sie haben mich mehr als einmal zum schmunzeln gebracht und auch mehr als einmal ihre und meine Grenzen getestet. Es gibt Sätze die ich bestimmt hundertmal gesagt habe in diesen 2 Monaten und ich bin mir fast sicher, dass ich es demnächst vermissen werde, morgens eine Krawatte zu suchen, die eigentlich seit gestern schon im Cupboard liegen sollte oder Mittags jemanden beim Waschen zu ermahnen noch Wasser für die Anderen übrig zu lassen. Mir bei der Garden-Work ausreden anzuhören, warum man gerade nichts tuen kann und sobald es 17 Uhr wird mit dem Schlachtruf „Barbies!!!“ bestürmt zu werden! Das wohl Wichtigiste, das ich gelernt habe ist, dass es am Ende die kleinen Momente sind, die von denen man kein Foto macht – die für mich etwas ganz besonderes sind.

Ich bin wirklich dankbar für die 2 Monate Zeit, die ich mit den Engeln teilen durfte. Die Mädels sind alle toll, jede Einzelne von ihnen und ich habe mit Sicherheit genauso viel, wenn nicht sogar mehr von ihnen gelernt, wie sie von mir. 

Eure Alice

 

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