Gesundheitssystem in Sri Lanka


Das Base Hospital in MarawilaPositiv sehr überrascht hat mich in den letzten Wochen, was ich über das Gesundheitssystem in Sri Lanka erfahren habe. Zusammen mit einer der Erzieherinnen (Judith),habe ich zwei der Mädchen ins hiesige Krankenhaus begleitet.

Vor Ort hat Judith mir erklärt, dass die Gesundheitsversorgung im Land vom Staat gestellt wird und für Jedermann umsonst ist. Die Verteilung der staatlichen Einrichtungen sei ganz gut, sodass ein flächendeckendes staatliches Gesundheitssystem existiert – auch wenn eine bessere Versorgung in städtischen Regionen und  Privatkliniken geleistet wird, als in ländlichen Teilen des Landes.

Die zugrundeliegende Struktur wurde damals von den Briten geschaffen und weiterentwickelt, sodass das Gesundheitssystem Sri Lankas heute, als eines der Vorzeigesysteme von Schwellenländern gilt. Soviel an eher offiziellen Informationen.  Die Frage ist ja immer, wie funktioniert das Ganze in der Realität?

Mein Haupteindruck ist, dass man vor allem viel wartet. Es werden keine Termine verteilt und jeder der kommt, meldet sich bei dem Arzt zu dem er möchte und zieht eine Nummer (das System ist ungefähr so wie das in der Zulassungsstelle in Deutschland, nur ohne Automat). Das kann dann– wie in unserem Fall – zu 2-3 Stunden Wartezeit führen, je nachdem wie früh und vor allem wie viele andere Patienten schon da sind.

Der Wartebereich an sich, wie auch der Rest des Krankenhauses, ist eher schlicht und funktionell. Es erinnert ein bisschen an den Wartebereich im Bahnhof. Immerhin gibt es Sitzmöglichkeiten und in einem anderen Teil des Krankenhauses auch einekleine Cafetaria– mit extra Plätzen für selbst mitgebrachtes Essen. Da Einheimische die Wartezeiten schon kennen, bringen sie ihr Reis-Curry einfach selbst mit. Oft eingepackt in eine Plastikfolie und Zeitungspapier. Auch unsere Mädchen verputzen dort ihr Mittagessen bevor, wir wieder auf unsere Warteplätze zurückkehren.

 Krankenakten im Marawila KrankenhausAls wir dran sind erklärt mir Judith, dass jeder Patient hier 2 DIN A5 „Schul“Hefte hat, in welches der Doktor während der Untersuchung alles einträgt. Sozusagen die Krankenkartei und das Rezeptbuch in einem. Alles was diagnostiziert und verschrieben wird, ist am Ende feinsäuberlich in doppelter Ausführung eingetragen. Eines der 2 Büchlein darf der Patient am Ende mitnehmen und kann sich damit bei der Apotheke umsonst die Medikamente abholen.

Das 2. Heft bleibt im Krankenhaus und wird verstaut. Wir sind am Lager vorbeigelaufen- und ich muss sagen Respekt wer da ein Heft gezielt wieder findet! Da haben unsere Ärzte in Deutschland mit digitalen Krankenakten doch einen großen Vorteil.

Die Krankenhausapotheke ist im Wartebereich und sieht ein bisschen aus wie der Ticketschalter bei der Bahn – mit Bedienungsfenster und Anstellreihen ????. Nachdem man seine Medikamente abgeholt hat, kann man sich auf den Heimweg machen. Besonders positiv ist mir dabei aufgefallen, dass die Apotheke alle Medikamente vorrätig zu haben schien. Sie hat aber wohl nicht immer gleiche Öffnungszeiten wie das Krankenhaus, sodass einige Leute am nächsten Tag für die Medikamente wieder kommen müssen.

Unser Krankenhausbesuch war nach fast 3 Stunden vorbei. Die Mädchen wurden behandelt und sind hoffentlich bald wieder richtig fit. Für mich war es interessant zu sehen, wie alles strukturiert und organisiert ist. Dass das System so gut funktioniert, hätte ich nicht erwartet und so ist mir mein erster Krankenhausbesuch in Sri Lanka durchaus in positiver Erinnerung geblieben.

Liebe Grüße und bis bald,  eure Alice