1824 Stunden


AbschiedUngefähr 1824 Stunden habe ich im „Angels Home forChildren“ verbracht. Das sind fast 2000 Stunden prall gefüllt mit Lachen, Weinen, Ermahnungen, Nachhilfe, Gute-Nacht-Geschichten, Trösten, Volleyball spielen und interessanten Gesprächen mit den Mädchen oder unter den Praktikanten.

Und nun auf einmal – ist meine Zeit hier vorbei. Dabei ist es mittlerweile so selbstverständlich geworden, morgens aufzustehen und die Mädchen zu wecken, zu sehen wie sich die verschlafenen Äuglein öffnen und mich auch von einem mürrischen: „Go away! I wanttosleep“ nicht verscheuchen zu lassen. In den letzten zwei einhalb Monaten habe ich den Tagesablauf über den morgendlichen Tee bis zum Beten am Abend so verinnerlicht, dass es mir fast absurd vorkommt diesen aufzugeben.

AbscheidTrotzdem ist es so weit. Ein Teil von mir hat sich schon Ende letzter Woche auf den Abschied vorbereitet, als die Hälfte der Mädchen über die Ferien nach Hause fuhr. Die Tage zuvor aber war die Aufregung doppelt groß: zum einen wegen des großen Dramas, das aufgeführt werden sollte, zum anderen wegen des Besuchs zu Hause in den Ferien. Leider war es nicht für alle ein freudiger Tag. Die großen Augen, die immer und immer wieder die Zuschauer nach den Eltern absuchen, aber nicht fündig werden, waren für mich schwer zu ertragen. Nicht alle Eltern hielten ihr Versprechen ihre Kinder über die Ferien nach Hause zu holen. Da halfen auch die säuberlich gepackten Taschen nichts. Die Tränen flossen natürlich. Um richtig traurig zu werden, ließen wir den Mädchen aber gar keine Zeit: Für die Ferien waren verschiedene Aktivitäten geplant: Schwimmen, ein Sportfest der Schule, Basteln und Malen und zu Neujahr eine Pool-Party mit Barbecue. Volles Programm also!

AbschiedZur Hälfte der ersten Ferienwoche hat sich Alice schließlich vom „Angels Home“ verabschiedet und sich auf die Reise gemacht. Vier Tage später tue ich es ihr nun gleich. Mit gemischten Gefühlen. Einerseits freue ich mich darauf, endlich etwas zu sehen von dem Land, in dem ich schon so lange bin. Zudem geht die Reise nach den zwei Wochen Sri Lanka für mich weiter nach Thailand, Laos und Vietnam. Auf all die neuen Eindrücke, die mich dort erwarten, bin ich sehr gespannt.

Andererseits weiß ich, dass mir die Mädchen sehr fehlen werden. Sasinis große Augen, wenn sie mich auffordert: „Come, go!“, genauso wie Bodikas schelmisches Grinsen, wenn sie versucht sich vor der Gartenarbeit zu drücken, Pabodanis Lachen oder Nadishas Niesen, das durch das ganze Haus hallt.

Wenn ich an die letzten zwei Monate denke, kommen mir als erstes Sonne (plus Sonnenbrand), Lachen und große, freundliche Kinderaugen in den Kopf. Ich denke, das spricht für eine gute Zeit. Und so kann ich auch im Guten gehen.

Ich bin sehr, sehr dankbar, dass ich die Mädchen eine Zeit lang in ihrem Lebensweg begleiten und so viel von ihnen lernen durfte.

1824 Stunden. Das sind 76 Tage. Ich hätte nicht gedacht, dass sich in so kurzer Zeit so viel fühlen, lernen und erleben lässt. Danke dafür!

Anna