Wenn man auf einmal mehr zurückbekommt, als man geben kann.


KuschelalarmAuch bei mir ist die Zeit schon wieder vorüber und ich sitze um kurz nach sechs Uhr abends in Deutschland am Fenster und warte vergeblich auf den wunderschönen Sonnenuntergang, den ich die letzen zwei Monate so sehr genossen habe.
Obwohl ich mich körperlich nicht mehr in Marawila im Angels Home befinde, bin ich gedanklich noch etliche Male am Tag dort. Jedes Mal wenn ich einen Blick auf die Uhr werfe und die Zeit sehe, denke ich daran was die Mädels jetzt gerade machen und wie spät es bei ihnen ist.
Ich frage mich wie ihre Prüfungen in der Schule laufen, wie es mit den Vorbereitungen für das Drama und die Party wohl aussieht und ob sich die neuen Mädels vollständig eingelebt haben.

Die kleine KeshaniEs wird wohl noch eine ganze Weile dauern, bis ich gedanklich wieder vollständig in Deutschland bin und das ist auch gut so. Da bei mir Anfang April die Uni begonnen hat, hatte ich nach meiner Zeit im Angels Home leider nur noch eine knappe Woche, um mir den Rest von Sri Lanka anzugucken. Dass ich in den paar Tagen natürlich weitaus nicht alles gesehen habe, könnt ihr euch sicherlich denken. Ich war beim Adams Peak, in Hauptale beim Liptons Seat und im Horton Plains National Park in dem sich „Worlds End“ befindet und habe mir am Ende noch Kandy angeguckt und unter anderem den Zahntempel besucht.

Die knappe Woche Reisen habe ich sehr genossen und hatte viel Spaß, auch wenn es teilweise etwas anstrengend war.
Abends war es am Anfang ziemlich ungewohnt, nicht mehr 50 Stimmen durcheinander brabbeln zu hören und es kam mir alles viel zu ruhig und zu einsam vor. Und auch jetzt noch vermisse ich das lebendige Durcheinander in dem man im Angels Home gelebt hat.

Bevor ich nach Sri Lanka gegangen bin, habe ich ehrlich gesagt nicht so viel über die mir bevorstehende Zeit nachgedacht und auch nicht darüber, wie sie mich möglicher Weise verändern könnte. Jetzt wo alles schon wieder vorbei ist und ich zurück in meinem deutschen Alltag bin merke ich, wie viel ich aus den zwei Monaten mitnehmen konnte und wie viel mir die Zeit mit den Mädchen gegeben hat.

Ein froher AbschiedSelbst wenn man für die Mädchen nur eine von unzähligen Praktikantinnen ist und wahrscheinlich nicht so viel in ihrem Leben zum positiven verändern kann wie man das vielleicht möchte, hat man doch das Gefühl, ein Teil der Angels Home Familie gewesen zu sein und es auch in den Herzen noch eine Weile zu bleiben. Obwohl die Mädchen alle aus schwierigen Lebenslagen kommen und man eigentlich dort ist um ihnen etwas zu geben und das Leben schöner zu machen, schaffen sie es mit ihrer unwahrscheinlichen Lebensfreude und ihrer Energie, den Spieß umzudrehen und uns Praktikantinnen so viel zu geben und unser Leben schöner zu machen.

Sasini und SandiyaWir Praktikantinnen helfen den Mädchen dabei, besser Englisch zu lernen und im Gegenzug dafür kann man so viel mehr von ihnen über das Leben lernen und wie wenig man eigentlich braucht, um glücklich zu sein.

Es tut wirklich richtig gut mal aus seinem verwöhnten, deutschen Alltag rauszukommen und das Leben aus einer etwas anderen Perspektive zu betrachten.
Ich hatte selten in meinem Leben so viel Spaß und habe so viele tolle Menschen kennengelernt, wie in den letzten zwei Monaten.
Nicht nur die Mädchen, auch die Angestellten und die anderen Praktikantinnen sind für mich zu richtigen Freundinnen geworden, die ich hoffentlich bald wieder sehe.
Auch wenn es im Vergleich zum Rest meines Lebens nur so eine kurze Zeit ist die ich im Angels Home war, wird sie Dank der Mädels für immer einen großen Teil meines Herzens füllen und ich werde sie nie vergessen.

In diesem Sinne verabschiede ich mich mit einem sehr zufriedenen Lächeln von euch,

Chiara