Weihnachten nicht zu Hause


Weihnachten 2016Und da ist sie auch schon wieder vorbei, die besinnliche Zeit! Wobei so richtig besinnlich wurde es bei unserer wilden Truppe eigentlich sowieso nicht. Aber dennoch oder gerade deshalb war es für mich leichter als gedacht, die Weihnachtstage zum ersten Mal nicht mit meiner Familie zu verbringen. In den letzten Wochen sind für mich die Mädchen zu einer Familie geworden und ich fand es toll ihre Traditionen mit denen aus meiner Heimat zu verbinden.

Durch viele kleine Aktionen haben wir bereits seit Anfang Dezember die Vorweihnachtszeit zelebriert. Pünktlich ab dem 1. Dezember durfte jeden Tag ein anderes Mädchen ein Päckchen unseres Adventskalenders öffnen. Darin waren Süßigkeiten, Haarbänder und -spangen, ein bisschen Schmuck und auch jeden Tag ein Gutschein für beispielsweise Ausschlafen oder eine extra Portion Süßigkeiten versteckt. Jeden Tag pünktlich um 17 Uhr waren die Kinder ganz aufgeregt und konnten gar nicht erwarten, wer dieses Mal per Los gezogen wurde und somit den Adventskalender öffnen durfte.

BastelmarathonAn einem Abend durften sich die Mädchen einen englischen Film bei Julia und Frank ansehen. Wir Praktikantinnen hatten „Kevin allein Zuhaus“ ausgesucht und trotz sprachlicher Barriere war es ein voller Erfolg. Es war so schön zu sehen, wie sich die Kleinen und Großen kaputt gelacht haben, als die Einbrecher im Film in die Fallen getappt sind. Ein paar Tage später haben wir sogar Plätzchen gebacken. Beim Teig kneten und ausstechen wurde sich abgewechselt, sodass jeder einen kleinen Beitrag leisten konnte. Die selbst gemachten Kekse haben dann am nächsten Tag zum Tee natürlich besonders gut geschmeckt! Außerdem wurden für die Pateneltern fleißig Weihnachtskarten gebastelt und geschrieben.

Zwei Wochen vor Weihnachten wurde dann auch der Weihnachtsbaum aufgestellt und mit allerlei Kugeln, Ornamenten und Lametta geschmückt. Ein paar bunt blinkende Lichterketten dazu und fertig ist der perfekte Baum. In Sri Lanka werden traditionell sogar Luftballons an den Weihnachtsbaum gehängt, was für unser Empfinden sehr gewöhnungsbedürftig aussieht. Aber glücklicherweise wurde diese Tradition im Angels Home nicht übernommen.

beim schmückenWas allerdings ebenfalls landestypisch und sehr schön ist, sind die Krippen hier in Sri Lanka. Jede Familie baut vor dem Haus eine große Krippe auf, die beispielsweise mit Gras, Steinen, Sand und vielen anderen Dingen dekoriert wird. Natürlich gibt es wie bei uns die typischen Figuren von Joseph und Maria, den Hirten, einigen Tieren etc. Im Heim war unsere liebe Sodi für die Krippe verantwortlich und hat sich wirklich selbst übertroffen! Da im letzten Jahr wohl einige Figuren zu Bruch gegangen sind, ist Frank mit ein paar Mädchen sogar extra nach Negombo gefahren, um neue zu besorgen.

WeihnachtskrippeWeihnachten wird hier am 25. Dezember gefeiert und so war Heiligabend für uns fast wie ein gewöhnlicher Tag im Heim. Ich konnte mir dadurch aber ein bisschen Zeit nehmen, um mit meiner Familie zu skypen und somit zumindest aus der Ferne und für kurze Zeit am heimischen Weihnachtsfest teilzunehmen. Abends ging es dann für alle zur Mitternachtsmesse in die Kirche. Nach einer kurzen Nachtwanderung kamen wir in der schönen großen Kirche an, die leider schon fast voll besetzt war. Wir setzten uns also zu vielen anderen Einheimischen auf den Boden und nahmen von dort aus am Gottesdienst teil. Es gab eine Predigt, es wurde gesungen und das Jesuskind wurde in die Krippe gelegt. Leider bekamen ein paar unserer kleinen Kinder nicht mehr alles mit, da sie nach langem Kampf gegen den Schlaf dann doch auf unserem Schoß einschliefen. Kurz nach Mitternacht war der Gottesdienst zu Ende, es gab ein großes Feuerwerk und wir machten uns mit der Bande auf den Rückweg.

Plätzchen backenUnd wie es der Zufall so will, war genau in dieser Zeit der Weihnachtsmann im Angels Home und hat für jedes Mädchen ein kleines Paket unter den Christbaum gelegt. Vorher musste aber auch noch unser Jesuskind in die Krippe gelegt werden. Schließlich haben die Mädchen dann mit leuchtenden Augen ihre Geschenke ausgepackt und sich sehr über die Kleidungsstücke und Süßigkeiten gefreut. Stolz haben sie sich gegenseitig gezeigt, was der Weihnachtsmann gebracht hat und viele Kleider wurden direkt anprobiert. Ich fand besonders schön, dass dabei kein einziges Mädchen neidisch auf die anderen Geschenke war - jeder hat sich für jeden gefreut! Danach sind alle sehr müde und sehr glücklich in die Betten gefallen.

Geschenke auspackenAm nächsten Morgen, dem Weihnachtstag, haben sich alle mit einem fröhlichen „Merry Christmas“ begrüßt und die meisten Mädchen haben direkt die Schokolade verputzt, die sie am Vorabend bekommen haben. Anschließend durften die Mädchen den ganzen Tag fernsehen, was eine totale Ausnahme und somit etwas ganz besonders schönes für sie war. Frank und Julia hatten Freunde aus Deutschland zu Besuch, die nachmittags mit ihren Kindern auch unsere Mädels im Heim besucht haben. Lieberweise haben sie für alle ein paar Geschenke wie Stifte, Freundschaftsbänder und allerlei Süßigkeiten mitgebracht. Der WeihnachtsengelVom vielen Zucker etwas aufgeputscht wurde danach zusammen im Garten gespielt und gelacht. Abends durften Corinna und ich dann noch zum Weihnachtsessen bei Frank und Julia dazustoßen und die selbstgemachten Klöße mit Gullasch verputzen. Das heimische Essen und der sehr nette Abend haben damit unser Weihnachtsfest perfekt abgerundet!

Der nächste Tag ist hier kein Feiertag und alles nimmt wieder seinen gewohnten Lauf. Der Weihnachtsbaum bleibt aber noch eine Weile stehen und Dank der großen jährlichen Christmas-Party am 31. Dezember verlängert sich die Weihnachtszeit doch noch ein kleines bisschen.

Dazu aber im nächsten Bericht mehr… ????