Zahlreiche Erfahrungen aus dem Angels Home


Die Straßen von NegomboNun habe ich es mir auf der Terrasse von uns Praktikantinnen in einem Korbstuhl gemütlich gemacht und versuche meinen Bericht für die Homepage des Dry Lands Project zu verfassen.Die fünfte Woche meines Praktikums hier im Angels Home hat nun schon begonnen und somit ist, erschreckenderweise, auch schon die Hälfte der Zeit für mich um. Ich starre nun schon seit einiger Zeit auf ein weißes Dokument und schaue hinaus in den Palmenwald. Dort schaukeln die Palmen hin und her und dahinter schaue ich auf das Meer, welches heute türkisblau glitzert. Eigentlich ist es so, dass mir hier sehr viel durch den Kopf geht und ich jeden Tag unglaubliche Erfahrungen mache, jedoch ist es manchmal ziemlich schwierig all diese Erfahrungen in meinem Kopf zu ordnen und niederzuschreiben. Oftmals liege ich abends noch sehr lange wach, obwohl ich unglaublich müde bin und versuche das Erlebte zu verarbeiten. Das Verarbeiten meiner Gedanken gelingt mir dann manchmal, manchmal wälze ich mich jedoch noch einige Zeit hin und her und kämpfe mit den Mücken, die sich mal wieder unter mein Moskitonetz geschlichen haben. Dieses unglaubliche Gefühl, dass ich mich gerade in einer komplett anderen Welt befinde,macht sich auch sehr häufig bemerkbar, wenn ich mit Freunden oder der Familie von Zuhause schreibe. Oftmals habe ich das Gefühl, dass ich die zahlreichen Erfahrungen,die ich hier gerade im Angels Home und auch außerhalb des Angels Homes mache, gar nicht alles beschreiben kann und zum Teil auch nicht in Worte fassen kann.

Wenn ich das Angels Home verlasse, habe ich meistens das Gefühl, dass ich aus einer komplett anderen Welt komme. Dies beginnt beispielsweise mit dem ständigen Hupen der Autofahrer, was ich in der ersten Zeit wirklich als sehr anstrengend empfand. Unterwegs in Negombo

Nach einiger Zeit ignorierte ich das Hupen und die Zurufe der Menschen jedoch einfach und hörte diese nicht mehr so, wie in den ersten Tagen. Nur manchmal zucke ich dann doch noch sehr zusammen. Die Busfahrten nach Chilaw, Negombo und Colombo waren auf jeden Fall auch immer eine besondere Herausforderung für mich, da ich dort das Gefühl hatte, eine Attraktion für den ganzen Bus zu sein. Klar ich selber weiß, dass ich natürlich keine Attraktion bin, jedoch wird man oftmals von vielenMenschen im Bus angeschaut, angelächelt und angesprochen oder es ruft jemand, dass man sich doch hier oder dort hinsetzen soll. Festzuhalten ist, dass dies manchmal wirklich sehr anstrengend sein kann, aber natürlich auch schöne Seiten mit sich bringen kann, wenn ich beispielsweise mit Menschen ins Gespräch komme.Auf dem Markt in Negombo

 Die Mädels lieben FotosZurück im Angels Home beziehungsweise bei der Arbeit mit den Mädchen habe ich dann nicht mehr das Gefühl, jemand komplett anderes zu sein. Klar gibt es hier und da mal Kommunikationsschwierigkeiten und kleine Probleme in der täglichen Arbeit. Es ist jedoch nicht so, dass ich bei den Mädchen das Gefühl habe aus einer komplett anderen Welt zu kommen. Manchmal sind die Mädchen sehr neugierig und interessiert, wo ich genau herkomme und was ich Zuhause mache aber genau dieser kommunikative Austausch gehört ja auch dazu und macht das Praktikum im Angels Homezu etwas Besonderen.

 

Grüße aus Marawila, Nadine