Gedanken zu einer unvergesslichen Zeit


Adams PeakNun liegen zwischen mir und dem Praktikum im Angels Home drei Wochen. Eine Zeitspanne, die mir vorkommt wie eine Ewigkeit. So viel ist bereits passiert in der anschließenden Sri-Lanka-Reise, ein ständiger Ort-und Personenwechsel erschwert das in sich gehen und Revue passieren lassen der Zeit im Angels Home. Nun, da ich seit ein paar Tagen in Tiruvannamalai, Indien, angekommen bin und mir diese Zeit bewusst nehme, um Gedanken zu sammeln, bei mir und alleine zu sein, holt mich auch das eine oder andere Erlebte aus dem Angels Home wieder ein.

Subani, Sachini, Kawshaliya, Udenika und ich vor Tempel/KirchenbesuchAm deutlichsten habe ich natürlich den Tag meines Abschieds vor mir. Eigentlich sollte dieser am Abend vor meiner Abreise sein, da es aber typischerweise mal wieder zu einem Stromausfall kommt, macht das wenig Sinn. Zum einen, weil ich große Schwierigkeiten hätte, die einzelnen Mädchen im stockdunklen Raum zu erkennen, zum anderen lädt die muggelige Atmosphäre, die durch angezündete Kerzen erzeugt wird, zum gemeinsamen Durcheinanderliegen und singen in einem der Schlafräume ein. Es ist schön, die Mädels auf diese Weise nochmal nah bei mir zu haben und sich somit mental schon mal auf das Verlassen dieses Orts einzustellen. Für mich ist das der stille Abschied, im gängigen Abschied nehmen war ich noch nie sonderlich gut, weswegen das auch absolut in Ordnung für mich ist. Am nächsten Morgen wecke ich die Mädels ein letztes mal um 5. Beim Morning Tea ist die Zeit gekommen, ihnen allen zu sagen, wie bereichernd die Zeit mit ihnen für mich war. Dass ich ihnen dankbar für ihre Offenheit bin und es sehr respektiere, dass so viele Charaktere, die unterschiedlicher nicht sein könnten, ein so familiäres Miteinander schaffen, dass es das so viel öfter auf der Welt geben müsste. Ich hoffe sehr, dass sie verstanden haben, was ich ihnen damit sagen wollte und sich das, auch wenn sie es sich vielleicht unterbewusst angeeignet haben, beibehalten. Diesen natürlichen Umgang mit anderen Menschen, auch wenn sie hier und da stärkere Defizite haben mögen.

In meiner ersten, intensiven Arbeit mit Kindern durfte ich feststellen, dass man so unglaublich viel von ihnen lernen kann. Oft wurde ich von den Mädels unbewusst auf das aufmerksam gemacht, was es sich beim älter werden zu bewahren gilt. Dazu zähle ich auf jeden Fall diese Leichtigkeit, die mir durch den Kontakt mit ihnen wieder so bewusst und vertraut wurde. Sowie auch diese offene, unvoreingenommene Haltung gegenüber neuen, fremden Dingen. Ich habe erkannt, dass so viel Positives auf einen zukommt, wenn man bereit ist, offen auf sie zuzugehen und das auch stetig tut. Allein diese Punkte, machen meine Zeit im Angels Home zu einer sehr bereichernden Erfahrung.Tharushika bei der alltäglichen Gartenarbeit

Als ich ihnen das letzte mal auf dem Weg zur Schule hinterhersehe, erfasst mich ein tiefer Schmerz, der mir ganz deutlich aufweist: es ist vorbei. Ich mache tiefe Atemzüge, kehre zurück in meine Unterkunft, wo bereits mein gepackter Rucksack darauf wartet, ins nächste Abenteuer getragen zu werden. Natürlich macht die Aussicht auf die nächsten 3 Monate reisen den Abschied um einiges erträglicher. Schließlich war die Zeit im Praktikum auch nicht immer einfach und es gab durchaus auch Momente, in denen ich den Tag der Abreise herbeigesehnt habe. Deshalb verlasse ich diesen Ort, der mir so vieles gelehrt und mitgegeben hat, mit einem weinenden und einem lachenden Auge.

Sandiya und ichDer Anfang meiner Reise führt nach Kandy. Fasziniert von der immer grüner werdenden Landschaft sitze ich im Bus und kann es kaum erwarten, andere Seiten von Sri Lanka zu sehen und zu erkunden. Ich verbringe zwei wundervolle Tage in Kandy, welche hauptsächlich von Tempel- und Museumsbesuchen geprägt waren. Ich genieße die Einsamkeit, die ich lange nicht mehr hatte während dem Praktikum. Sowie auch diese absolute Freiheit, die das Allein-Reisen mit sich bringt, die für mich neu ist. In all meinen nächsten Stationen, Adams Peak, Ella, Tangalle, Mirissa und Bentota, durfte ich wundervolle Menschen kennenlernen, mit welchen ich nun unterschiedlichste Erfahrungen und Geschichten teile. Das nimmt auch bei meiner Indienreise kein Ende, ganz im Gegenteil. „Auf dem Weg von Chennai nach Tiruvannamalai (Indien)“Es ist, als würde es immer besser werden und ich mache mich immer wieder von einem Ort auf den Weg zum nächsten, begleitet von Bauchkribbeln und Vorfreude auf das Neue, Unbekannte. Natürlich ist es hier in Indien nicht immer einfach für mich, als alleinreisende junge Frau, dennoch bin ich mehr als glücklich dieses Land gewählt und mich nicht von anderen davon abgehalten lassen zu haben. Ich denke auch, dass mich die Zeit im Angels Home definitiv gut auf meine Reise vorbereitet hat. Ich stelle ein gestiegenes Selbstwertgefühl fest, und kann durch das Zusammenleben und -arbeiten mit den Einheimischen Damen im Heim, manche kulturelle Aspekte gut verstehen und nachvollziehen.

Ich denke, ich werde auch in Zukunft noch von meiner Erfahrung im Angels Home zehren, und kann es wirklich nur jedem empfehlen, so etwas mindestens einmal im Leben gemacht zu haben. Alle Anstrengungen und Schwierigkeiten, die man während dieser Zeit erlebt, sind es im Nachhinein definitiv wert! Alles Liebe,

eure Janika.