Die Sonne kann nicht immer scheinen


 Malereien aus vergangener ZeitLeider gibt es hier in Sri Lanka im Angels Home nicht immer nur Sonnenschein. Sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinne. Die Natur lässt einen mit fast täglichen Regengüssen und Gewittern ihre Kraft spüren und erinnert einen daran, dass wir uns in der Regenzeit befinden. Aber auch auf zwischenmenschlicher Ebene gab es in der letzten Woche Probleme.

Schon seit einigen Wochen sind Julia und Frank auf der Suche nach neuem Personal, was sich als ziemlich schwierig erweist. Dies hat verschiedene Gründe, wie beispielsweise, dass viele Menschen Vorurteile gegen Kinderheime haben, oder dass Einige nur für das Geld, aber nicht mit dem Herzen arbeiten, womit sie im Angels Home nun wirklich an der falschen Adresse sind. Ein weiterer Grund für die Suche ist, dass einige Angestellte das Heim verlassen haben. Manche sind einfach nicht mehr gekommen, andere mussten entlassen werden, da sie nicht die Kompetenz für ihren Job besaßen.

Das neue Personal musste natürlich erst einmal eingearbeitet werden und es dauerte seine Zeit, bis sie die Regeln alle verinnerlicht hatten. Die Mädchen, die nicht besonders begeistert von dem Wechsel des Personals waren, nutzten diese Situation aus und versuchten davon zu profitieren. So verschwiegen sie beispielsweise gerne, dass zum Waschen nur eine begrenzte Menge Wasser verwenden dürfen oder dass sie spätestens um 10 Uhr im Bett sein sollten und länger nur unter Aufsicht des Personals wach bleiben dürfen, wenn sie lernen müssen. Wenn wir Praktikantinnen sie darauf hinwiesen, reagierten sie nicht selten beleidigt und sogar respektlos. Auch auf unser „Goodmorning“ oder „Hello, howareyou?“ wurde immer seltener reagiert. Das macht es einem nicht einfach, wenn man in ein fremdes Land kommt um benachteiligte Kinder zu unterstützen, auch wenn man sich bewusst dazu entschieden hat und von seiner Familie und seinem Freund unterstützt wird. Da wir uns bald wie die „Bösen“ oder „Petzen“ fühlten, beschlossen wir mit Julia und Frank über diese Probleme zu reden.

Damit die Mädchen erkennen, dass wir nicht nur hier sind, um sie zu ermahnen, sondern ihnen auch mit unseren Aufgaben, wie der Englisch Nachhilfe oder dem „Pipidienst“, bei dem wir in der Nacht diejenigen, die ins Bett machen, wecken, den Alltag erleichtern, gab uns Frank fünf Tage Urlaub. Um ein bisschen Abstand zu gewinnen und ein wenig zur Ruhe zu kommen, beschlossen wir diese Zet zu Nutzen und eine kleine Rundreise zu machen.

Der von Goldträgern gestützte BodhibaumUnser erstes Ziel war Anuwadhapura, wohin wir mit drei verschiedenen Bussen fuhren. Besonders die Fahrt mit dem letzten Bus war sehr amüsant, in dem ein singhalesisches Liebesdrama auf einem kleinen Bildschirm gezeigt wurde. Als die Hauptfigur anfing ein Gespräch über Sex zu führen (für einen singhalesischen Film ziemlich untypisch), sprachen alle Figuren auf einmal nur noch Englisch. Da wir die einzigen Touristen im Bus waren, drehten sich alle Köpfe zu uns um, so als sollten wir nun übersetzen.

In Anuwadhapura angekommen schnappten wir uns ein Tuktuk, das uns zu den heiligen Stätten brachte. Zuerst besichtigten wir den über 2000 Jahre alten heiligen Bodhibaum, den „Bruder“ des Bodhibaums in Indien unter dem Buddha seine Erleuchtung fand. Der Baum wird wirklich wie ein Heiliger behandelt: seine Äste werden von goldenen Stützen getragen, jeden Tag beten hunderte Buddhisten zu ihm und opfern Blumengestecke (auch wenn diese meist von den dort herumtollenden Affen gegessen werden) und auf dem Gelände um ihn herum sind im Laufe der Jahre viele weitere, kleine Sehenswürdigkeiten entstanden. Da wir am Abend bereits in Sigiriya sein wollten und unsere Zeit daher begrenzt war, kauften wir nicht das völlig überteuerte Sightseeing-Ticket mit dem man alle Heiligtümer besichtigen könnten, und beschränkten uns auf die wenigen kostenlosen, aber nicht minder interessanten Sehenswürdigkeiten. Nach einer großen weißen Dagoba, einer massiven Kuppel aus weißangemalten Backsteinen, in deren Mitte angeblich der tamilische König Elara ruht, schauten wir uns noch einen kleinen Tempel an, der in einen Felsen gehauen war.

Ein Grab etwas anderer ArtDann ging es weiter nach Sigiriya, wo wir die Nacht verbringen wollten. Unsere Unterkunft hatten wir uns bereits vorher aus einem Reiseführer gesucht und per Telefon angekündigt, dass wir kommen. Das war auch wirklich notwendig, denn als wir ankamen war es bereits dunkel und Sigiriya lässt sich nur schwer als Ort bezeichnen, sondern eher als ein Stück Straße, an dem es vereinzelt Hotels, Junkshops und Restaurants gibt. Die Besitzer unserer Unterkunft waren sehr freundlich und nachdem wir den ganzen Tag in vom Regen durchnässten Klamotten herumgelaufen waren, genossen wir die warme Dusche und das leckere, singhalesische Abendessen. Während dem Abendessen, hörten wir einen lauten Knall auf dem Dachdes kleinen Pavillons unter dem wir aßen. Wir vermuteten zunächst, dass es nur eine heruntergefallene Kokosnuss war, aber unser Hotelier erklärte uns, dass dieses Geräusch von einem Affen kam, die man hier vor allem zum Frühstück oft sah.

Am nächsten Morgen standen wir früh auf, um vor den meisten anderen Touristen auf Sigiriyas Löwenfelsen zusteigen, der seinen Namen den Löwen zu verdanken hat, die einst hier gesichtet wurden.Nach einem leckeren Frühstück mit viel frischem Obst, bei dem uns tatsächlich Affen besuchten, ging es per Tuktuk in Richtung des Felsen. Schon um halb 8 Uhr morgens, als wir dort ankamen, war es jedoch sehr voll, obwohl zurzeit keine Hauptsaison ist. Schon am Fuße des Felsens wird man von seiner Größe und der Schönheit der Natur, welche ihn umgibt beeindruckt. Ein beeindruckender Anblick

Zahlreiche Treppen führten uns dann zunächst zu den aus dem 5. Jahrhundert stammenden Höhlenmalereien der Wolkenmädchen, welche wahrscheinlich himmlische Nymphen mit ihren Dienerinnen darstellen sollen. Auch wenn sich dort oben bereits eine Horde Touristen tummelte, hat sich der Aufstieg zu diesen wunderschönen Malereien aus längst vergangener Zeit gelohnt. Dann ging es im strömenden Regen weiter zur Lion Terrace, welche mit einem Tor, was von zwei Löwenpranken umgeben wird, den Eingang zum Königspalast darstellt. Aufgrund des Regens und des starken Windes dort oben, drehten viele Besucher wieder um. Wir aber drängten uns zu zweit unter den Regenschirm, den wir glücklicherweise mitgenommen hatten, und liefen die rutschigen und an manchen Stellen wackeligen Stufen zum Palast hoch. Ein bisschen haben wir uns schon nach unseren warmen Betten und einem heißen Tee gesehnt, aber wir wollten uns den Palast nicht entgehen lassen. Oben angekommen wurden wir mit beeindruckenden, verfallenen Ruinen belohnt und obwohl das Tal von Wolken und Dunst fast vollständig verdeckt war, war der Ausblick auf seine ganz eigene Art und Weise wunderschön.

Über die nächsten Etappen unserer kleinen Reise könnt ihr in Audreys Bericht lesen, der in Kürze folgt.