Erste Oruwas am Horizont


Oruwas in NegomboMeine erste Woche im Angels Home verging wie im Flug. Unzählig neue Eindrücke von einer Welt, die mir zunächst noch sehr fremd und durchaus anders vorkam.

An meinem ersten freien Tag beschloss ich meine ersten Reiseerfahrungen zu sammeln und plante einen Tagestrip nach Negombo. Die Stadt liegt ebenso an der Westküste Sri Lankas und ist etwa 27km von Marawila entfernt.

Am frühen Freitagmorgen brach ich auf. Die verschlafenen Mädchen schauten direkt auf, da sie mich nicht wie üblich in der alltäglichen Arbeitskleidung sahen. Sie tranken genüsslich an ihrem Morning Tea und wollten mit einem "Day off? " direkt wissen, wohin das Reiseziel gehen wird. Gegen 7 Uhr erreichte ich die Bushaltestelle und ebenso schnell hatte mich der Verkehr auf Sri Lankas Straßen wieder in seinen Bann gezogen. Erstaunt beobachtete ich die hupenden Lastwagen, die mit ihrer Ladung an den kleinen Tuk-Tuks und Fahrrädern vorbei zogen. Wie die Berge aus Kokosnüssen und anderen heimischen Früchten trotz der arg schwankenden Fahrweise der Singhalesen an Ort und Stelle bleiben, verstehe ich bis heute nicht, jedoch ist dieses Spektakel immer ein lohnender Anblick.Das Entleeren der Fischernetze Nachdem einige vollgepackte Busse an mir und den anderen Menschen an der Haltestelle vorbei fuhren, wurde der vierte anfahrende Bus allmählich langsamer. „Langsamer“ beschreibt den Einstieg recht gut, denn schließlich bemerkte auch ich, dass der Bus nicht vollständig zum Stehen kommen würde. Ich tat es den anderen Passagieren gleich und folgte ihnen auf kletternde Weise in den Bus, wo ich mir einen freien Platz suchte.

42 Rupies kostet die einstündige Fahrt, was umgerechnet etwa 28ct entspricht. Dass ich keinen der weißen Busse erwischt habe, die meist mit einer Klimaanlage ausgestattet sind, stellte überhaupt kein Problem dar. Die Türen sind während der gesamten Fahrt geöffnet und auch die Fenster sorgen für einen ausreichenden Luftzug.

Gegen 8 Uhr erreichte ich die Bus Station Negombos. Die Stadt, welche zu einem der wichtigsten Fischereihäfen an der Westküste des Landes zählt, ist vor allem für ihren täglichen Fischmarkt bekannt. Jeden Morgen bis 11 Uhr werden die Fänge jeglicher Art in der Nähe des Strandes verkauft. Nachdem ich mich erfolgreich bis zum Markt durchgefragt hatte, ließ mich der stark fischige Geruch anfangs an meine Grenzen stoßen, sodass ich mich zunächst an die frische Luft am Wasser flüchtete. Dunkle Planen schienen sich über den ganzen Strand hinweg zu erstrecken. Auf ihnen ruhen die Fänge, welche später als „DriedFish“ verkauft werden. Gesamte Familien arbeiten gemeinsam an dem Einholen der Boote und dem Entleeren der Netze.die geballte Ladung eines Frachters Nach einiger Zeit trotze ich dem Geruch und begab mich wieder in das lautstarke Geschehen auf dem Inneren des Fischmarktes. Erstaunt stellte ich die Ausmaße des täglichen Fangs fest und konnte nicht nur verschiedene Fischarten sondern ebenso Stachelrochen und Thunfische erblicken, deren Größe weit über die Spanne meiner ausgestreckten Arme hinaus gingen. Aus weiter Ferne sah ich, dass sich bereits die traditionellen Fischerboote mit dem Namen „Oruwas“ näherten. Ein toller Anblick tat sich auf, als diese dem Hafen entgegensteuerten. Die bräunlichen großen Segel erinnerten mich stark an die Wikinger-Filme meiner Kindheit. Erst aus näheren Entfernung erkannte ich, dass es Katamarane sind, mit denen die Fischer ihren Fang auf dem Indischen Ozean betreiben.

Mein weiterer Weg führte mich am Strand entlang, an dem sich mit zunehmender Stunde die zahlreichen Fischerboote aufreihten. Ich ging am Gefängnis entlang, welches durch meterhohe Betonmauern von der Umgebung isoliert ist und weiter zur St. Stephens Church, die von den Holländern in der Kolonialzeit erbaut wurde. An diese Zeit erinnert ebenso der „DutchCanal“, welcher noch heute zum Transport von Waren bis zur Stadt Puttalam genutzt wird.Dutch Kanal

Beim weiteren Durchschlendern der Straßen Negombos lernte ich eine Chinesin kennen, welche sich ebenso als Touristin in der Stadt befand. Zusammen liefen wir an der Lagune entlang und kamen mit Singhalesen in ein Gespräch, als wir uns lediglich nach dem richtigen Weg erkundigten. Die unverkennbare Gastfreundlichkeit der Einheimischen, welche daraufhin folgte, erstaunte mich zutiefst. Sie zeigten uns ihre Katamarane und nahmen uns mit auf eine ganz persönliche Bootstour entlang der Lagune. Das Boot wurde von zwei Singhalesen mit Paddeln in Bewegung gesetzt und ein weiterer erklärte uns trotz eher gebrochenem Englisch die Gegend. Da der Regen trotz der Kleine private Bootstour.Monsunzeit momentan eher auf sich warten lässt, konnten wir das trockene Flussbett an einigen höher liegenden Stellen zu Fuß erkunden. Unser kleiner privater Ausflug endete mit dem Kennenlernen der Familie, welche aus nicht weniger Personen als der Großmutter, die Frauen der Brüder und deren Kinder – fünf an der Zahl – zu bestehen schien. Nach einem frisch gepressten Saft aus einheimischen Früchten verabschiedeten wir uns von allen und wurde mit dem Motorbike wieder zurück zum Stadtinneren gebracht, von wo aus wir versprachen, uns wieder zu melden, sobald uns unsere Wege nochmals nach Negombo verschlagen würden.

Mit einem breiten Grinsen über den Tag, den ich nicht schöner hätte verbringen können und die Gastfreundschaft der Singhalesen, die ich auf spontane und interessante Weise kennenlernen durfte, begab ich mich wieder auf den Weg zurück nach Marawila.

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