Harry Potter und die Lamay vom Angels Home


DurchblickZiemlich verwundert war ich als an meinem ersten Tag im Angels Home ein kleines Mädchen auf mich zu kam und die, für mich anfangs noch unverständlichen Worte „Ary potr“ zu mir sagte. Erst als Julika, die schon zwei Wochen vor mir ihr Praktikum hier begonnen hatte, für mich die Worte „Harry Potter“ entschlüsselte, dämmerte es mir. Ich zeigte etwas verwundert auf meine Brille. „H[a]rry Potter, H[a]rry Potter!“ lachte das Kind und deutete mit ausgestrecktem Zeigefinger ebenfalls auf sie. Von da an war ich für sie also Harry Potter und mit den Tagen sprach sich das auch unter den anderen Lamay (Mädchen auf Singhalesisch) herum. Kein Tag vergeht nun an dem ich nicht bei meinem neuen Spitznamen gerufen werde, den sich die Kinder für mich ausgesucht haben und der doch so gar nicht zu mir passt? Dachte ich bis jetzt zumindestens. Denn eine Brille habe ich eigentlich erst seit ein paar Jahren und tragen tue ich diese auch nur phasenweise. Doch für die Kinder hier ist es scheinbar eher etwas Exotisches jemanden mit Brille zu sehen, obwohl zwei der Mädchen selber eine tragen. Wahrscheinlich liegt es vor allem an meinem in Europa gerade stark im Trend liegenden „Nerd“-Brillenmodell mit großen Gläsern und dicken Rändern, das die Kinder verwundert. „Big glasses“ hat ein Mädchen heute, ebenfalls lachend zu mir gesagt.
Harry Potter auf Singalesisch
„H[a]rry Potter!“ - dies war also eine meiner ersten, und für mich gleich schönen Erfahrungen mit den Mädchen. Denn wie wahrscheinlich schon all die anderen Praktikantinnen vor mir wurde auch ich von ihnen herzlich und offen empfangen. Wenn die Kinder auf dich zu rennen, dich anlachen, deine Hand nehmen, dich Fragen wer du bist, woher du kommst und wie alt du bist, deinen Namen in verschiedensten phonetischen Variationen ausrufen, gibt es wenn überhaupt nur ein paar Sekunden in denen du dich hier so vollkommen fremd fühlst. Dass die Mädchen so stark daran gewöhnt sind sich mit ständig wechselnden Praktikantinnen/Bezugspersonen zu arrangieren hat natürlich auch einen bitteren Nachgeschmack. Glücklicherweise gibt es hier engagierte Mitarbeiter die ihnen länger erhalten bleiben als ich und die anderen Praktikantinnen. Auch ist unter den Mädchen ein starker Zusammenhalt beobachtbar.


Brille einmal andersUnd wenn sie trotz ihrer Lebenssituation noch zum Scherzen aufgelegt sind und weiterhin den Mut haben auf all die neuen Gesichter neugierig zuzugehen, dann können wir froh darüber sein was Julia und Frank ihnen hier aufgebaut haben. „Home“ sagen die Kinder für ein Wort mit „h“ und zeigen um sich. Big glassesZum Glück sind die Kinder auch hier noch Kinder, auch wenn es überwältigend ist wie vielen Aufgaben und Pflichten sie schon selbständig nachgehen (täglich ihre Wäsche und Geschirr waschen, ihre Wäsche, Schul- und Freizeitsachen ordentlich halten, Gardening, auf jüngere Kinder achten und ihnen bei ihren Aufgaben helfen).

Kaum eine meiner neuen Aufgaben hätte ich anfangs vollständig richtig ausführen können wäre nicht ein Mädchen an meiner Seite gewesen das es schließlich besser wusste. Fürs erste trage ich also weiterhin meine Zauberlehrlings-Brille und wenn mich die Kinder schelmisch „H[a]rry Potter“ rufen dann lache ich innerlich und äußerlich mit ihnen zusammen, und genau deshalb bin ich u.a. auch hier.
Bezaubernde Grüße und bis bald
Simone