Chaos mit System


MädchenschwarmWenn man das alltägliche Treiben hier beobachtet kommt man schnell ins Staunen wie dieses chaotische Hin und Her einer Logik folgen kann die auch noch funktioniert. In einem Satz: Chaos mit System. Zwei Wochen meinte Julia bei meiner Ankunft dauert es bis man sich an diesen Wahnsinn hier – der für die Mädchen den ganz normalen Alltag darstellt, gewöhnt und ihn durchschaut hat. Doch nach nunmehr zwei Wochen im Angels Home scheint mir viel mehr ich werde die Funktionsweise dieses Alltages nie vollends verstanden haben.

Der Tagesablauf der Mädchen folgt einem ziemlich durchstrukturierten Zeitplan und die Aufgabenbereiche sind klar geregelt - vom Aufstehen, Zähneputzen, Wäschewaschen, übers „Gardening“, den Nachhilfestunden in Englisch, Mathematik und Singalesisch, Fernseh- und Hausaufgabenzeiten bis hin zur Teatime und dem Abendessen, all dies passiert nicht zufällig. Doch wie dieses System bei 58 Kindern nach Fahrplan verlaufen kann ist bei näherer Beobachtung wirklich verwunderlich.

HairdressingAls gutes Beispiel kann hier das morgendliche Geschehen herangezogen werden. Im Zeitraum von Fünf bis Sieben sollen also alle Mädchen gewaschen, gesättigt, angezogen und vollständig ausgerüstet für die Schule sein. Hervor zu streichen wäre dass viele der Kinder unter, bzw. nicht viel älter als 10 Jahre alt sind. Für einen Neuankömmling wie mich,sieht das frühmorgendliche Gewusel wie ein heilloses Durcheinander aus.

Kinder rennen von A nach B, Namen und Anweisungen auf Singalesisch werden einander zugerufen, Zahnbürsten dir entgegengestreckt, Gewand herumgereicht, Zöpfe geflochten, Schulbücher gesucht, Seifen fliegen durch die Gegend und am Ende stehen sie doch alle fertig angezogen in ihrer „weißen“ Schuluniform mit Lunchbox und Schoolbooks im Gepäck, vor bzw. hinter den Toren des Angels Home.

Blick von ObenAuch wenn ab und zu mal ein Socken fehlt oder die Schuhe nicht aufzufinden waren, wie ein Wunder ist meist kurz vor oder manchmal auch kurz nach 7 selbst die Kleinste aufbruchbereit.

Ebenso wenn die Mädchen nach der Schule ihre Uniform und später auch ihre Kleidung waschen versetzte es mich in schieres Staunen wie dies alles funktionieren kann, die Kleiderstücke gewaschen sind und schließlich von der Wäscheleine unter zig anderen Kleidern, Röcken, T-shirts uns Socken wieder in den richtigen Schrank wandern. Für mich waren da nur Berge von gleichaussehender Wäsche (weiße Socken, weißes Unterhemd, weiße Schuhe, rote Krawatte), kleine schaumige Hände, Seife und Wasserbehälter die in Windeseile den Besitzer wechselten.

Fertig für die SchuleDas Angels Home präsentiert sich mir als eigenes kleines Ökosystem. Ein Miniversum das seinen ganz individuellen Rhythmus folgt, mit eingespielten Abläufen und Rückkopplungsmechanismen. Ein geschlossener Kreislauf der jeden Tag aufs Neue beginnt, in den wir Praktikantinnen lenkend eingreifen, und dennoch nicht das Gefühl los werden es würde auch so laufen.

Hier nicht den Überblick zu verlieren benötigt eine große Portion Geduld, Gelassenheit und vor allem Vertrauen darin, dass jeder seine Platz und seine Aufgabenfelder kennt. Der Tagesablauf der Kinder verläuft in chaotisch geregelten Bahnen. Doch am Ende eines langen Tages (der einem allzu oft gar nicht so lang erscheint) liegen sie alle gewaschen und müde im Bett, bis morgens um 5 wieder die Glocke klingelt und ich oder eine der anderen „Good morning lamay“ „Wake up“ rufen.

Wachsame Grüße und bis bald,

Simone

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