Eine eigene Welt mitten im Grünen


Reife JackfruitsNach fast drei Wochen in meinem neuen Zuhause auf Zeit hier mitten im Grünen im Angels Home möchte ich ein erstes Resümee über mein bisher Erlebtes ziehen. Da mich die quirligen Mädchen schon nach meinen ersten Schritten ins Angels Home freudig und aufgeschlossen begrüßten, machten sie mir die Eingewöhnung von Anfang an besonders leicht. Nach den ersten Wochen kann ich nun sagen, dass ich so richtig angekommen bin und mich sehr wohl fühle. Von Tag zu Tag haben sich aus zunächst für mich sehr ähnlich klingenden Namen und sich ähnelnden Gesichtern verschiedene Persönlichkeiten herauskristallisiert, die mir schon jetzt sehr ans Herz gewachsen sind. Der Alltag mit den Kindern bereitet mir unheimlich viel Freude, vor allem weil die Mädels uns Praktikantinnen immer gut gelaunt begegnen und sie immer für einen Scherz zu haben sind. Bedenkt man, dass die Lebensgeschichten vieler der Kinder von schweren Schicksalsschlägen geprägt sind, freut es mich umso mehr, dass sie mit uns die Möglichkeit haben, auch einmal ausgelassen und unbeschwert zu sein. Aber auch ältere oder nachdenklichere Mädchen zeigen immer mehr Interesse an mir, der mal wieder neuen Praktikantin. So werde ich immer wieder nach meinem „full name“ gefragt, den die Mädels dann versuchen bis zur Perfektion richtig auszusprechen, nach dem Namen meiner Familie und Freunde. Ob von den Kindern oder den Angestellten, ein Lächeln gehört hier immer dazu, sogar wenn ich die Mädchen in aller Frühe aus ihren Betten werfen muss, sind sie noch für ein fröhliches „Good Morning, my dear!“ aufgelegt. Auch sind die Kinder stets äußert besorgt um uns „Students“. So bekommt man schon einmal eine nicht perfekt sitzende Haarfrisur neu gestylt, bei starker Hitze Luft zugefächelt oder am Abend beim Vorlesen das großzügige Angebot „If you are tired you can sleep, it‘s okay“ :). Außerhalb des geschäftigen, von singhalesischem Geplapper geprägten Tagesablauf, haben es mir die Morgenstunden besonders angetan. Obwohl ich eigentlich eher ein Langschläfer bin, fällt mir hier das frühe Aufstehen nicht schwer. Ich genieße die Vorbereitungen auf den Tee, wenn aus dem Radio mantraartige Gesänge erklingen und die Kinder dann allmählich aus ihren Betten kriechen und langsam Leben in das Angels Home einkehrt. Aber auch die Abendstunden haben ihren Charme, wenn Zeit ist, sich bei der Erledigung der Hausaufgaben auch einmal einzelnen Kindern zu widmen, den Mädels in Kleingruppen Geschichten in der Library vorzulesen oder ihnen beim Gestalten von Bildern für den Kunstunterricht zu helfen. Beeindruckt hat mich gleich zu Beginn, wie die Kinder hier ganz selbstverständlich mit und in der Natur leben. Die Kinder verbringen fast den ganzen Nachmittag draußen und haben keine Hemmungen, sich auch einmal richtig dreckig zu machen. Dabei kann man sogar unsere Kleinsten während des „Gardenings“ beobachten, wie sie zupfen, kehren und gießen. In Deutschland, so musste ich leider im Rahmen von Praktika feststellen, verbringen immer weniger Kinder ein von gutem Wetter geprägtes Wochenende an der frischen Luft, sondern erzählen im Morgenkreis vielmehr davon, welche DVDs sie sich angesehen haben oder welche Playstationspiele aktuell waren.
Kreatives Spielen mit Priyanka und Supipi
Bewundernswert finde ich auch die fehlende Scheu vor jeglichem Getier, wie z.B. Springspinnen (Chetana setzte mir einst einfach ein großes Exemplar auf meinen Arm und versetzte mir damit zunächst einen gewaltigen Schock), oder wie sich einige Kinder ohne Zögern einer giftigen Schlange nähern, um diese einzufangen.

Supipi im GartenAuch sind die Mädels richtige Obst- und Gemüsekenner. Der Garten des Angels Homes bietet eine Vielzahl von Obstsorten, die mir bis dato völlig unbekannt waren (Jack Fruits, Umbrellas, Jambu, Rambutan…). So lasse ich mir häufig erklären, was heute Besonderes auf den Teller kommt (das häufig aus dem eigenen Garten stammt) ,oder was im Garten essbar ist oder nicht; die Mädchen wissen hier stets genau Bescheid.

Scharfe Chilis im Garten des Angels HomesTrotz des vielen Obst und der Kokosnüsse, die aus dem heimischen Garten genutzt werden, um all die hungrigen Mäuler zu stopfen, steht einmal die Woche ein Marktbesuch an. Letzten Freitag hatte ich die Möglichkeit mit Suneetha, der Köchin, und Ayesha mit dem hauseigenen Tuk Tuk den Wocheneinkauf auf dem Markt erledigen zu können. Ich hatte mich dabei auf ein paar schnelle Besorgungen eingestellt und musste dann verwundert feststellen, dass wir über zwei Stunden auf dem Markt verbrachten, zwischen duftenden Gewürzen, riesigen Mengen an frischem Obst und Gemüse, streng riechendem Trockenfisch und würzig frittierten Spezialitäten - alles umrahmt von den lauten Schreien der zahlreichen Marktverkäufer. Dabei musste ich kräftig anpacken beim Schleppen von Säcken mit Dhal, Zwiebeln, Kartoffeln, „Lady’s Fingers“ und vielem mehr. Am Ende war unser Tuk Tuk so voll beladen, dass wir drei Insassen kaum noch ein Plätzchen zum Sitzen fanden.Suneetha im voll beladenen Tuk Tuk

Dass es hier in Sri Lanka alle möglichen Früchte wie Papayas, Melonen, Ananas, Mangos und Bananen überall an der Straße frisch zu kaufen gibt, nutzen wir Praktikantinnen besonders gerne aus und halten uns immer einen Vorrat an frischem Obst für unsere Abende auf der Dachterrasse vor. Etwas für NaschkatzenDabei erlebten Monika und ich letzte Woche eine Überraschung, als wir die zuvor gekaufte „Honeymelon“ zuhause genießen wollten und feststellen mussten, dass diese ganz und gar nicht so saftig und süß schmeckte wie die uns von zuhause bekannte Honigmelone. Nachdem wir verzweifelt Theekshani und Suneetha aufgesucht hatten, erklärten diese uns, dass die Honeymelon erst nach spezieller Zubereitung wirklich „sweet and tasty“ ist. So zauberte uns Theekshani einen Drink der zerdrückten Melone gemischt mit jeder Menge Kokosnusshonig, den wir dann genüsslich tranken.
Jetzt war die Sweet Melon wirklich sehr „sweet“ und für das nächste Mal wissen wir, Honigmelone ist nicht gleich Honigmelone!
Liebe Grüße und bis bald.
Eure Julika