Verwirrende Verhaltensweisen


Verwirrende Verhaltensweisen nKandy Lakeach fünf Wochen im Angel's Home for Children habe ich mich besonders darauf gefreut, meine zwei freien Tage dafür zu nutzen, nach Kandy zu fahren. Beim Erkunden der Stadt bin ich natürlich einigen Einheimischen begegnet, deren Verhaltensweisen nicht immer leicht zu deuten sind.

Schon als ich auf dem Hinweg mit dem Bus in Colombo ankam, um von hier aus mit dem Zug weiter nach Kandy zu fahren, stand ich vor der Entscheidung, den Bahnhof auf eigene Faust zu suchen, oder mich einfach von einem jungen Mann dorthin führen zu lassen. Er meinte, selbst dorthin zu müssen und schien nett zu sein. Aber war er wirklich einfach nur hilfsbereit oder sollte ich  besser nicht einem fremden Einheimischen durch die Stadt folgen? Da ich unter Zeitdruck war, beschloss ich, ihm zu vertrauen und wirklich erreichten wir nach etwa zehn Minuten Fußmarsch den Bahnhof. Er zeigte mir, wo ich mein Ticket kaufen konnte und nachdem ich dieses bezahlt hatte war er sofort wieder verschwunden. Es ist wirklich schade, dass man den einheimischen Männern meistens misstrauisch gegenübertritt, da man nicht weiß, ob sie irgendwelche Hintergedanken haben. Obwohl ja, wie man auch an diesem Beispiel sieht, Viele auch einfach nur nett sind und es schön wäre, solche Menschen besser kennenzulernen.Ausblick während der Zugfahrt

Am zweiten Tag wollte ich gemeinsam mit einer Österreicherin, die ich im Hostel kennengelernt hatte, den botanischen Garten besichtigen. Hierzu mussten wir den Weg zur Bushaltestelle finden. Da wir uns unsicher waren, ob man nach links oder nach rechts abbiegen musste, entschieden wir uns dazu, jemanden anzusprechen. Auf unsere Frage nach der Richtung zur Bushaltestelle schaute die junge Frau verwirrt drein und fragte schließlich, ob wir denn auch Englisch sprechen würden. Dies bewies wieder einmal, dass man am Besten auf jegliche grammatikalischen Umschwünge verzichtet und kurze Sätze mit einfachen Schlagwörtern bildet. Der zweite Versuch glückte dann auch schon besser und die Frau wies unsicher in einer Richtung. Sicherheitshalber kann man ja noch jemanden fragen, dachten wir uns, und der auserwählte Einheimische zeigte ohne zu zögern in die entgegengesetzte Richtung.

Da ja bekanntermaßen alle guten Dinge Drei sind sollte uns nun noch ein Polizist weiterhelfen. Der würde bestimmt Englisch verstehen und uns die richtige Antwort geben – oder auch nicht. Der junge Mann schaute uns verwirrt an, stammelte etwas vor sich hin und gab dann schließlich durch ein „No“ zu verstehen, dass er es nicht wusste. Diese klare Antwort ist in Sri Lanka etwas ganz besonderes, da die Einheimischen einem meist lieber irgendeine falsche Antwort geben, als zu ihrer Unwissenheit zu stehen. Wenn nicht einmal ein Polizist uns weiterhelfen kann, wer dann? Mir kam die Idee, einen Tuk-Tuk Fahrer anzusprechen. Die verstehen meist gut Englisch und kennen sich in der Stadt am besten aus. Nun hatten wir auch richtiges Glück: Der Mann meinte sofort, wir müssten in diese Richtung (die, in der die junge Frau gezeigt hatte, nicht der Mann). Kurzerhand nahm er uns in seinem Tuk-Tuk kostenlos mit zur Bushaltestelle und wollte auch kein Trinkgeld annehmen. Tat er dies einfach nur aus Freundlichkeit, oder hatte er dabei vielleicht sogar sein Karma im Hinterkopf, das viele Buddhisten stets versuchen, aufzubessern?Botanischer Garten in Kandy

Hiermit hatten wir am Tag zuvor schon Erfahrung gemacht, als wir abends auf der Straße von einem Einheimischen angesprochen wurden. Dieser wollte uns davon überzeugen, einen Markt zu besuchen, bei dem es alles um ein Vielfaches günstiger gäbe und der heute natürlich den letzten Tag geöffnet habe. Er habe überhaupt keine Hintergedanken sondern wolle lediglich sein Karma verbessern. Zusätzlich erklärte er, dass ich ja seine Tochter sein könnte, wie könne er da etwas Böses wollen? Zur Verdeutlichung zeigte er noch ein Foto von seiner Tochter, die angeblich mir sehr ähnlich sieht. Schließlich haben wir uns von ihm zum Markt führen lassen, da wir sowieso gerade auf der Suche nach Bananen waren. Dort angekommen, wurde schnell klar, dass der Mann wohl doch andere Beweggründe hatte als sein Karma, da er sofort auf einen bestimmten Stand zusteuerte, uns zusammen mit dem Verkäufer zu Gewürzen und Tee überredete und schließlich wieder loszog, vermutlich um Ausschau nach den nächsten Touristen zu halten.

Insgesamt ist es manchmal schwer einzuschätzen, manchmal aber auch offensichtlich, mit welchen Hintergedanken Einheimische Dinge tun. Ich bin aber auch vielen Menschen begegnet, die sehr nett sind und egal, ob ich darum bitte oder nicht, sofort ihr Bestes geben, um mir zu helfen.
Piumi und GesaIn einigen Situationen muss man sich erstmal an die Verhaltensweisen der Singhalesen gewöhnen. So habe ich mich zum Beispiel anfangs gewundert, was das Kopfwackeln bedeutet, das man hier oft von den Kindern und vom Personal zu sehen bekommt, wenn man eine Frage stellt. Mittlerweile weiß ich, dass es nicht, wie ich zuerst dachte, „Nein“ heißt, sondern „in Ordnung“   - was mir die Kommunikation mit den Kindern gleich viel leichter machte und einige Missverständnisse aufklärte. Für die Kinder gilt auch die Regel, dass sie zugeben sollen, wenn sie etwas nicht wissen. So werden sie vielleicht wie der Polizist, den wir nach dem Weg fragten, auch einmal den Mut zum „Nein“ haben.

Bis demnächst,
Gesa.

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