Mein Weg ins neue Heim auf Zeit


Mein erster Blick aufs Angels HomeVor genau einer Woche habe ich mich auf den Weg zu meinem Praktikum ins ferne Sri Lanka gemacht. Seitdem verbringe ich hier täglich meine Zeit im Angels Home mit den 56 Mädchen und dem einheimischen Personal. Schon auf dem Weg hierher stachen mir die ein oder anderen Auffälligkeiten ins Auge, die man in Deutschland so vielleicht nicht kennt. Bei meiner Zwischenlandung in Kuwait saßen einige der wartenden Passagiere barfuß und in bunten Gewändern vor dem Gate auf dem Boden, unterhielten sich in den unterschiedlichsten Sprachen und es roch nach verschiedensten Kräutermischungen und ätherischen Ölen. Es schien als existierten alle Menschen um sie herum gar nicht, so vertieft waren sie in ihre Gespräche. Die einzigen Europäer waren, wie sie mir berichteten, zwei befreundete Ehepaare aus Großbritannien, die sich gar nicht trauten unter die fremden Fluggäste zu mischen und stets beisammen blieben. Selbst als ein Platz auf einer Bank freiwurde, quetschten sie sich zu zweit darauf, ohne den anderen aus den Augen zu verlieren. Auf meinem zweiten Flug nach Colombo fragte mich ein ägyptischer Flugbegleiter, was ich denn  allein in Sri Lanka vorhätte und ob ich ihm etwas Deutsch beibringen könne, da er sehr oft Aufenthalte zur Zwischenlandung in Frankfurt habe. Ich brachte ihm die Worte „Dankeschön“ und „Bitteschön“ bei, in der Hoffnung ihm nun die Möglichkeit eröffnet zu haben, ein freundlicher Gast (was er bestimmt auch ohne meinen Unterricht gewesen wäre) am Frankfurter Flughafen zu sein.

In Richtung Sri LankaNach 15 Stunden Reisezeit kam ich endlich in Colombo an. Mit dem vorher online beantragten Visum klappte zum Glück alles super schnell und auch mein Koffer war ausnahmsweise einer der ersten. Draußen wartete Julia auf mich, die ich zum Glück sofort von den Bildern der Homepage des Projekts erkannte und wir machten uns nach kurzem Warten auf den Fahrer auf den Weg nach Marawila zum Heim. Julia fror, da es für sie eine verhältnismäßig kalte Nacht war und ich musste mir alle gefühlte zwei Sekunden mein Gesicht abwischen, das glaube ich einer Tomate glich.Nach etwa einer Stunde Interview über das Heim (ich war komplett übermüdet und hatte einen ungewöhnlich extremen Redebedarf bei dem Julia herhalten musste), waren wir da.

Neuer MitbewohnerDas Heim ist riesig und der Garten mit dem vielen Sand, den Palmen und den bunten Blumen gleicht einem Paradies. Ich war begeistert und wurde von Theekshani, die oberste Matron hier im Haus, begrüßt. Sie strahlte und ich fühlte mich durch ihre liebevolle Art sofort willkommen. Julia brachte mich in mein Zimmer und ich durfte erst einmal bis 13 Uhr schlafen. Um 13 Uhr gab es Mittagessen und ich musste zu allererst mit Julias Hilfe noch einmal dem Personal erklären, was ich aufgrund meiner Zöliakie nicht essen darf. Das war eigentlich meine größte Sorge vor der Abreise, da ich wirklich aufpassen muss, dass auch keine Spuren von Gluten enthalten sind, beispielsweise schon allein durch das Benutzen eines „verseuchten“ Kochlöffels. Alle hatten Verständnis und mir wird nun jeden Tag erneut erklärt, was ich essen darf und was nicht. Ich fühle mich hier wirklich verstanden und muss keine Angst haben in dieser Hinsicht nicht ernst genommen zu werden. Da habe ich schon ganz andere Erfahrungen gemacht. Leider lag ich den zweiten und dritten Tag gleich mal flach. Die Umstellung von kalt auf warm, zwei Tage ohne Schlaf und womöglich auch die Umstellung auf das neue Essen und die dazugehörigen für mich fremden Keime ließen mich die ersten Tage im Bett verbringen. Am Montag war ich dann zum Glück wieder fit und mein Alltag, von dem ich in den weiteren Berichten erzählen werde, begann.

Subani-und-SodiIn der ersten Woche war ich noch die einzige Praktikantin und in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch holte ich Gesa, die zweite Praktikantin vom Flughafen ab. Schon nach dieser einen Woche sind mir die aufgeschlossenen und lebendigen Kinder ans Herz gewachsen. Ich bekomme täglich eine wunderschöne Frisur geschmückt mit Blumen und werde von links nach rechts gezogen um die verschiedensten höchstinteressanten Insektenarten zu begutachten. Mein neuer Spitzname ist bei manchen Kindern jetzt (Bild sodi)„Monkey“, da ich mein Lieblingstier nennen sollte. Begrüßt werde ich dann auch immer mit den dementsprechenden affigen Bewegungen :D Jetzt klingelt gleich die 13 Uhr Glocke zum Mittagessen und danach habe ich meine erste Englisch Nachhilfestunde mit Kawshaliya, Nethmi und Sandiya. Ich bin mal gespannt wie ich mich so als Laien- Lehrerin mache. Bis zum nächsten Mal, mein Magen knurrt schon.

Grüße Yvonne.

powered by social2s