Wie wars denn?


Mit den Mädchen auf dem Weg zum TempelDie wahrscheinlich prägendste Zeit meines bisherigen Lebens ist zu Ende. Wie wars denn? Jetzt erzähl doch mal. Was hat es dir gebracht? Was hast du erlebt? Meine Familie, Freunde und Bekannte überhäufen mich in den letzten Tagen geradezu mit diesen Fragen, die ich bis heute nicht in einem Satz beziehungsweise vollständig beantworten kann. Meine Erfahrungen kann ich noch immer nicht in Worte fassen.

Als ich aus dem Flugzeug stieg, begriff ich noch gar nicht wieder in Deutschland zu sein. Ein komisches Gefühl überkam mich als ich bemerkte, dass mich einige Leute beobachteten. Eigentlich war ich es aus Sri Lanka gewohnt angestarrt zu werden, dennoch empfand ich es in diesem Moment als weitaus unangenehmer. Andere Leute wiederum waren nur mit ihrem Smartphone oder Laptop beschäftigt und ganz abwesend, als würde um sie herum nichts geschehen. Die ersten Minuten in Deutschland überforderten mich und damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Ich ging nach draußen, die Temperatur lag bei 0 Grad. Als ich noch einmal genauer über das Verhalten der Menschen am Flughafen nachdachte wurde mir klar, dass sich alle eigentlich verhalten wie immer. Nur meine Sicht auf die Dinge hatte sich geändert. Dann erinnerte ich mich wieder an die schönen letzten drei Monate.

Affe auf der WieseWährend meiner Reise ist mir bewusst geworden, wie vielfältig Sri Lanka ist. Ich sah im Regenwald die verschiedensten Tiere und musste mich mit unzähligen Blutekeln rumplagen. Die Vielfalt der Flora und Fauna könnte man in Deutschland höchstens in einem Zoo sehen. Im ruhigeren Osten des Landes beobachteten wir Pfauen und Affen auf den weitläufigen Wiesen. Auch die Mentalität der Menschen war dort eine ganz andere.  Sonnenaufgang auf dem Adams PeakDer Höhepunkt meiner Reise war für mich der Aufstieg zum Adams Peak. Die unzähligen Stufen hinauf (und auch wieder hinunter) zum Siripada Tempel  konnte ich noch 2 Tage nach meiner Ankunft in Deutschland in den Beinen spüren. Dennoch hat sich die Mühe und das Zähne Zusammenbeißen gelohnt, einen so schönen Sonnenaufgang habe ich noch nie gesehen!

So aufregend, spannend und abenteuerlich die Reise auch war, die meiste Zeit musste ich an die Mädchen im Heim denken. Ich schaute auf die Uhr und überlegte was sie wohl gerade tun. Mir wurde dann ganz warm ums Herz und ich hatte ein Lächeln auf den Lippen. Ich erinnerte mich an die schönen Zeiten im Heim, an jedes Kind und an verschiedene Geschichten. Geschichten, die lustig, aber auch traurig waren. Doch auch an traurigen Tagen spürte man die Liebe und Freude im Angels Home. Was die Mädchen mir alles gegeben haben ist – im wahresten Sinne des Wortes – unbeschreiblich.

 Frische Früchte auf dem Markt in BatticaloaDie Busse in Sri LankaDrei Monate habe ich in einem Land gelebt, dass nicht anders sein könnte. Ich habe mich angepasst und die Zeit genossen. Ja, ich habe so vieles genossen, z. B. die frischen Früchte, das Meer, das Klima, die Sonnenauf- und -untergänge, die Busfahrten, das Essen, die ruhige Art der Menschen, das TukTuk Fahren. Sri Lanka ist für mich ein bisschen zu einer zweiten Heimat geworden. Eine Heimat am anderen Ende der Welt.

Viele Grüße aus dem kalten Deutschland,

Lisa.