Verliebt in Colombo


Zwei Verliebte in ColomboNun bin ich schon über einen Monat im Angels Home, über einen Monat getrennt von meinen Lieben zu Hause und über einen Monat hatte ich neben der Arbeit im Heim die Möglichkeit, Land und Leute hier in Sri Lanka kennen zu lernen. Diese Möglichkeit konnte ich idealerweise an meinen freien Tagen nutzen und die Umgebung sowie die dazugehörige ca. 60 km von uns entfernte Hauptstadt Colombo erkunden. Nach den ersten beiden Aufenthalten in Colombo konnte ich der Stadt durch ihre zahlreichen Charakteristika auch schon viel abgewinnen. Dazu zählen z.B. die bunten Klamottenstände im Stadtteil Pettah, die großen Shoppingzentren, das moderne World Trade Center, das kleine Teehäuschen, in dem ich meiner Teeliebe nachgehen konnte und nicht zu vergessen die lange Promenade am Strand.

Die Snacks am ImbissstandDie Strandpromenade fand ich während meiner Sightseeingtour wirklich sehr beeindruckend. Zum einen begeisterten mich die vielen Imbissstände mit ihren vielen ungewöhnlichen Snacks von eigenartig frittierten Krabben und Schrimps, bis hin zu verschiedenen mit Chili gewürzten Früchten. Zum anderen war es auch süß, wie Familien mit ihren Kindern Drachen steigen ließen, ein Eis genossen oder im Meer badeten. Weiter auf meiner Promenadentour stellte ich immer mehr fest, wie viele junge Paare in trauter Zweisamkeit unter ihren Sonnenschirmen saßen und wie frisch Verliebte den Sonntag genossen. Fast unzählbar konnte man unter den vielen bunten Schirmen versteckte Liebespaare erspähen. Für mich war es schon besonders und auffallend, weil ich das erste Mal so eine Zweisamkeit zwischen Mann und Frau hier in Sri Lanka beobachten konnte – vor Allem in so einer Menge. Denn eigentlich ist es Paaren nicht erlaubt, ihre Liebe in aller Öffentlichkeit zu präsentieren. Umso erstaunter war ich, dass diese jungen Paare es in Colombo dennoch taten, wenn auch unter ihren Schirmen versteckt.

colombo3Es war eine schöne Strandatmosphäre, akustisch vom Rauschen des Meeres und optisch von seinem weiten Horizont untermalt, der einen oftmals melancholisch und nachdenklich machen lässt. So saß ich mit meinen Gedanken ganz alleine, umringt von schwärmenden Liebespaaren und merkte ganz besonders, wie sehr mir meine zweite Hälfte, die ich in Deutschland zurückgelassen hatte, doch fehlte. Und plötzlich schien irgendwie alles zu zweit zu sein, außer ich. Denn wie ich so in die andere Richtung schaute, um von den bedrückenden Gedanken und den vielen Liebespaaren loszukommen, musste ich doch fast schmunzeln, als ich feststellte, dass selbst die beiden Gebäude des World Trade Centers, mit ihrem jeweiligen Partner an ihrer Seite, in diesem Moment besser dran waren als ich. Ich rechtfertigte mir diese absurde Einbildung damit, dass ich meinen Tim nun schon seit über einem Monat nicht gesehen habe und versuchte mich damit abzufinden. Das World Trade CenterNichtsdestotrotz habe ich allen ihre Liebe gegönnt, mich selber mit einem Eis getröstet und mit einem ausgiebigen Besuch im Shoppingcenter abgelenkt.

Am Ende war es doch ein schöner und erfolgreicher Tag. Und dieser Ort in Colombo, der es jungen Paaren offenbar erlaubt, verliebt zu sein, macht mir die Stadt umso sympathischer und ich werde sie sicher nicht das letzte Mal besucht haben.

Herzlichst,

Alicia