Zeichen und ihre Wirkung


Die Macht der ZeichenWie viel Macht Zeichen haben können, habe ich bereits oft in meinem Studium gehört und gelernt. Denn was die Sprache und Kommunikation betrifft, ist z.B. jeder kleinste Buchstabe ein (Schrift-)Zeichen für einen Laut, der zusammen mit anderen Buchstabenzeichen bzw. Lauten ein ganzes Wort ergibt, welches wiederum etwas bezeichnet. Kurz und allgemein gesagt: Ein Zeichen steht immer für eine Bedeutung. Das ganze würde man im fachwissenschaftlichen Bereich Semiotik nennen, und Semiotik bedeutet aber auch nichts anderes, als die Theorie vom Wesen, von der Entstehung und vom Gebrauch von Zeichen. Und in der Praxis findet sich diese Zeichentheorie auch im Angels Home wieder – wie genau, will ich euch erzählen.

 Unsere GlockePünktlich um 5 Uhr morgens klingelt täglich die Glocke, die als Signal für das Aufstehen ertönt. Die Glocke kommt mehrmals täglich zum Einsatz und dient immer als hörbares Zeichen für die nächste anstehende kollektive Tätigkeit. Wenn die Mädchen sich dann mit kaltem Wasser wach gewaschen haben, hören sie auch schon das nächste klingelnde Zeichen zum morgendlichen Tee und zu einem Frühstückssnack. Anschließend ertönt ein weiteres Klingeln für die Zahnpasta-Ausgabe, bevor es in die Schule geht. Die klingelnden Signale für die jeweiligen anstehenden Aktivitäten sind kaum wegzudenken hier im Angels Home, da sie die Mädchen in ihrer routinierten Abfolge an wichtigen Tätigkeiten begleiten und das gesamte Heim somit organisiert handeln kann. So wird im weiteren Verlauf des Tages z.B. auch zum Mittagessen, zum Tee am Nachmittag, zum Gebet oder zum Abendbrot geklingelt.

Zeichen für Tee trinkenAber auch für die zwischenmenschliche Kommunikation ist die Verwendung der (nonverbalen) Zeichen für uns Praktikantinnen von besonderer Bedeutung. Da einige Mädchen hier im Heim noch kein Englisch oder noch nicht so gut Englisch sprechen, wird in den meisten Fällen – mithilfe der Zeichensprache in Form von Handbewegungen, Zeigegesten oder Kopfnicken – auf nonverbale Art und Weise kommuniziert. Beim Kopfnicken gibt es aber kulturelle Unterschiede zu Europa, was das Interpretieren des singhalesischen Kopfnickens anfangs wirklich erschwert hat. Denn wenn die Mädchen oder auch andere Einheimische einem im Dialog zunicken, handelt es sich nicht etwa um das uns bekannte Kopfnicken von oben nach unten, vielmehr ist es eine Kopfbewegung nach links und rechts geneigt, die wir Europäer eher verwenden, wenn wir unschlüssig, skeptisch oder nur halb zufrieden sind.

Trotzdem können wir wohl froh sein, dass die englische Sprache in Sri Lanka so weit verbreitet ist, dass die meisten Menschen Englisch verstehen und auch sprechen. Hilfreich ist auch, dass diverse Produkte, wegweisende Schilder und viele andere Dinge die uns bekannten Schriftzeichen beinhalten, die man lesen und interpretieren kann (vorausgesetzt man spricht Englisch). Wäre dem nicht so, dann wäre wir doch etwas aufgeschmissener im Umgang mit der Sprache und den singhalesischen Schriftzeichen, die einem Europäer eher als ästhetische Kritzelei vorkommen könnten.Singhalesische Schrift

Mit den vielen Zeichen also, denen wir Menschen immer eine Bedeutung zuschreiben, schaffen wir es dann doch uns mehr oder weniger zu verständigen. Dass dabei Missverständnisse entstehen können, bleibt leider nicht aus, aber solange immer ein nettes Lächeln im Spiel ist, wie das der Mädels im Angels Home, ist die zwischenmenschliche Kommunikation doch meistens unterhaltsam – erst recht, wenn es irgendwie mit Hand und Fuß geschieht.

Bis bald,

Alicia