Das Wohlbefinden geht durch den Magen


Feuerstelle Ich habe Reis gegessen, also geht es mir gut – Wie ich erfahren habe, scheint das Essen bzw. der Reis eine große Rolle in Sachen Wohlbefinden des Singhalesen zu spielen. Denn wenn man sich trifft oder telefoniert, fragt man nicht unbedingt wie es seinem Gegenüber geht, vielmehr wird das Gespräch mit den Worten „Hast du schon Reis gegessen?" begonnen. Und da mir das singhalesische Essen bisher gut durch den Magen ging und ich mich stets gesättigt fühle, könnte ich guten Gewissens antworten „Ja, ich habe Reis gegessen".

Das kulinarische Angebot an Essen ist hier im Angels Home sehr ausgewogen, frisch und üppig. Neben Reis, der im ganzen Land, wie auch im Angels Home zum Standardprogramm zählt, gibt es allerlei Beilagen aus bekanntem und unbekanntem Gemüse. Was mir bislang noch unbekannt war, aber interessant schmeckt, ist eine Beilage, die hier Sambola genannt wird und aus Kokosnussraspeln mit reichlich Chili besteht. Darüber hinaus gibt es abwechselnd Fisch oder Hühnchen, wobei auch hier nie an Schärfe gespart wird.

Getrocknete ChilischotenDass das Essen in Sri Lanka schärfer ist als in Deutschland, ist wohl allgemein bekannt. Was mir offenbar jedoch nicht so bewusst war, ist die Tatsache, dass das bisschen Chilipulver, das ich mir einige Wochen vorher in Deutschland sachte auf mein Essen streute, um meine Geschmacksnerven schon einmal an die Schärfe zu gewöhnen, nicht ansatzweise mit der Schärfe hier in Sri Lanka zu vergleichen ist. Ein Witz, was ich an Schärfe aus Deutschland kenne! Wenn ich während der Mahlzeiten im Angels Home noch durchgehend damit zu kämpfen habe, dass mir die Nase nicht ständig läuft und immer genug Wasser zum „Feuer löschen" bereit steht, sehen die Kinder jedoch äußerst zufrieden aus und genießen ihr Essen in vollen Zügen. Natürlich wird untereinander auch mal geteilt oder getauscht, aber nie wird lauthals gejammert, dass etwas nicht schmeckt oder jemand etwas nicht mag.

Am Tag gibt es drei Hauptmahlzeiten – morgens, mittags und abends. Am Nachmittag wird zur sogenannten Tee-Zeit leckerer schwarzer Ceylon-Tee ausgeschenkt und als Zwischensnack gibt es etwas Süßes, wie beispielsweise Biscuits, Pancakes oder Samaposha (ein kleiner Energieball aus Kokosnussraspeln und etwas Zucker, gemischt mit einer Art gemahlenen Cerealien). Was die Mahlzeiten betrifft, ist mir die Tee-Zeit am liebsten, weil ich ein großer Tee-Fan bin und auch gerne zwischen den Mahlzeiten einen süßen Snack vertilge, der mir zur Abwechslung mal nicht den Gaumen verbrennt.

Singhalesische HaushaltsgeräteInteressant und erwähnenswert sind auch die „Haushaltsgeräte", die im Angels Home beim Kochen und Schnippeln zum Einsatz kommen. So wird eine offene Feuerstelle beispielsweise als Herd genutzt und Kokosnüsse mithilfe von Geräten ausgeraspelt, die im ersten Moment an gruselige Folterinstrumente erinnern. Die Mädels beim Schnippeln Nichtsdestotrotz dienen die Geräte, die manch einem Europäer einen Schauer über den Rücken laufen lassen können, als sinnvolle Kochbegleiter, die dem Personal, den Kindern und uns Praktikantinnen das Schneiden des Gemüses und somit unserer Köchin Suneeta das Kochen erleichtern.


Jetzt muss ich mich nur noch an die Schärfe gewöhnen, dann kann dem Gaumenschmaus und dem Wohlbefinden weiterhin nichts im Wege stehen.

In diesem Sinne: Bon appétit und bis ganz bald!

Herzlichst,
Alicia