Yes, es ist wieder soweit!


Ganz adrett in SchuluniformHier ein Auszug aus meinem Tagebuch als Einblick in mein erstes Augustwochenende und den Start in die Ferien.

Freitag, 1. August. Der letzte Schultag vor den Sommerferien, der Traum eines jeden Schülers und für uns Praktikanten, der letzte Tag an dem wir uns um fünf aus den Betten quälen, den verlorenen gegangenen Krawatten hinterherjagen mussten und auf die Frage „Can i have oil, please?" oder einfach „ooiilpleeaaase??" den Kindern selbstgemachtes Kokosnussöl auf die Hand drückten, was anschließend in die Haare geknetet wird bis sie so glänzen, dass man sich schon fast darin spiegeln kann.  Alicia und ich im Tuk-TukJa und gleichzeitig war es auch Alicias Geburtstag, den wir mit Julia und Frank gebührend feiern wollten. Ein kleines nettes Lokal sollte es werden, um den Tag ausklingeln zu lassen. So genossen wir dann in einem Scheunenlokal ein Gelage (ja richtig, kein Reis!) aus Hühnchen mit Pommes und Ketchup. Letzterer ist einer näheren Erwähnung wert und wird von mir mit dem Titel „bester Ketchup ever" gekürt, denn er ist so furchtbar fruchtig wie prickelnd scharf. (Sollte in meinem Koffer noch ein Eckchen frei bleiben, weiß ich sehr genau, was ich mit nach Deutschland nehme Smile).

Samstag, 2. August Meinen dritten freien Tag wollte ich ursprünglich in der Hotelanlage Palm Bay mit dem riesigen Swimming-Pool verbringen, was mir aufgrund eines anstehenden Konzertes dort verwehrt blieb. So wurde der Besuch eines Musikers, von dem ich noch nie gehört hatte, meiner Wenigkeit vorgezogen und ich suchte im nächstgelegenen Hotel Unterschlupf, um mich zu sonnen und bräunen (immerhin soll man ja sehen, dass ich in Sri Lanka war) und einfach die Seele im Liegestuhl baumeln zu lassen. Leider entpuppte es sich als ziemlich kleines Hotel mit einem noch kleineren Pool. Ich bekam eine Liege, die bessere Tage gesehen hatte, mit einer Matte bestückt, auf der der Schimmel nicht mal mehr zu verstecken versucht wurde, und das ganze gekrönt mit einem fleckigen Handtuch. Wenn es mich nun in Deutschland entrüstet hätte, musste ich hier im Paradies nur in mich hineinlächeln: Willkommen in Sri Lanka, liebe Claudia! Dennoch ich hatte einen sehr schönen freien Tag und kam erholt und gestärkt für die erste Ferienwoche (und auch ein klein bisschen bräunerSmile) zurück.

Sonntag, 3. August. Entlausungskur der MädelsWenn es bis hierhin nur eine Ahnung sowie ein leichter Juckreiz am Kopf war, nun hatte ich es schwarz auf weiß beziehungsweise Laus auf Hand. Ein sehr beliebte Beschäftigung der Mädels ist es, den Praktikantinnen die Haare zu flechten, nach dem Motto: Du hast die Haare schön ...lalala... und bei eben dieser Beschäftigung wurde heute ein leises Murmeln um mich „Tatis??" (singhalesisch für Laus) zu einem immer lauteren „Taaatiiis!!" und schon wurde mir triumphierend meine erste Laus auf die Hand gelegt. Zum Glück sind die Mädchen geübt in Entlausungskuren und so wurde ein gutes Stück Unkraut mit leichtem Ziehen, Drücken und Zupfen sofort gejätet. Der Sonntag, war der Tag vor der Abreise für ungefähr der Hälfte der Mädchen, die die Ferien „zu Hause" verbringen durften oder anders gesagt, bei denen überhaupt noch ein zu Hause existiert, das in der Lage ist, die Mädels zu versorgen. So wurde den ganzen Tag aufgeregt erzählt, wer denn alles heimfährt. Als die kleine Subani merkte, dass sie wohl nicht zu den glücklichen Heimfahrern zählt, sondern die Ferien hier im Angelshome verbringt, wurde sie plötzlich ganz traurig, setzte sich auf einen Stuhl und vergrub das Gesicht in ihren Händen. Wie sie da so saß, wünschte ich, sie könnte sich kurz durch meine Augen sehen und erkennen, wie schön, wie taff, lustig und redegewandt sie ist. Und erstmals hatte ich das Gefühl, ansatzweise zu verstehen, wie es ist keine Familie mehr zu haben oder andersherum wie wertvoll eine liebende Familie ist, denn diese kann nicht einmal das beste Kinderheim der Welt ersetzen.

Bis bald,

Claudia

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