Eine Hommage an die Jackfruit


Die JackfruitImmer wieder werde ich gefragt – von Freunden, Familie, Daheimgebliebenen – wie das Wetter hier ist, ob ich das Essen vertrage, wie es mir geht. Und jedes Mal laufen die Gespräche darauf hinaus, welche Unterschiede ich zwischen Sri Lanka und Europa ausmachen kann. Die einen sind offensichtlicher Natur: das feucht-schwüle Klima hier stell sich Schnürlregen, Pulverschnee und frühlingshaftem Sonnenkuss gegenüber – danach sucht man hier vergeblich. Andere Unterschiede sind subtiler, etwa die Mentalität der Singhalesen betreffend oder die Gepflogenheiten hier im Kinderheim.

Ein himmlischer – ihr erkennt die Metapher? – Unterschied findet sich in den Wipfeln der unzähligen Bäume auf dem Grundstück der Engel wieder. Schon bevor ich Österreich verlassen habe, wusste ich (dem Internet sei Dank), dass Sri Lanka einer der Hauptlieferanten an Kokosnüssen ist – und das weltweit. In etwa wie der (Erd)Apfel bei uns, landen ihre weißen Flocken in fast jeder Mahlzeit. Sei es Sambola (Kokosraspeln mit Chili), Samaposha (Kokos in saftig-süßem Teig) oder als Pancakefülle gemischt mit Zucker und Gewürzen. Als weitere süße Nachspeise, neben der Kokosnuss, wirken Bananen aller Art (ob grün, gelb oder rot), Mangos, Papayas und Melonen auf unseren Vitamin- und Energiehaushalt – das Beste: alles kommt frisch aus dem eigenen Garten.

Beim AufbrechenÜber ein Wunderding der singhalesischen Natur wusste ich allerdings nicht Bescheid und selbiges sollt ihr heute kennenlernen: die Jackfruit. Hoch oben in den Bäumen wächst und hängt sie bis sie auf Grund ihrer Größe und ihres Gewichtes mit einem lauten Knall (gefolgt von noch lauterem Hundegebell unserer zwei Schäfer Tom und Body) vom Himmel fällt.

Wegen ihrer harten und ergonomisch genoppten Schale zerbricht sie meistens noch nicht einmal und muss mit einer schweren Sichel aufgebrochen und zerteilt werden. Das Fruchtfleisch wird vom harzigen Rest entfernt (die Finger verkleben ordentlich, wenn man kaugummiartige Fäden damit zieht).

Ihr harziges InnenlebenBereits jetzt wäre die Jackfruit essfertig und schmeckt, meiner Meinung nach, wie eine Mischung aus eingelegter Birne und Litschi, nur weniger süß. Gewaschen und in tausend kleine Teile zerschnitten, landet die Wunderfrucht in unserem Curry oder mit etwas Zucker bestreut auf dem Nachspeisentablett. Die Kerne der Jackfruit werden getrocknet, geknackt, die hauchdünne Pergamentschale abgezogen und mit Gemüse (zB Kraut oder roten Rüben) als Beilage gereicht; geschmacklich ähneln die sie unseren Maroni und schmecken nussig-knackig.

 Ihre schmackhaften KerneEs ist ein sehr schönes Gefühl zu wissen, dass hier in Sri Lanka alles verwertet wird und nichts Brauchbares im Müll landet (was eventuell auch daran liegt, dass es keine Müllabfuhr gibt und man hier seinen Abfall verbrennen muss, aber das ist eine andere Geschichte). Auf jeden Fall erinnert das Nutzungsverhalten der Singhalesen nicht an unsere westliche Wegwerfgesellschaft.

Ihre schmackhaften KerneAuch die Behörden in Sri Lanka haben die Wunderwaffe Jackfruit in ihre Obhut genommen und gesetzlich festgelegt, dass jeder Einwohner Zugang dazu haben soll, sowie enorme Strafen für jene, die einen Jackfruitbaum ohne Genehmigung fällen. Hat man einen Baum in seinem Garten oder nicht, die Jackfruit ist Allgemeingut und so könnte es durchaus vorkommen, dass Famlien am Angels Home vorbeiziehen und um eine Frucht bitten – eigentlich ein sehr schönes System, das auch die ärmsten Münder stopft.

Stay tuned,

eure Sarah

 

Für die Literaturliebhaber und Rätselfreunde unter euch:

In der Finsternis eines Nachts,

lief ich in unserem Garten umher,

oben der Himmel schwarz, die Seele frei,

verweilte ich, die Luft schwül.

Eben noch Kinderlachen von Ishini, Anne, Samitha,

Yoyo-Effekt von laut und leis, Freiheit, Gleichheit, Stimmung, Sorgen.

Oben der Himmel schwarz, die Seele stark,

unten der Boden trocken; und ich? Einfach da.

P.S.: Akrostichon küsst Telestichon.