Viele Menschen meinen, der Weg sei das Ziel.


Sarah KrennbauerIch frage mich, was mich auf den Weg treibt, was auf ihm geschehen wird und was danach.

Ich frage dich, ob es ohne Ziel überhaupt den Antrieb geben kann, der einen den Weg gehen lässt.

In meinen 25 Lebensjahren habe ich gelernt, dass man seinen Weg nur bedingt selber pflastern kann. Einige Menschen helfen mit der Fugenmasse, andere legen scheinbar unüberwindbare Steine mitten auf ihn; man fällt, steht auf, geht weiter. Auf meinem Weg lagen bisher nur wenige, winzige Kieselsteine, die zu überspringen mir gelang. Ich weiß, dass sich viele Erdenbürger nicht mit solchen Problemchen herumschlagen, weil sie mit viel größeren beschäftigt sind: Armut, Angst, Einsamkeit. Deswegen habe ich mich entschlossen, das Praktikum im Angels Home for Girls zu absolvieren, um mit meinem großen Bagger voller Motivation, Liebe und Offenheit den einen oder anderen Felsen auf den Lebenswegen der Mädchen in Bewegung zu setzen, sodass er vielleicht ins Rollen kommt und irgendwann komplett zu Staub verfällt.

Woher diese Entschlossenheit in meinem Denken kommt?

Ich hatte das große Glück in einer wunderbaren Familie aufzuwachsen, sein zu dürfen, wie ich war. Ich musste nie große Entscheidungen treffen, alles schien sich irgendwie – fast auf magische Art und Weise – zu fügen: Matura 2008, Au-pair Aufenthalt in England 2009, Studienabschluss (Englisch und Deutsch auf Lehramt) 2014. Ein soziales Praktikum zu machen war mir schon seit meiner Schulzeit ein Anliegen; ich wusste immer, dass sich die Welt nicht von heute auf morgen verändern lässt, aber wenn jeder von uns heute etwas Gutes tut, könnte die Sonne morgen etwas heller strahlen.

Mit diesen Gedanken in Herz und Hirn trete ich diese Woche mein Praktikum bei den Engeln an. Die gesammelten Spenden – an dieser Stelle möchte ich ein großes, stolzes Lob an alle Beteiligten aussprechen – werden irgendwann aufgebraucht sein, die Mitbringsel aus Österreich zerbrochen oder verloren, aber wenn ich es schaffe, mir durch meine aufrichtige Art das Lächeln der Mädchen zu verdienen, Spaß zu haben, das Leben zu spüren, können wir alle – gemeinsam – nur profitieren.

Das ist das Ziel, der Antrieb, der mich auf den Weg in das ferne Land treibt, der mich verändert und doch schlussendlich zu dem machen wird, das ich schon immer war.

Auf bald,

eure Sarah.