Ein bisschen Zuhause am anderen Ende der Welt


Spielen mit den MädchenNach der hälfte meines Praktikums ist das Angels Home und Marawila für mich schon eine Art Zuhause am fast anderen Ende der Welt geworden. Man kennt die Aufgaben, die Mädchen besser, man kennt die Stadt und wenn man sich darauf ein lässt lernt man auch ein paar Leute kennen.

Ich genieße das Leben hier. Es ist schwer zu beschreiben. Es ist eine Art Arbeit tagsüber, allerdings kommt es einem eher vor wie eine Arbeit mit oder in einer riesen Familie und abends geht man nach oben (in unsere kleine Praktikanten-WG) und kann nochmal über den Tag oder viel andere Dinge reden. Es ist kaum vorstellbar, dass für mich jetzt schon die hälfte der Zeit vorbei ist und ich schätze die nächsten Wochen werden noch schneller vergehen als die bisherigen. Ich möchte einmal zusammenfassen, was bis jetzt wohl die größten Highlights und Erfahrungen waren die ich erleben und sammeln durfte.
Zu den Highlights gehören auf jedenfall das Zusammenleben und der Umgang mit den Mädchen. Man lernt mit der Zeit die einzelnen Mädchen und ihre Charakterzüge besser kennen und vor allem kann man bei sich 57 aufgeweckten Mädchen sicher sein, dass mindestens ein mal am Tag irgendwas super witziges passiert. Spätestens in der Playtime, wenn wieder eines der Mädchen oder man selbst den Ball auf den Kopf bekommt. Wink

Beim vorbereiten in der Küche helfen Honey Hoppers für 57 Kinder...puh, viel zu tun :-)Eine weitere Besonderheit hier ist die Liebe und die Eigenschaft zu Teilen, die man hier erlebt. Hier wird so gut wie alles geteilt sogar die eigenen Fähigkeiten wie nähen oder kochen. Ich habe hier bereits so viele Rezepte bekommen und beim kochen geholfen, dass mein Tagebuch jetzt eher als Kochbuch dient. Und nähen habe ich auch schon etwas gelernt.

Was ich auch sehr schätze ist das zusammen leben mit den anderen Praktikantinnen. Es ist immer nett und aufregend. Nadine ist jetzt dazu gestossen und da sie wie Maggi aus der Gegend um Köln kommt wurde natürlich sofort der Karneval hier gefeiert. Außerdem lerne ich durch die beiden und ihre Karnevalsmusik (Karneval nicht Fasching) auch noch den "Kölschen Dialekt".
Das eine neue Praktikantin gekommen ist bedeutet aber auch das eine andere gehen muss. Das Sara's Zeit nun vorbei ist finde wohl nicht nur ich sondern das ganze Heim schade. Sara hat es innerhalb ihres Praktikums hier geschafft viele der Mädchen zu berühren und obwohl wir nur so wenig Zeit zusammen hatten, ist Sara auch für mich ein ganz besonderer Mensch geworden (und keine Sorge Sara deine Leidenschaft für Samaposha (eine singhalesische Süßspeise) wird hier gut vertreten Wink  Wir Praktikantinnen
Auch als einen besonderen Moment würde ich meine erste Laus zählen die ich vor ein paar Tagen gefunden habe auf die ersteinmal angestoßen wurde denn jetzt gehöre auch ich zu den "Waschechten" Praktikanten. Glücklicherweise ist aber mein Päckchen mit Läusemittel Vorgestern angekommen und dadurch das ich die Tierchen jetzt schon habe kann ich nun auch uneingeschränkt mit den Mädchen Spielen, lachen, tanzen und natürlich lernen.Ein großer Haufen Mädchen

Wenn man sich erst einmal auf das Leben hier und die Veränderung die es Mietsicherung bringt eingelassen hat, dann lernt man auch einen besseren Umgang mit den Leuten und dem Land kennen. Man schaut hinter die kaputten Häuser oder über den Müll hinweg den man in den Straßen findet und entdeckt eine ganz andere Welt. Man lernt viele Menschen kennen, ob es die Besitzerin des kleinen Hotels um die Ecke ist oder der Gemüseverkäufer vom Stand an der Hauptstrasse ist. Man findet kleine schöne Straßen oder spannende Läden mitten in den chaotischen Städten. In Negombo zum Beispiel liegt ein traumhaft schönes, kleines Café einige Straßen abseits versteckt und wartet nur darauf gefunden zu werden (wie gut dein Reiseführer wirklich ist weißt du, wenn das Café dort drin steht). An einem meiner freien Tage den ich in Negombo verbracht habe, habe ich eine ganze Weile in diesem Café gesessen, das von einem Schweizer betrieben wird und die Atmosphäre und einen "richtigen" Café genossen. Icebear Cafe in Negombo Im Anschluss habe ich dann ein paar Läden durchstöbert, ein zwei Kleinigkeiten besorgt und mich dann auf den Rückweg in dem "Partybus" von Sri Lanka begeben. Ein Bus mit Fernseher und laufenden singhalesischen Musikvideos. Diese amüsante Fährt zählt aufjedenfall auch zu meinen besonderen Erlebnissen hier.

Der singhalesische Tarzan bei der KokosnussernteAuch sehr spannend war die Kokosnuss ernte die ich vor einigen Tagen miterleben konnte. Relativ kleine, athletisch gebaute Männer klettern 20 Meter hohe Palmen ohne irgendeine Sicherung hoch und holen die Nüsse runter. Das war sehr beeindruckend zu sehen und hat ein ziemliches Schachtfeld aus dem Gärten gemacht, was aber im Teamwork im Nu wieder behoben wurde. Man hat eben doch noch nicht alles gesehen auch wenn der Tagesablauf nach einiger Zeit zur Routine wird, passieren hier in Sri Lanka doch immer spannende Dinge. Was noch alles passiert erfahrt ihr natürlich in meinem nächsten Bericht.

Bis dahin liebe Grüße aus Marawila, Vera.