Herrlicher Kaffee


DER SONNENAUFGANG am „Adam's Peak"Und nun sitz ich hier, bei meinem Apfel-Birnen-Müsli, schlürf herrlichen Kaffe und stell mir so manche, für mich doch sehr essentielle, Frage:

Wie lange komme ich mit 3 Packungen Samaposha-Mehl aus? Sollte ich die Läusekur nochmal drauf machen oder bilde ich mir einfach ein, dass es juckt? Wann kümmere ich mich um meine völlig verschnittenen Haare? Ich entscheide mich dafür, weder heute noch morgen und vielleicht auch noch nicht übermorgen mir meine Fragen zu beantworten, denn im Moment liegt noch ein unheimlicher, magischer Zauber über allem und ich möchte jede Gelegenheit nutzen, um einfach nur dankbar zu sein. Und weil es sich hier ja um meinen letzten Bericht handelt, will ich mit all jenen lieben Menschen, die so fleißig mein Treiben da drüben im 7.627 km von Zuhause entfernten Marawila verfolgt haben, meine Gedanken ein letztes Mal auf diese Art und Weise teilen.

Ich bin so unglaublich dankbar für meine Erfahrungen bei meinen Engeln, denn hier habe ich so vieles zu verstehen gelernt. Was es heißt, sich gegenseitig ein Zuhause zu sein, wie wichtig es ist, den Respekt dem anderen gegenüber zu zeigen, wie schmerzvoll es sein kann, diesen Respekt mal nicht zu spüren, wie schön es ist, Teil einer so starken Gemeinschaft sein zu dürfen und wie viel Liebe man kriegt, wenn man mit ganzem Herzen bei einer Sache dabei ist.Ein letztes Mal Drücken

Die große VerabschiedungDoch nicht nur diese 57 bezaubernden, lustigen und liebenswürdigen Mädchen haben mir meine zweieinhalb Monate in Marawila versüßt, sondern auch die ganze Truppe, die genau für diese Horde sorgt, sie bemuttert und „bevätert", sich um ihr Wohl kümmert, sie erzieht, sie in die richtige Richtung weißt. Ich bin dankbar von jedem von ihnen so viel lernen haben zu dürfen, sei es durch Gespräche oder einfaches Beobachten.

Bei euch, liebe Julia und lieber Frank, Theekshani, Premalatha, Champa, Roshini, Sunitha, Judith, Sandamali, Mallika und Sujeeva, habe ich auf so viele Fragen eine Antwort gefunden, begriffen, dass sich vieles einfach nicht erklären lässt und gespürt, dass all dieses Fragen stellen und beantworten nur halb so wichtig ist. Diese Konstante, nach der man so oft im Leben sucht, die gibt es nicht, alles und jeder verändert sich und vor allem bin ich es selbst, deren Gefühle und Gedanken sich in jedem Moment drehen und wenden können und das auch tun.Danke auch an meine allerliebsten Praktikantinnen

Tee trinken am Fuße des höchsten Berges Sri LankasIch bin unbeschreiblich froh, endlich „Daheim" zu sein, so aufregend, spannend, turbulent und abenteuerlich mein Reisen auch war, es war anstrengend. Ich habe unheimlich liebe Menschen getroffen, mit so vielen Leuten Tee getrunken, habe zwischenzeitlich meine Mädels so vermisst, dass ich sogar in einem anderen Kinderheim „fremdgegangen" bin, um eine Runde Elle zu spielen und einfach wieder Kinder um mich zu haben. Denn Kinder sind so rein, wollen einem (in den meisten Fällen) wirklich nichts Böses und vor allem sind, meiner Auffassung nach, die Kinder Sri Lankas doch noch etwas anders als unsere österreichischen (B)Engel. Und wem kann man es vorhalten, auch ich bin anders und das schon nach 90 Tagen Sri Lanka.Kinderheim in Polonnaruwa

Ich habe eben gelernt, viele Dinge zu akzeptieren. Das Einzige in meiner Macht liegende Verwandel- und Veränderbare, das sind eben meine Gedanken, aus denen meine Handlungen werden. Die Erfahrungen, die ich nun gemacht habe, sind nicht von dieser Welt, in der ich mich jetzt wieder befinde. Hier im schönen ruhigen Pitzenberg, da wollen mich nicht alle Männer heiraten, nicht alle Geschäftsleute übers Ohr hauen, nicht alle Hunde beißen – mich wollen aber auch nicht alle Kinder an der Hand nehmen, alle Leute wissen, wie es mir geht und niemand stellt mir mehr die Frage „Where are you going? – Wo gehst du hin?" und schlussendlich hab ich darauf eh nie eine Antwort gewusst und ob es denn so wichtig ist, zu wissen wohin man geht, bezweifle ich ganz stark. Viel wichtiger ist, dass man jeden Schritt aus vollem Herzen macht und immer wieder einmal stehen bleibt, atmet und genießt.

Das große WiedersehenEinen letzten lieben Gruß,

eure Sara.